Der hinkende Bote

Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten

Dienstag, 12. Februar 2013
So geht Internet
Eine Boulevardreporterin wird von ihren Redakteuren ausgeschickt um als junge hübsche Frau, aufgebrezelt?, Politiker zu stalken. Sie soll aus einem alternden Politprofi (von dem ich schlicht nicht weiß, ob er sich gegen die Belästigung wehren wollte, ein Benimmdefizit hat oder - am Wahrscheinlichsten - generell Frauen für eine etwas depperte aber leckere Subspecies hält) Äußerungen herauslocken, die er wahrscheinlich gegenüber einem männlichen Reporter nie machen würde. Sie findet das auch noch völlig in Ordnung und supi. Sie fängt sich einige derbe bis zottige Sprüche ein.

Ein Jahr später passt es der Redaktion des Boulevardblattes prima in die politische Agenda, der Schnapsdrossel einen einzurühren und so wird ein Skandal inszeniert. Die Klatschreporterin wird zu züchtiger Kleidung verdonnert und darf dabei stehen wenn die Agendamaker vor die Pressekollegen treten.

Das Netzgemüse springt auf den Zug auf und sorgt für die Verstärkung der Inszenierung. Über Twitter und Blogs werden Meinungen und Befindlichkeiten in dieses Internet da geblasen, dass es eine wahre Freude ist.

Vom fundamentalen oder so Elend, dass die allermeisten Menschen nicht akzeptieren wollen, dass es mehr als zwei Geschlechter gäbe über den Skandal, dass sich Männlein und Weiblein baggernd finden und den häufiger vorkommenden Missverständnissen bei diesem Treiben bis hin zu blöder und ekelhafter Anmache, üblen Übergriffen und schweren Gewaltverbrechen. Alles wird zu einer Soße vermengt, schnepfig flankiert von einigen naiv gebliebenen Herren, die sich beispielsweise über Herrenwitze auslassen ohne etwas über Altherrenwitze, Herrenwitze oder gar Zoten zu wissen und zu faul zum recherchieren sind, schließlich geht es um die richtige Gesinnung und nicht um Sachverhalte, so dass sich die Mehrheit von Frauen und Männern irritiert bis genervt abwendet. Einzelne versuchen ein wenig Ordnung zu schaffen und die Diskussion zu strukturieren und ihr vielleicht auch noch ein Ziel zu geben. Die narzisstische Meute pöbelt sie an. Es wird zurückgepöbelt (und ewig jammern die Weibchen) und alles versinkt in einem subjektivitischen Auskotzen. Aber toll, dass wir mal drüber geredet haben.

Die Journaille riecht, dass eine neue Sau durchs Dorf rennt, die vom ‚Volk‘ goutiert wird (60 000 Meinungen. Sauwichtig, wahrscheinlich haben diese vielen Meinungen sogar mehr als zehn Leute geäußert, vielleicht sogar hundert. Netzgemüse und Presse flippen aus. So viel Lärm um irgendwas. Toll.) und bläst den „Skandal“ (und nu singen wir alle zusammen: ‚Skandal! Skandal um Rainer‘) über Talkshows und Artikel in den leidlich seriösen und weniger seriösen Blättern zum medialen Ereignis auf.

Und? Wat hättet nützt? Mer was et net, aber es ist auch egal, weil kurz davor ein anderer Skandal durch die Lande geblasen wurde (soll man in Kinderbüchern ‚Neger‘ schreiben dürfen oder geht davon das Abendland unter) und der nächste Hype lauert schon hinter der nächsten Ecke in Gestalt eines Landesministers, der zwar nichts rassistisches gesagt hat, aber meine Güte, so eng darf man das nicht sehen, irgendwie werden wir die Sau schon zum laufen kriegen.

