Der hinkende Bote

Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten

Donnerstag, 10. Januar 2013
Judith Butler im Porträt 4




„Ich habe ja nie einen Ort für mich gefunden“ sagt sie; ist das unbehauste Denken der Verständnisschlüssel? Von Rollen und Bildern und Stereotypen umzingelt? Man wird ja nicht nur geprägt, sondern verhält sich auch zu seiner Umwelt. Und diese Umgebung ist nicht nur konstruiert und schon gar nicht wesentlich diskursiv.

Und die Israelpassage arbeitet sich anscheinend ausschließlich an rechten Vorstellungen und naiven Ängsten bzw. Reaktionen ab. Wird hier das eigene Denken nur in Abgrenzung entwickelt? Sieht so aus.
Und dann wieder ein umstandsloser Schwenk zu Geschlechterfragen.

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Mittwoch, 9. Januar 2013
Judith Butler im Porträt 3




Geschlechterrollen, Geschlecht oder Stereotype? Stereotype oder Bilder? (Das ist ja nicht das Gleiche) Beziehungen der Bilder? Beziehungen der Geschlechter? Sexualität ist ein Abstraktum das auf höchst merkwürdige Weise als Subjekt zu agieren scheint? (laut Butler)

Das Gespräch in der Galerie: Stichwortgebung statt Fragen.

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Dienstag, 8. Januar 2013
Judith Butler im Porträt 2




Welche Familienverhältnisse führen zu einer Orientierung an Hollywoodmustern?

Feministische Bildbetrachtungen: Opferdiskurs vs. ja was? Sinnlichkeit und Lust oder Begehren als Beschwörung? Das ‚Werden‘ auf was bezogen? Sex oder gender oder desire oder identity? Warum nimmt der s. g. Differenzfeminismus die eigenen Begriffe nicht ernst?

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Montag, 7. Januar 2013
Judith Butler im Porträt 1
Arte hat dankenswerterweise ein Porträt von Judith Butler erstellt. Zu einigen ihrer Äußerungen schossen mir Gedanken durch den Kopf. (nix für ungut, der Differenzfeminismus weckt bei mir gruseliges Interesse)



Ein Direktor, der ein Urteil fällt, das zur sofortigen Entlassung hätte führen müssen und Privatunterricht bei einem Rabbi als Lösung. Ich weiß nicht, was ich schrecklicher finde.

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Freitag, 21. Dezember 2012
Besinnliches zum Jahreswechsel
„Oh du atmendes Leben, Ursprung des schimmernden Klanges. Du scheinst in uns und um uns, selbst die Dunkelheit leuchtet, wenn wir uns erinnern. Vater-Mutter des Kosmos, oder Atmendes Leben in allem, Namen aller Namen, unsere Identität entwirrt sich durch dich.“
Haben Sie’s erkannt?

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Donnerstag, 20. Dezember 2012
Schnipsel
Manchmal lese ich irgendwo etwas und was mir dazu einfällt, schreibe ich dann auf:

  1. „… dient die Psychoanalyse als Gegengift zu einem versteinerten, objektivierten Marxismus.“ Bliebe die Frage, ob das die Alternativen in der Nachkriegszeit waren, schließlich gab es auch Korsch und Brecht. Die Kritische Theorie scheint sich reichlich abstrus nur an Stalin abzuarbeiten, das Falsche gegen das Falsche setzend.
  2. Wenn Adorno im ‚Jargon der Eigentlichkeit' auf Heidegger und George gemünzt von „marktgängiger (n) Edelsubstantive(n)“ spricht, hat er – der Text ist Mitte der 60er entstanden – natürlich recht. Aus heutiger Sicht fällt zunächst auf, dass sie nicht mehr marktgängig sind. Heute werden andere Säue durch Dorf getrieben. Aber auch damals gab es – im aktuellen Jargon ausgedrückt – andere Diskurse, andere Ideologien, die sichtbar und manchmal auch (vor-)herrschend waren. Szondi, Borchert, Rock’n’Roll usw. Auch wenn man zu gute hält, dass der Text in einer bestimmten Zeit aus Ärger über das Heideggern im akademischen Raum geschrieben wurde, fällt als nächstes – mir zumindest – die fehlende Frage nach den Sphären der Redeweisen auf und die eigentlich (gnihihi) unhistorische Betrachtung. Wer redet mit welchen Interessen in welchem historischen Kontext wie? Wäre so eine der Fragen. Oder anders ausgedrückt: auch wenn die Ideologietheorie von Marx&Engels unzureichend und von ihren Jüngern zur Wahrheit vergespenstert wurde, ist es doch nicht vernünftig ihre - dürftigen - Erkenntnisse einfach zu ignorieren. (Wobei der Propaganda, wenn ich das bei meinem derzeitigen Lektürestand richtig wahrnehme, kaum Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wie kann man den Dr. Göbbels einfach beiseite lassen? Und wie verhält sich das falsche Bewusstsein zur Propaganda?)
  3. „Die Suche nach der eigenen Identität und die der Deutschen“ sei das zentrale Anliegen - laut eines rechtskonservativen oder ns-nahen Porträtverfassers - von Ernst von Salomon gewesen (interessant übrigens welche Ahnherren wieder ausgegraben werden.). Diese Suche nach der Identität ist eine spannende Sache, zumindest für mich, der ich nie nach Identität gesucht habe. Ich wollte alles Mögliche, finanzielle und persönliche Unabhängigkeit (kann man übrigens nirgends finden, zumindest nicht vollständig), nach Abenteuern, nach einem Job, den ich ohne zu leiden, dreißig Jahre machen kann, nach einer tollen Frau, und und und. Dabei wurde ich mit den Jahren immer einiger mit mir. Ob ich jetzt - als alter Sack - eine Identität habe? Ich bin zwar von allen anderen unterschieden (gilt auch für Tiere und Pflanzen und Steine), aber Identität ist ja noch mal einen Zacken schärfer.
  4. „Die expressionistische Formel „Jeder Mensch ist auserwählt“, die in einem Drama des von den Nationalsozialisten ermordeten Paul Kornfeld steht, taugt nach Abzug des falschen Dostojewsky zur ideologischen Selbstbefriedigung eines von der gesellschaftlichen Entwicklung bedrohten und erniedrigten Kleinbürgertums.“ Endlich mal ein Satz von Adorno, der mir gefällt. (ob er auch richtig ist? Ideologisch ist die Auserwähltheit wohl schon, aber dient sie nur der Selbstbefriedigung oder nicht auch als Waffe oder Trost?)
  5. Wenn Harald Martenstein ein Buch gut findet, weiß ich, dass ich es nicht lesen muss. Sehr verdienstvoll der Mann.
  6. Warum gibt es eigentlich keine Mit-Leidens-Zentralen? (Mit-Fahren geht schließlich auch)
  7. Als ich zu einem Flugblattverteiler der MLKPDAO sagte: „Nein Danke, ich bin ideologisch nicht ausreichend gefestigt.“ sah er mich an, als hätte ich ihm in den Schritt gefasst.
  8. Hübsche Idee von Rainald Götz: sein Erzähler beleidigt seine Figuren. Im Nibelungenlied wird Hagen von Tronje (oder: Hagen von Tronege) als „übele man“, als schlechter Vasall charakterisiert.
  9. Ich mein, solangs was gibt, da lass ich mir das mit der Ontologie ja gefallen, aber wenns nacherd vorbei is, is es auch nicht mehr so weit her mit der Ontologie.

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Mittwoch, 19. Dezember 2012
Der Plural des Kabeljaus
Voll Unschuld ist der Kabeljau,
Obwohl, er reimt sich auf die geile Sau,
Im Plural sagt Herr Duden schlaue,
Wird er sogleich zu: Kabeljaue,
Jedoch Bert Brecht vermerkt: Kabeljaus,
Wollt’ man sie reimen auf die Säue
Müsst’ nennen sie man Kabeljäue.
Ich jedoch denk mir, Ei der Daus,
Läg‘ ich nach ihnen auf der Lauer,
Und führe nächtens weit hinaus,
Tät ich sie nennen: Kabeljauer.

