Der hinkende Bote

Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten

Dienstag, 3. Juli 2012
Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (3)
Montag, 4. Juni 1. Teil

Sechs Uhr. Die Stadt erwacht, langsam.



Im Augenblick bin ich noch der einzige, der den neuen Tag zur Kenntnis nimmt.
Der frühe Morgen gehört der arbeitenden Bevölkerung. Die Straßenreiniger tragen T-Shirts mit der Aufschrift ‚ecologia e ambiente’ über grauen Hosen und beseitigen die Reste des Sonntag Abend, junge Frauen fegen die Restaurants aus, die Kellner kommen erst später. Schwärme von Schwalben gehen auf die Jagd und die eine oder andere Möwe untersucht die Reste der Menschen am Strand.



Zwei, drei Regentropfen benässen meine Haut. Die Müllabfuhr kommt. Mit einem anderen System müssten die Müllies die schweren Säcke nicht auf den Lader wuchten. Wenn man über 50 ist, merkt man das im Kreuz.

„Was machen wir nachher?“
„Volles Programm: Kaffee trinken, Cornetto essen, ein bischen glotzen.“


Einige Boote fahren aufs Meer. Ob das Wetter guten Fang verheißt? Wir werden es vielleicht gegen Mittag im Fischladen um die Ecke sehen.
Schöne Frauen am Morgen zu küssen ist kein übler Start in den Tag.
Ein betagter Herr macht mit seinem betagten Hund seinen Morgenspaziergang, ein Touristenpaar joggt an ihnen vorbei.
Zeit für die Dusche.
Viel und heißes Wasser, das sich auch gut regulieren lässt und dem nicht die Puste ausgeht: schön.



Sauber und wach machen wir uns auf den Weg zum ersten Rundgang. Am Lungomare herrscht noch morgendlicher Vorbereitungsbetrieb. Warum allerdings der Strand nach Minen abgesucht wird bleibt unklar.



Eine kleine Runde durch die Gassen der Stadt. Zumindest im Centro Storico hat jedes Haus Balkone, die mit einer Markise die Sonne aus den Wohnungen hält. Sehr sinnvoll. Trotz der Enge hat ein jeder Bewohner seinen Parkplatz vor dem Haus.



Auf der Piazza del Duomo gibt es eine Bar, die Cornetti anbietet. Das Frühstück ist gesichert.





Und auch sonst werden wir nicht darben müssen.



Wir schlendern weiter und plötzlich fällt uns ein: Rucksack vergessen. Am ersten Tag. Hoffentlich ist er noch da. Verdammte Scheiße.



Wir gehen zurück. Der Kellner war so freundlich ihn im Unterschrank seiner Anrichte zu verstauen bis wir es merken und ihn wieder abholen. Da sieht man es mal wieder: alles voller Mafiosi auf der Insel.
Nun aber zum Ipermercato SuperIdis. Alles Super und Hyper und so. Eine vernünftige Käse- und Wurstauswahl, sogar gutes Brot, Gemüse und Obst eher so mittel, aber alles was man so braucht. Was brauchen wir? Spülmittel, ein Schwämmchen, Klopapier, zwei größere Tassen für den Morgenkaffee, da in die Espressotassen des Appartements keine vierfachen Espressi passen, etwas Wurst und Käse, Butter, Tomaten, Wasser und Limo. Schwerbepackt geht es zurück. Eine kleine Pause zum lesen und ausruhen.

Die Klemperers machen Urlaub und kommen nach Genua:
Schwarzhemden sah ich mehrfach auf den Straßen, in der Tram usw. Unter feldgrüner Sportuniform sieht das schwarze Halsstück u. der Schlips der Camicia hervor. Breiter runder Hut mit Lederband, umgeschnallter Revolver; halb Wildwest. Verwegene u. stolze junge Leute. Ein etwas peinlicher Anblick. Als was sie alles Dienst tun, weiß ich nicht.“

(Victor Klemperer: Tagebücher S. 102 Genua. Sonnabend Vorm. 29. Mai 1926)
Allora, nun aber zum Hausberg, zum Tempio di Diana, zum Castello Medievale.



Die Rocca di Cefalú, der Kalkfelsen um den die Stadt herum gebaut wurde, war wohl schon seit der Steinzeit besiedelt. Der Name Cefalú kommt vom phönizischen bzw. griechischen Kefa, Kephalos und bedeutet ‚Kopf’. Kephaloidion hieß es dann in griechischer Zeit und wurde 396 v. Chr. erstmals erwähnt und begab sich in die Konflikte zwischen den Griechen und den Phöniziern, später dann in die Konflikte zwischen den Römern und den Phöniziern, wurde zerstört und wieder aufgebaut, erlebte unter den Arabern eine kurze Blüte.
Der Normanne Roger II lies dann den Dom erbauen.