So geht Internet, alle reden durcheinander, keiner hört dem anderen zu, alles wird zu einem großen Brei vermanscht und verpampert und niemand will etwas konkretes. Alle wollen sich nur äußern und auf jeden Fall gegen die Anderen gewinnen im Verlautbarungswettstreit. Aber gut, dass wir alle mal drüber geredet haben. Über was eigentlich? Über die Anbahnung von Sex oder von Partnerschaften? Über Benimmregeln? Über Benachteiligungen? Über Gewaltverbrechen? Na ja, so über alles und so, weil alles hängt ja mit allem, zumindest so irgendwie, zusammen. Aber endlich durfte mal jeder das sagen, was ihm oder ihr so mal gerade durch die Rübe rauscht und das was man andauernd immer ohne Unterlass sagt. Sonst darf man das ja nicht? Oder es hört einem keiner zu. Hört jetzt einer zu oder nicken viele nur mit dem Kopf und sagen: „Youh, allet schlimm. Na, lass uns mal ein Bier trinken gehen.“



Wenn es nicht auch noch so irgendwie nebenbei um etwas Wichtiges gehen würde, könnte man sich einfach am Kopf kratzen und sagen: "Ich aber gähne und sage, ach was"

Vielleicht aber beobachten wir gerade das Entstehen einer neu-alten ‚moral majority‘ mit der entsprechenden Bigotterie als kostenloser Zugabe.





Nachtrag

Eine nicht ganz so schreckliche Diskussion



Die Parlamentsreporterin des Tagesspiegels bringt es gegen Ende auf den Punkt: „Aber dann reden wir über ein anderes Thema: Sexismus in der Redaktion des Stern.“

Na ja, und die Vertreterin des Missy Magazins plappert halt ihre Agenda durch, egal was Thema ist.

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Montag, 11. Februar 2013
Eine Frage des Ausschnitts
Anette Schavan tritt nach Plagiatsvorwürfen zurück


... und ich wurde schon neugierig, ob sie der Universität oder dem Internet ...

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Freitag, 8. Februar 2013
Fundstücke 3. - 6. KW 2013
Hintergründe und Sichtweisen:
  • Ein wissenschaftlicher Blick auf Mode heute
  • Tom Standage: History of the World in 6 Glasses (Sie haben richtig gelesen: Eine Weltgeschichte in 6 Gläsern)
  • Nach einer Metastudie von US-Psychologen werden die Geschlechtsunterschiede gemeinhin übertrieben, psychologisch unterscheiden sich Männer und Frauen nicht kategorisch
  • US-Klage gegen Rating-Agentur


  • kluges und interessantes:
  • Klaus Bittermann macht Lust auf den Film über Hannah Arendt
  • Denken ohne und Filmen mit Geländer: Margarethe von Trottas filmische Annäherung an Hannah Arendt
  • Über den Seelenhaushalt unserer nimmermüd besorgten Mittelschichtseltern Und: Unsre Bücher, eure Sache
  • Rausch der Wachheit
  • »Enzensbergers Panoptikum. Zwanzig Zehn-Minuten-Essays«,
  • Franziska Augstein: Marx ist nicht gleich Marxismus (ob Karl Marx wirklich ‚den Markt‘ abschaffen wollte, wäre u.a. eine Frage, die man sich stellen könnte)
  • Bei der geschichtlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist die Beteiligung der Bevölkerung an Massenverbrechen das Feld, das künftig noch stärker erforscht werden müsse.
  • Salafismus als Jugendphänomen
  • Tanja Dückers: „Die Weiterentwicklung von Geschlechterrollen ist eine natürliche Konstante der Zivilisationsgeschichte.“(zu widersprechen gäbe es natürlich an der einen oder anderen Stelle einiges)
  • Ines Kappert über „Das Ende der Männer. Und der Aufstieg der Frauen“. Von Hanna Rosin („Nicht mal die Vorzeige-Konsumtrottel aus „Sex and the City“ waren solche Ideologieleichen.“)
  • Einige grundsätzliche Überlegungen eines/r gewissen fegalo zum Begriff "Sexismus"
  • „Das narzisstische Selbst hält sich fortwährend für die verfolgte Unschuld, trompetet laut seine Ansprüche heraus und verhaftet gerne die anderen (die Politik, die Wirtschaft, die Gesellschaft) für die eigenen schlechten Gefühle“ (ob sich die im Fazit behauptete Sensibilität einstellt, wäre die Frage. Mein Eindruck ist: nein!)
  • Ist das eine Ausnahme? Ein Knutschfleck beschäftigt die Verfassungsrichter
  • Die Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek über die "Gender-Ideologie" (je nun, weder falsch noch richtig. Manche Dinge setzten sich hinter dem Rücken der Produzentinnen durch – mecht ma sprechen)
  • Die mediale Rezeption von Pola Kinski: Kindermund
  • Wenn man also wirklich etwas gegen die Lohnunterschiede von Mann und Frau tun will, dann muss man real die Mütter fördern.