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Dienstag, 18. Dezember 2012
Morgenlektüre
Bertold Brecht: Der Javameier
In dieser Geschichte (ich habe sie noch nicht zu Ende gelesen, daher weiß ich nicht wie sie ausgeht) gibt es irgendwo beim Fischhändler frische Kabeljaus. Frische Kabeljauer fände ich eigentlich hübscher. Aber beides klingt falsch.
Kabeljaus hört sich wie feuchtfröhliche Zusammenkünfte, Kabeljauer nach unendlichem Gebrülle und Kabeljaue lässt an unendliche Flusslandschaften denken. Aber Fische, die über sanften Hügeln schweben? Das geht auch irgendwie nicht?
Warum weigert sich der Kabeljau in der Mehrzahl aufzutreten. Sooo schlecht schmeckt er eigentlich nicht?

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Montag, 17. Dezember 2012
Weltraunen IX
Warte, warte nur ein Weilchen ...

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Freitag, 14. Dezember 2012
Ich mache mir einen Tee und sehe aus dem Fenster.
Oft sieht oder erlebt man disparate Dinge unmittelbar hintereinander. Sie sind lediglich äußerlich verknüpft. Trotzdem bilden wir Verbindungen zwischen den Vorkommnissen und Bildern, die wir wahrnehmen.

Ich mache mir einen Tee und sehe aus dem Fenster. Ich bin genervt von dem Allianzturm am Treptower Park (ärgerlicherweise heißt er auch noch Treptowers), der meinen interesselosen Blick einfängt. Er ist beim Blick über die Stadt das höchste Gebäude weit und breit. Vor zweihundert Jahren war grundsätzlich der Kirchturm, wenn nicht das Höchste so doch eines der höchsten Bauwerke in einer Gemeinde. Früher war nicht alles schlecht, vor allem die Zukunft war besser.

Wenn ich morgens ins Büro wackle, komme ich an einer Arztpraxis für Obdachlose vorbei. Man könnte die Leute natürlich auch verrecken lassen. Im Büro schalte ich dann meinen Rechner an und mache mir einen Tee und bis das Wasser kocht, sehe ich aus dem Fenster.

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Donnerstag, 13. Dezember 2012
Weltraunen VIII
Das Leben ist keine einfache Sache

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Dienstag, 11. Dezember 2012
Der Kollege,
der es beinahe täglich schafft beim Kochen einer einzigen Tasse Espresso, die halbe Küche mit Kaffeepulver einzusauen und nachdem der sein Tässlein getrunken hat, es auch noch darüber hinaus schafft, beim ausspülen seiner Tasse eine zusätzliche Sauerei zu hinterlassen, also dem stell ich nächste Woche - wenn ich daran denke - ein Bein (manchmal hab‘ ich eine pädagogische Ader), dann kann er sich eine weitere Tasse kochen. Ja, Mensch, der ist doch nur ein paar Jahre jünger, ist er denn nicht – wie wir alle - etwas rüde umsozialisiert worden, damals in den 70ern? Oder macht dem zuhause noch sein Gespons seinen Dreck wieder weg? Auch eine Zugehfrau (klasse Wort!) zu haben, ist noch lange kein Grund unmotiviert Zusatzdreck zu produzieren. Sachichma.

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Donnerstag, 6. Dezember 2012
Weltraunen VII
... am Ende sind wir alle tot.

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Mittwoch, 5. Dezember 2012
Die Damen rufen, die Herren tragen
„Plim, plim, plam,
wir waten durch den Schlamm.
Die Damen rufen: Ich und huh!
Die Herren tragen Gummischuh.
Plim, plim, plam,
das ist Novemberschlamm.“
(James Krüss)

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