Eine Wanderung von ein bis zwei Stunden mit orientierenden Blicken auf das Städtchen. Der Tempel und die Burganlage sind nicht sonderlich beeindruckend.





Danach einmal am Meer um den Ort herum.



Noch eine Cola im Kioskito des Parks am Lungomare.
Eine japanisch aussehende Familie, die untereinander Italienisch spricht, am Nebentisch. Vater und Tochter spielen getrennt auf ihren IPhones, die Mutter träumt vor sich hin. Während wir zum Zeitvertreib die Leute beobachten, daddeln die Beiden vor sich hin. Na klar, warum auch nicht.

Wieder nach Hause, zwei Stunden Mittagsschlaf, dann etwas Lesen und einen halben Liter Wasser trinken.

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Montag, 2. Juli 2012
Schnipsel
  1. »Herr Tschabobo aus Tschurangrati« wäre auch ein guter Nick.
  2. oder Georg Schragel
  3. „Ich höre gern einem guten Witz zu, ich bin nicht dagegen“ (Peter Handke)
  4. Search request: wir mÃchten mit der gruppe 12 personen und einem hund von la spezia bis riomaggiore und zurück von vernazza nach la spezia mit dem zug fahren (kein Problem)
  5. „Auf dem Lehrplan von 1968 fehlte Metaphysik.“ Meinte auch schon Adorno. Für mich war das das geringste Problem.
  6. „Ein wegnehmbarer Mann ist für eine Frau von Verstand und mit Wahlmöglichkeiten ohne jedes Interesse.“ Aus der Reihe Sätze fürs Leben. Bliebe noch die Frage, ob er stimmt, der Satz.
  7. Populisten, was soll man sagen: Furchtbares Volk, diese Populisten. Sag ich doch letztens zu meiner Frau: Fall nicht auf diese Populisten rein! Und? Was macht sie? Fällt auf diese Populisten rein. Und hinterher gibt’s wieder ein großes Geschrei: Ach wär’ ich doch nicht auf diese Populisten hereingefallen. Aber auf mich hört ja keiner.
  8. Search request: himbeerbubi
  9. „viele unterschiedliche paramedizinische Kulte“ von Globuli bis Traditioneller chinesischer Medizin.
  10. Der einzige akzeptable Gedanke aus originär liberaler Denktradition ist die Notwendigkeit der Gewaltenteilung.
  11. „Ich bin vorwiegend zufrieden mit dir.“ Sagte die Frau zu ihrem Mann. Hoffentlich war es liebevoll-ironisch gemeint.
  12. Am Samstag im BE gewesen, Stallerhof von Franz Xaver Kroetz als Gastspiel des Burgtheaters Wien gesehen. Nach der Vorstellung meinte ein Zuschauer, dass das Stück „ergreifend“ gewesen sei. Seitdem denke ich darüber nach, warum mich sein Urteil so sehr gestört hat. War es nur der unbeteiligte Tonfall oder ist das Diktum „ergreifend“ unangemessen?
  13. Precht: Die Kunst kein Egoist zu sein ausgelesen. Ein Buch über Moralphilosophie, also über die Fragen der persönlichen Lebensführung. Nicht unpolitisch, nicht genügend politisch. Bis ins 18. Jahrhundert, bis zur endgültigen Ablösung persönlicher Herrschaft, trägt ja Moralphilosophie, zumindest auf der naheliegendsten Ebene, eine Menge aus. Und danach?

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Freitag, 29. Juni 2012
„Dresden, den 9. Dezember 1801
Ich schnallte in Grimma meinen Tornister, und wir gingen. Eine Karawane guter gemütlicher Leutchen gab uns das Geleit bis über die Berge des Muldentals, und Freund Großmann sprach mit Freund Schnorr sehr viel aus dem Heiligtume ihrer Göttin, wovon ich Profaner sehr wenig verstand. Unbemerkt suchte ich einige Minuten für mich, setzte mich oben Sankt Georgens großem Lindwurm gegenüber und betete mein Reisegebet, daß der Himmel mir geben möchte billige, freundliche Wirte und höfliche Torschreiber von Leipzig bis nach Syrakus, und zurück auf dem andern Wege wieder in mein Land; daß er mich behüten möge vor den Händen der monarchistischen und demagogischen Völkerbeglücker, die mit gleicher Despotie uns schlichten Menschen ihr System in die Nase heften, wie der Samojede seinen Tieren den Ring.