  • Zu Literatur und Sprache
  • das verdächtige Gewicht der Äpfel (ein hochinteressantes Blog übrigens
  • Franz Dobler über Andres Veiels „Himbeerreich“ Kettensägensätze
  • Die Gelehrtensatire der Aufklärung
  • Ein fulminanter Heimatroman?
  • „seine übersetzerfreundliche Prosa strahlt auf jeder Seite dieses Buches eine so unkomplizierte Fitness aus“ Clemens J. Setz über Jonathan Lethems neue Essaysammlung
  • Afrikanische Literatur (um afrikanische Literatur wollte ich mich auch schon seit einigen Jahren kümmern)
  • Hägar der Schreckliche
  • Rap als moderne Form antiker Heldenerzählungen
  • Hartwig Mauritz und seine der Wissenschaft und Technik verpflichteten Lyrik (sehr ungewöhnlich, weiß noch nicht wie ich sie finden soll)
  • Grimms Märchen als Splattermovie
  • Christian Köllerer über Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren
  • Das nicht gelöste Geheimnis wie Balzac seine Sardinenpaste zubereitete
  • Im Netz wird das Schreiben von Büchern ein kollektives Abenteuer: Das Publikum mischt mit.


  • Neue Wörter und Wendungen:
  • „kriddischer Dschornalismus“ würde man zu „fettarschige Selbstzufriedenheit“ in Mainz sagen.
  • 0,1
  • „Anbeter gigantischer hornbewehrter Zitronenfalter“
  • „Einfallbewirtschaftung“ (Wilhelm Genazino)
  • Gehirnstaupe
  • Neoliberalithikum
  • „zivilisatorisch induzierte Hypersensibilität“
  • „das folgenlose Gejammer der Weibchen“(nur die Kommentare von ‚Lea‘ sind interessant)
  • aufgedirndelt
  • Pataphysik
  • die Nichtverpimmelten
  • den Scheibenwischer zeigen
  • "Nordic-Stalking" oder einem Norddeutschen regelmäßig einen in den Kaffee tun
  • Die begriffslose Fetischveranstaltung ‘Gender’
  • ein solides Altberliner Frischbiergeschäft


  • Amüsantes:
  • Oh Wunder der Moderne!
  • Felsen und Bäume
  • Hausdurchsuchungen bei den Normahl-Punks