Nun sah ich zurück auf die schöne Gegend, die schon Melanchthon so lieblich fand, daß er dort zu leben wünschte, und überlief in Gedanken schnell alle glücklichen Tage, die ich in derselben genossen hatte; Mühe und Verdruß sind leicht vergessen. Dort stand Hohenstädt mit seinen schönen Gruppen, und am Abhange zeigte sich Göschens herrliche Siedelei, wo wir so oft gruben und pflanzten und jäteten und plauderten und ernteten und Kartoffeln aßen und Pfirschen: an den Bergen lagen die freundlichen Dörfer umher, und der Fluß wand sich gekrümmt durch die Bergschluchten hinab, in denen kein Pfad und kein Eichbaum mir unbekannt waren.

Die Sonne blickte warm wie im Frühling, und wir nahmen dankbar und mit der heitersten Hoffnung der Rückkehr von unsern Begleitern Abschied.“
( Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.)

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Donnerstag, 28. Juni 2012
Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (2)
Sonntag, 3. Juni 2. Teil

Heute ist Sonntag und Strand und Straße vor unserer Unterkunft entsprechend belebt.



Ein kleiner Rundgang durch das Örtchen, Wasser kaufen und eine Kleinigkeit essen. Die Antipasti waren so lala.
Eine Stunde Pause, dann wird es Zeit für den Sundowner.
Vor dem Haus steigt ein Fleischberg mit Shorts, T-Shirt und Badelatschen auf seine schwere Moto Guzzi und fährt davon. Ich muss dabei unwillkürlich an den Professor für plastische Chirurgie, damals in Freiburg, denken, der in 14-stündigen Operationen versuchte aus den Motorradfahrern wieder Menschen zu machen.



Das Abendessen war ein Reinfall: schlechte Pizza Margherita und schlechter Salat, der Wein war gut.



Auf der Piazza del Duomo ist eine Kundgebung. Wenn man mehr Italienisch könnte als für das Lesen einer Speisekarte notwendig ist, könnte man verstehen um was es geht. Eine große Menschenmenge klatscht respektvoll an einigen Stellen der Rede. Es wirkt nicht wie eine Wahlkampfveranstaltung. Meine Liebste meint, sie hätte im Weltspiegel mal ein Porträt des älteren Herrn neben dem Redner gesehen. Sie ist sich aber nicht sicher. In dem Beitrag ging es um einen Provinzgouverneur, der der Mafia den Kampf angesagt hatte. Es sind zwar Carabinieri und Policia Lokale anwesend, sie wirken aber nicht wie Personenschützer.



„Was machen wir morgen?“
„Wir haben Urlaub, wir müssen keine Pläne machen. Städtchen erkunden und den Hausberg besteigen?“
„Au ja!“

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Mittwoch, 27. Juni 2012
Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (1)
Sonntag, 3. Juni 1. Teil

Es ist etwas wolkig und kühl, der Taxifahrer, der uns am Morgen des 3. Juni 2012 abholt, stammt aus ich weiß nicht woher. Glücklicherweise ist er maulfaul, so vor 6 Uhr, sein Radio leider nicht. In Friedrichhain kann man an den Haltestellen der Busse und Straßenbahnen die Alkoholleichen vor sich hindümpeln sehen.
Eigentlich sollten wir schon von dem neuen Flughafen in Schönefeld fliegen, aus den in allen Garetten ausgewalzten Gründen war es dann doch nicht der Fall.

In München dann eine knappe Stunde Aufenthalt und erneut der Eindruck, dass der Flugbetrieb nur eingerichtet wurde, damit genug Kunden für die Shoppingmeile verfügbar sind. Lokale Boulevardblätter werden kostenlos angeboten und wie schon in den vergangenen Jahren nehmen wir keines der Angebote wahr. Die Transportbänder katapultieren einen 50 Meter durch die Halle, zum Ausgleich laufen die Rolltreppen ins untere Stockwerk arschlangsam. Beim Vorbeirasen an den Plakaten gucken einen die Damen und Herren, die Parfüm verkaufen wollen etwas verrucht an, die Versicherungsvertreter unüberraschend seriös und die Zigarettendamen schmollen auf einen herab.
Auf dem Vorfeld eine Maschine von Augsburg Airways: was es alles gibt.
Dolomiti Airways, im Auftrag von ... Mehr als einen trockenen Keks hätten sie schon spendieren können.

Während wir in Palermo noch zum Flughafengebäude rollen, ruft eine Frau, Deutsche, Mitte dreißig, eine Bekannte/Freundin an, um sich mit ihr vage auf ein Glas Wein nach ihrem Urlaub zu verabreden, irgendwo, in einer noch auszumachenden Kneipe in München. Näheres wolle man dann in zwei Wochen bereden. Die unendliche Vermehrung der Kommunikation, das vermehrte Bedürfnis nach Kommunikation, die Unmöglichkeit nicht sofort und überall zu kommunizieren.
Heiß ist es in Palermo.
Der Bus zur Stazione Palermo Centrale fährt durch eine schrecklich zersiedelte Landschaft, teilweise ist die Autobahn nur vier oder fünf Meter von den Häusern entfernt. Langsam verdichtet sich die Bebauung und wird zur Stadt.



Hässliche Wohnblocks werden zunehmend von schönen, wenn auch teilweise verfallenen Häusern ersetzt, kleine Parks lockern auf und je weiter man ins Zentrum kommt, um so häufiger fahren wir durch baumgesäumte Straßen.



Alles etwas unübersichtlich, am Ende klappt alles und wir sitzen im Zug nach Messina.



Ein mitreisendes Ehepaar ist aufs Lautstärkste entzückt von Bergen und Meer.

Wir kommen pünktlich zur verabredeten Zeit an und werden prompt deswegen als Deutsche verdächtigt. Ich versuche das mit Verweise auf den Fahrplan der Trenitalia zu relativieren. Ob Italiener nie auf die Ankunftszeit in den Fahrplänen sehen, wenn sie einen Termin für die Schlüsselübergabe vereinbaren? Ein freundlicher Hausverwalter weist uns, nachdem wir geringfügig in die Irre gegangen sind, in Wohnung und Ortschaft ein. Wir wissen nun, wo der nächste Supermarkt, der Duomo und ein nettes Restaurant ist. Er erzählt uns zudem, dass er leider kein Feuerzeug für den Gasherd habe, da die Signora, der die Wohnung gehört, Raucherin sei und ihn bei jedem Treffen um sein Feuerzeug erleichtere. Irgendwann müsse er mal einen großen Gasanzünder für die Wohnung kaufen.

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Dienstag, 26. Juni 2012
im Sommer 1981
“In der Mitte seines Lebens, im Sommer 1981, beschließt der Kellner Paul Gompitz aus Rostock, nach Syrakus auf der Insel Sizilien zu reisen. Der Weg nach Italien ist versperrt durch die höchste und ärgerlichste Grenze der Welt, und Gompitz ahnt noch keine List, sie zu durchbrechen. Er weiß nur, daß er die Mauern und Drähte zweimal zu überwinden hat, denn er will, wenn das Abenteuer gelingen sollte, auf jeden Fall nach Rostock zurückkehren.”
(F. C. Delius: Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus)

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Montag, 25. Juni 2012
Wieder da


Ob und wann ich einen Reisebericht fertig bekomme, kann ich noch nicht sagen. Wenn es mit dem Schreiben so langsam vorwärts geht wie im Augenblick, gehen einige Monate ins Land.

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Mittwoch, 30. Mai 2012
Disteln, Kapern und Süßspeisen
Kurze Unterbrechung bis 22.6. 2012

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Dienstag, 29. Mai 2012
Idylle mit Zementfabrik
Zementfabrik Lichtenberg von Stralau gesehen

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Freitag, 25. Mai 2012
Fundstücke 20. – 21. KW
Hintergründe und Sichtweisen:
  • Rezension zu Gilbert Achcar: Die Araber und der Holocaust. Der arabisch-israelische Krieg der Geschichtsschreibungen
  • Rezension zu Ueli Greminger: Johann Caspar Lavater - Berühmt, berüchtigt, neu entdeckt Theologischer Verlag, Zürich 2012
  • Lothar Baier über Hannah Arendt: Beiträge für die deutsch-jüdische Emigrantenzeitung
  • Politik: Seitenwechsler im Überblick
  • Henryk M. Broder über die Ost-Berliner Psychotherapeutin Annette Simon, die Tochter von Christa Wolf(eigentlich wollte ich etwas über die Eltern von Christa Wolf herausfinden)
  • aufschlussreicher: Hans Mayer über Christa Wolf: Kindheitsmuster
  • Wer noch warm ist, ist nicht tot[via kopfschüttlerin]


  • kluges und interessantes:
  • homo pirata - zu einer Sozialfigur der digitalen Revolution
  • Lothar Baier über Goldhagen, Browning, Finkelstein und Novick
  • Richard Schuberth: Das Neue Wörterbuch des Teufels
  • Was Descartes von Data (nicht) lernen könnte