  • so dies und das:
  • A 1909 Edison film of Mark Twain
  • Ibn Battuta, ist für die arabische Welt, was Marco Polo für die europäische ist
  • Bedenkenswertes zur Sexismusdebatte von Frank Lübberding
  • (auch sein Kommentar hat mir zu denken gegeben, siehe auch )
  • Mit einem privat finanzierten Blog machen anonyme Unternehmer Wahlwerbung für Peer Steinbrück
  • Hat man ein Dekolleté
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    Donnerstag, 7. Februar 2013
    Schnipsel III
    1. Als unsere neue Schulpraktikantin mit ihrem weißen Kopftuch auf ihrem weißen Wischophon herumtriggerte habe ich mir noch nichts gedacht, als ich sie zwei Tage später mit schwarzem Kopftuch und schwarzem Telefon hantieren sah, musste ich mich dann doch am Kopf kratzen. Sind, so scheint’s, beides Accessoires, die passend getragen werden.
    2. “Die Kleine Alternativmedizinerin" von Ottfried Preußler. Macht mal halblang, Jungs.
    3. Deutsche Wissenschaftler haben eine neue Art entdeckt: felidae jammerensis.
    4. Ob die Alternativelektrotechnik eines Tages die Alternativmedizin an Beliebtheit übertreffen wird?
    5. Aus der Reihe Sätze fürs Leben: „Naja, die Mutter der Idioten ist immer schwanger.
    6. Und noch ein Satz fürs Leben: „Die Bösen sterben. Die Guten auch!“
    7. Ist Dschungelcamp nicht auch eine dieser Sendungen, in der mir völlig unbekannte Prominente Dinge tun die ich nicht verstehe? (Letztens habe ich in eine Sendung rein geklickt in der der Grund für ihre Berühmtheit - dritter Platz in der Vorausscheidung zur nordwestdeutschen Rhönradmeisterschaft der Senioren oder so ähnlich – eingeblendet wurde. Guter Service, sag ich mal. Na, auf jeden Fall waren da so Prominente, die aufgeregt Schuhe, Blusen und Röcke gekauft haben und ein eingeblendeter Kampfrichter bewertete die Bekleidung.)
    8. Als ich den Satz “Wann springt Steinbrück unter der Steinmeier-Latte durch?“ in einem im Übrigen völlig uninteressanten Text las, musste ich doch sehr herzlich lachen.
    9. “Ich möchte von ihm wissen, wie er es findet, im fortgeschrittenen Alter zum Hoffnungsträger aufzusteigen.” (die Boulevardreporterin Laura Himmelreich vor einem Jahr, in der Nacht vor dem Dreikönigstreffen, abends in einer Hotelbar)
    10. „Sexismus ist, dass die junge, hübsche Journalistin zum Gespräch mit dem älteren Politiker geschickt wird, weil man in der Redaktion so auf mehr Informationen hofft.“ So is et. Wenn die junge, hübsche Journalistin das dann tut und es zudem völlig supi findet, ist es hingegen ziemlich bescheuert.
    11. „die größten ethischen Fortschritte der Menschheit“ da fällt mir nix zu ein.
    12. „Seid ungezwungen, Kinder!“ sagte der Leiter der evangelischen Akademie Bad Boll schon vor dreißig Jahren von seinem Balkon herunter.
    13. „Da haben wir desolat.“ war kein Kommentar zu #aufschrei.
    14. Wissenschaft unter feministischen Fragestellungen zu betreiben ist fruchtbar, Frauenforschung ist furchtbar.
    15. Dass ich Matthias Matussek mit seiner Kritik an der „reaktionäre(n) Sexualmoral“ in der aktuellen Debatte Recht geben muss, hätte ich auch nie gedacht.
    16. und dann wäre da noch Frau Schavan: three of ... nine?

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    Mittwoch, 6. Februar 2013
    Schnipsel II
    1. Die deutsche Kolonialgeschichte auf eine Symboldebatte zu reduzieren hat etwas gruseliges.
    2. „ich wiege mittlerweile 47kg, vielleicht ein bisschen weniger, da das mit dem essen auch nicht mehr so der hit ist, seitdem ich aus der feiertagspause zurück bin. wenn ich an mir herunterschaue, mich anfasse, dann fasse ich einen ausgelaugten, kraftlosen körper an. einen körper, der nicht meiner ist und doch ein körper, den ich schon immer haben wollte, weil er meinem gefühlten_gelebten geschlecht nahe kommt, ich fühle mich wohl in diesem körper, der mir so viel angst macht“ Ob die Bitte um Hilfe wahrgenommen wird? Ich fürchte nein. Niemand wird die Not wahrnehmen wollen; wird eine ihrer Freundinnen den Rationalisierungen widersprechen?
    3. Einfacher geht es eigentlich nicht: „es gibt eine ganz klare Grenze zwischen einem tätlichen Angriff bis hin zu jahrelangem Missbrauch und einem schmierigen Kompliment.“ Und Übergriffigkeiten sind nochmals eine andere Sache, eine Klarstellung war nicht nötig. Solange einige simple Trennungen aber nicht akzeptiert werden, wird die Diskussion im Abstrusen bleiben.
    4. „Zwischentöne sind Krampf im Klassenkampf!“ sang mal, vor langer Zeit, …
    5. Sind Sie gestresst, weil ihnen „die Hälfte des deutschsprachigen Internets Genitalherpes wünscht?“
    6. Search request: warum sind kuhe bei homer immer hell (weil es vor zweieinhalbtausend Jahren noch kein schwarzbraunes Fleckvieh gab?)
    7. Es gibt Tage, da denke ich darüber nach, ob der iranische Präsident, der den Staat Israel (aber nicht die Juden) platt machen will, nicht durch Günther Grass auf der berühmten Liste ersetzt werden sollte. Wenn ein Staatspräsident ein anderes Land mit Krieg bedroht, auch wenn darin Juden leben, ist das ja nicht unbedingt antisemitisch. Kriegsdrohungen gegen andere Staaten kommen alle Tage vor.
    8. "unter Linken ist ja die Auffassung recht verbreitet, die Gleichstellung der Frau käme erst nach der Weltrevolution und ihre Unterdrückung sei ohnehin nur ein Nebenwiderspruch. Und nicht eine Frage der Menschenrechte." Ich kenn diese Diskussion nur aus den frühen 70ern. Ist das Argument als wohlfeile Abwehrstrategie übergeblieben?
    9. Dass ‚Gesicht und Leber der Partei‘ eine sexistische Knallscharge ist, glaube ich sofort, aber...
    10. Bezogen auf den eigenen Körper von Besitz oder Eigentum zu sprechen, erscheint mir widersinnig.
    11. Endgültiger Kommentar zum Zeitgeschehen: Ein russischer Wodkafabrikant zur Russ-Werdung von Depardieu: “Schön. Ein Trinker mehr.”

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    Dienstag, 5. Februar 2013
    Schnipsel I
    Manchmal lese ich irgendwo etwas und was mir dazu einfällt, schreibe ich dann in der Hoffnung auf, es nicht mehr zu vergessen (und kommentieren will man ja auch nicht überall … eigentlich fast nirgendwo):

    1. Die körperlose Frau der Judith Butler. Sie säubert Weiblichkeit von jedem Makel "des Natürlichen". Ein Prozess der seit ca. 300 Jahren von statten geht.
    2. Als ich las, dass manche Lesben die Pille nehmen, weil sie Menstruation als eklig erleben, bin ich ziemlich erschrocken.
    3. „Gott gibt Bier und Chips die Fülle“ (Milch und Honig war früher) bzw. wenn Gott mich liebt, schenkt er mir ein IPad (Mercedes Benz war auch früher).
    4. Der wievielte Weltuntergang war das jetzt?
    5. „Niedersachsen … dieses öde Sumpfland zwischen Amsterdam und Magdeburg“. (Deniz Yücel) Ich wollte doch schon längst mal sämtliche deutschen Volksstämme herunterputzen.
    6. „Wie man Frauen mit selbst angebauten Kartoffeln verführt“ ist auch so eine Frage, die ich mir nie gestellt habe.
    7. Als Mehlarsch sollte man sich etwas zurückhalten.
    8. „halbhirnigen Symboldebatten“ like!
    9. Ach und ja: das mit der Objektifizierung ist auch so ein Schlagwort, das mehr vernebelt als erhellt, schließlich verhält sich ein Subjekt zu einem Objekt. Was sollte es auch sonst tun.
    10. „Ich glaube ja, das Problem ginge schlagartig weg, wenn wir Spammen angemessen bestrafen würden. Ich wäre da für den Scharia-Ansatz. Pro Spam eine Gliedmaße abhacken. Erst die Finger, dann die Zehen, dann die Hände, Füße, etc. Nein, nicht pro Spamwelle. Pro Spam. Abschreckung funktioniert zwar im Allgemeinen nicht, aber das wäre mir an der Stelle nicht so wichtig.“ Doppelplus!


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    Montag, 4. Februar 2013
    Mads Brügger
    sollte man sich merken.

    Trailer zu “The Ambassador”



    und ein Interview:



    Zynisch? Wahrscheinlich.

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    Samstag, 19. Januar 2013
    zwei Wochen Pause
    wg. Arbeitsbelastung.


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    Freitag, 18. Januar 2013
    Wenn der eine Esel den anderen Langohr schimpft
    Zu Harald Eias Vorführen von blasierten Geschlechterforschern Teil 3




    Bei der ‚Evolutionsbiologie‘ (gegen Evolutionsbiologie ist ja nichts einzuwenden) werde ich misstrauisch und die Versimplifizierung von Darwin stößt mir ja sofort unangenehm auf, schließlich gibt es im Tierreich eine Fülle von physischen Merkmalen und Verhaltensweisen, die evolutionsbiologisch ziemlich sinnlos bzw. beliebig sind. Vielleicht sollte man mehr Wert auf die vielfältigen Interaktionen zwischen ‚körperlichen‘ und ‚sozialen‘ Faktoren legen.

    Die Borniertheit einer Aussage: „Ich habe eine theoretische Grundlage. Da ist kein Platz für Biologie.“ ist natürlich frappierend. Nur kommt man eben ohne theoretische Grundlage auch nicht aus.

    Bei Alles Evolution gibt es die vollständige Fassung (allerdings mit englischen statt deutschen Untertiteln)

    Problematisch sind – ebenso wie bei den „stramm soziologisch“ ausgerichteten Ansätzen – die Vorannahmen.

    So sehr ich das Vorführen der Borniertheit skandinavischer sozialpflegerischer Denkgewohnheiten gerechtfertigt finde, ein wenig aufbohren der Hirnforscher und Genfreaks, wie es etwa Stephan Schleim macht, wäre angebracht gewesen. (Wenn es Eia darum gehen sollte)

    Nochmals zu Eia, simplifizierende Geschlechterhirnis kann man auch so kritisieren: Puppenhaus und Ritterburg – spielen Mädchen und Jungen anders?

    Eine einigermaßen vernünftige Kritik an Eia konnte ich im Netz nicht finden, nur festmeterweise maskulinistisches Triumpfgetröte. (by the way: vor ca. 100 Jahren galt blau als Mädchenfarbe )

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    Donnerstag, 17. Januar 2013
    Wenn der eine Esel den anderen Langohr schimpft
    Zu Harald Eias Vorführen von blasierten Geschlechterforschern Teil 2




    Tja, der biologische Anteil. Vielleicht sollte man nicht gleich von ‚Biologie‘ reden und sich zum Beispiel klar machen, dass Verhaltensforschung keine ausschließliche Sparte der Biologie ist und dass es um sozialpsychologische und soziologische Studien geht. Hirnforschung und Genetik sind auch zwei sehr verschiedene Baustellen.

    Faszinierend ist die Studie über Neugeborene von Baron-Cohen. Da würde ein zweiter Blick lohnen. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Hormonspiegeln? Hormone werden ja bekanntlich durchaus auch „Außengesteuert“ ausgeschüttet. Wer sich schon mal verliebt hat, wird das nachvollziehen können. Die genetische Disposition ist da auch so eine Sache, zumal ‚zu viel‘ oder ‚zu wenig‘ nicht ohne Wertung auskommt.

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    Mittwoch, 16. Januar 2013
    Wenn der eine Esel den anderen Langohr schimpft
    Zu Harald Eias Vorführen von blasierten Geschlechterforschern Teil 1




    Das Gleichstellungs-Paradox ist allerdings interessant. Trotz aller Bemühungen um Gleichstellung bleibt die Geschlechterverteilung in den Berufen nahezu gleich.
    Zur Erklärung wird man da aber auf absehbare Zeit mit der Hirnforschung wohl nicht weiterkommen. Soziokulturelle Unterschiede manifestieren sich – ebenso wie ‚natürliche‘ – im Gehirn. Wo auch sonst.

    Das Überbetonen der symbolischen Ordnung ist dann die Kehrseite des Irrsinns. Und natürlich gibt es Grenzen bei dem was Menschen tun können, soziale und natürliche. Die Frage wäre, wo sie liegen.

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    Dienstag, 15. Januar 2013
    Judith Butler im Porträt 6




    „In den 80ern und 90ern war es für die Aids-Aktivisten eine zentrales Thema, dass die AIDS-Opfer ausreichend und angemessen zur Kenntnis genommen werden.“ In meiner Erinnerung war das große Thema, dass sie gestorben sind (bei den Aids-Aktivisten wie bei allen anderen), nicht dass die Opfer zur Kenntnis genommen werden. Es ging nicht um Anerkennung sondern um die Angst vor dem Tod. Selbst das Gebrabbel von der Lustseuche trug noch die Angst zu Markte. In meinem Umfeld starben damals alle schwulen Freunde und Bekannte. Ich war auf fünf oder sechs Beerdigungen, in zwei Jahren. Für mich und für die Kumpels war der eigene und der Tod der Freunde das zentrale Thema und keineswegs die öffentliche Anerkennung. Was ist das für eine absurde Verschiebung von Wertigkeiten?

    Die ELLE-Werbung im Anschluss ist dann zwischen unangemessen bis unappetitlich.

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    Montag, 14. Januar 2013
    Judith Butler im Porträt 5




    Das persönliche Leiden als Ausgangspunkt des Denkens. (Wenn man dabei nicht stehen bleibt, wäre es ja in Ordnung)

    Der Fotograf ist übergriffig.
    „Was ist ein betrauernswertes Leben?“

    „Ich würde gern etwas schreiben über jüdische Kritik an staatlicher Gewalt.“

    Auch in diesen Passagen wieder die Fixierung auf eine bestimmte Form von Kritik an ihren Positionen. Sie bleibt immer auf der persönlichen Ebene.

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    Freitag, 11. Januar 2013
    Fundstücke 1. - 2. KW 2013 und Reste 2012
    Hintergründe und Sichtweisen:
  • Die Ethnologin Katharina Kakar über die Vergewaltigungen in Indien
  • Die Anfänge der Religionspsychologie - Teil 1
  • Interview mit Christian Pfeiffer: „Ja es gibt da eine Vorschrift, wonach man zehn Jahre nach der Verurteilung eines Priesters die Akten zu vernichten hat.“
  • Wie wir gelernt haben, alles Männliche zu verachten. (Nun ja, nicht ganz so blöde wie die Überschrift vermuten lässt. Zumindest der Versuch, Männerbilder über die letzten 200 Jahre (ab S. 3) zu verfolgen ist vernünftig. Ob die Darstellung richtig ist, wäre dann eine zweite Frage. Kennt jemand eine Geschichte der Männerbilder? Jenseits von Theweleit selbstverständlich.)
  • Robert Misik über Gutmenschen
  • Malinowski: Mutterrechtliche Familie und Oedipuskomplex
  • Rahab zum Nahostkonflikt (die Ausführungen zu Jordanien)
  • Rezension zu Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland
  • Über Philosemitismus
  • Die Rolle des Reichsfinanzministeriums in der NS-Zeit
  • Avigdor Lieberman tritt als Außenminister zurück – und fast im selben Moment wieder an (Hach, israelische Innenpolitik erinnert mich doch immer wieder an die Kleinstadt aus der ich komme)
  • Wie afrikanische Sklaven in der Karibik den Vodou neu erfanden
  • „Nachhaltige Entwicklung ist eine unsinnige Vokabel wie friedlicher Krieg. Es gibt keine Entwicklung mit Nachhaltigkeit. Und was die grüne Industrie angeht, das ist reine Phantasie.“


  • kluges und interessantes:
  • Sonja Ablinger (Historikerin, Feministin)
  • "Clash of Cultures" - Neue Kulturkonflikte (Serie im Deutschlandradio)
  • Franz Walter über „Hunderttausende hochmotivierter und rüstiger Rentner“ aka „Wutbürger“
  • Andrej Holm über das Thierse-Interview
  • Beinahe jede(r) Zweite gilt als psychisch gestört
  • Über Geschmack
  • Die Verhältnisse ändern sich, wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen.
  • Robert Misik: „Geht doch nach drüben!“
  • Interview mit Tariq Ramadan (der als Vordenker der Muslime in Europa gilt – was immer das sein soll. Er ist auf jeden Fall ein kluger Kopf)
  • Stefan Gärtner: Gewalt auf dem Fußballplatz ist gesellschaftliche Gewalt
  • Auf den Spuren von Hannah Arendt
  • Vera Bunse macht sich Luft: Frauen & Blogs


  • Zu Literatur und Sprache
  • Seit mehr als fünfzig Jahren steht das Wort „Negerlein“ in Otfried Preußlers Klassiker „Die kleine Hexe“. Der Verlag will das jetzt ändern. Zu Recht?
  • Eine Geschichte vom Leben in „einer sonstigen kleinen architektonischen Überflüssigkeit“
  • Vor 75 Jahren starb Harry Graf Kessler
  • THOMAS ROTHSCHILD: Verteidigung des Schlagers
  • Mark Twain: The Adventures of Huckleberry Finn
  • Mark Twain »Meine geheime Autobiographie«
  • Carl Julius Weber’s Demokritos oder hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen.
  • Jenny Erpenbeck: „Aller Tage Abend“.
  • General Stumm von Bordwehr (muss man kennen, sowieso, genau)


  • Neue Wörter und Wendungen:
  • Leute mit Kopf-Aua
  • Kein vorehelicher Briefverkehr!
  • Die Wurstkatastrophe
  • Roland Kaiser der "Frank Schöbel des Westens"
  • Ritzenschmutz
  • kzH (krank zu Hause)
  • PETA = People Eating Tasty Animals
  • Pinguinhack
  • mieselsüchtig
  • Rettungsroutine via Kopfschüttlerin
  • Die Kniefälligen
  • Zahlenkundelehrerin
  • fruchtige Augen (ja, schönes Bild)
  • operierte Bikinibarbies
  • Bekenntnissammler
  • Kohlrabiapostel
  • „herrlich abgrundtiefer Geigenhass, jedenfalls seine Abneigung gegen das Geigengeschmier“
  • »Lebensthemen und Laberthemen [...] (liegen) manchmal nicht weit auseinander«
  • jemandem das Standgas einstellen


  • Amüsantes:
  • „Frauen können nicht aus Flaschen trinken“ und „Frauen müssen lachen, wenn sie Salat essen“ via Kid37 Wer könnte angesichts dieser Beweise daran zweifeln? Doch nur Leute, die meinen Frauen würden den lieben langen Tag an Wasserflaschen mit „Schnüffelstücken“ nuckeln . (Und: wenn der Herr Sarkozy in seinem Heimatland Nico le bébé genannt wird, wie heißt dann seine Frau?)
  • „Wie das Alexa mit Ratten geflutet wird, das ist schon eine tolle Idee. Das sollte man mal in die Tat umsetzen.“
  • Fast hätte ich gebloggt


  • Berlin, Berlin:
  • Feuerland


  • so dies und das:
  • Terror im East End An den Ereignissen zum Jahreswechsel 1910/11 waren ein künftiger hoher Funktionär der Tscheka und ein künftiger britischer Premierminister und Nobelpreisträger beteiligt.
  • Vom Geben und Nehmen Teil 1 von Ulrich Seidls Paradies-Trilogie: »Liebe« Von Georg Seeßlen
  • Interview mit Quentin Tarantino über seinen Film "Django Unchained"
  • Karlheinz Schädlich Der Dandy von Ost-Berlin
  • Die Max-Planck-Gesellschaft beschließt Gründung eines Instituts für Empirische Ästhetik
  • Unsere Männer wollen Bücher
  • akustische Eindrücke von allen möglichen Orten der Welt.
  • via holgi
  • Wir geloben unsere Kinder in Ruhe zu lassen
  • Publizist Farin über die Herausforderungen eines Kleinstverlags
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