  • Zu Literatur und Sprache
  • Die Kleine Sprachgeschichte. Dialekte als Muttersprache
  • Lothar Baier über Rudolf Leonhard: In derselben Nacht. Das Traumbuch des Exils.
  • Lothar Baier über William Faulkner: Mississippi.
  • Lothar Baier über Paul Celan - Gisèle de Lestrange: Briefwechsel.
  • Alfred Schobert über den gleichen Briefwechsel
  • Lothar Baier im Gespräch mit Volker Braun
  • Lothar Baier: WIDER DIE NAIVE VORSTELLUNG VON DER MULTIKULTUR


  • Neue Wörter und Wendungen:
  • „Die um sich greifende Biopest“ (Bioläden sind gemeint)
  • „Linksnibelungen“ (Paul Celan)
  • Sprechblasenfacharbeiter
  • Peinsack
  • „komfortverachtende, stinkefüßige Erdkundelehrer“
  • „eine nachwachsenden Sorte von Deppen, also die nächsten Generation“
  • Bürger ißt Burger? (Jean Stubenzweig)
  • Erbrechkultur; Orgasmuskultur
  • „Ich schreibe auch ins Internet, also bin ich auch Autor.“ (Kid37)


  • amüsantes:
  • Seit zehn Jahren bringe ich euch Politikwissenschaft bei – aber was ihr politisch findet, verstehe ich erst jetzt.
  • 57 Gramm gegen 18 Frei¬minuten
  • die Generation Wasserflasche
  • „und bei der Gelegenheit gleich die gesamte Menschheit zu eliminieren. Ganz klar.“ ("Men in Black III")
  • von einem Mammut gebissen


  • so dies und das:
  • Der Designer Dieter Rams ("Mr. Braun") und Die Designexpertin Sophie Lovell im Corso-Gespräch mit Tanja Runow
  • Alles über das Ostkreuz
  • Nachruf Alfred Schobert
  • Huhn und Rhabarberkuchen
  • Wer wohin will - Transportmittel in Cuba


  • Nachtrag
  • Gespräch mit Delius über „Als die Bücher noch geholfen haben. Biografische Skizzen.“(solange es noch verfügbar ist)
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    Donnerstag, 24. Mai 2012
    Schnipsel
    1. Da ich keine Lust habe, statt einer auskömmlichen Rente in Mülltonnen nach Ess- und Verwertbarem zu suchen, bedaure ich die Implosion der Linken.
    2. Georg Seßlen könnte für meinen Geschmack jeden Tag einen längeren Post verfassen.
    3. Steffen Seibert, dessen Name ein ganzes Bekenntnis ist.
    4. Ein Taxi mit der Werbeaufschrift ‚Insolvenzkiste’ rast mit so 80/90 Sachen an einem vorbei, aus seinem Auspuff wirbelt eine vier oder fünf Meter lange dicke schwarze Rauchwolke heraus und verhüllt für eine Minute den Bürgersteig. Ein Vulkanausbruch ist wahrscheinlich doch noch eine andere Kiste, n'est-ce pas?
    5. „Es gibt keine“ (hakuna) „Probleme/Schwierigkeiten“ (matata) oder wie der Afghane gerne sagt: „No Problem!“ (meinte der erste Mensch, den ich 1973 hinter der persischen Grenze traf und nach einem Hotel fragte)
    6. Search request: 1626 insel name abgequatscht von indianers
    7. Hier is netter als bei dem Laberfaktotum da.
    8. Ein schwarzer Kerl aus Trier (frei nach Engels/Bauer)
    9. Guacamole: Reife Avocado, Schalotten, Koriander, Petersilie, scharfe grüne Chilis, manchmal wenig winzig klein gewürfelte Tomaten und Olivenöl. Wenig Limettensaft.
    10. „Man verlangt ein schönes Weizenbier und bekommt nichts als ein ‚Erdinger‘.“ (Max Goldt)
    11. Notiz an mich: Bei „starken Frauen“ nicht automatisch an Gewichtheberinnen denken, auch Frauen, die Geld für arme Negerkinder einsammeln um ihren Marktwert zu erhöhen, werden „starke Frauen“ genannt. „Schwache Frauen“ sind dann wohl die, die frühmorgens unter der Bettdecke hervornuscheln: „Kaffee, sofort, ich will Kaffee.“
    12. Search request: strumpfhose berghütte eindringen

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    Mittwoch, 23. Mai 2012
    In der Teeküche
    Ich komme herein und höre den Rest eines Satzes: „im Kommunikationsstil anstrengend.“
    Neugierig frage ich nach: „Das ‚im Kommunikationsstil anstrengend‘ nannte man früher: eine Nervensäge?“
    „Aber nein, anstrengend heißt, dass er sich nicht um Emails oder Bitten um Rückruf kümmert.“
    „Von Toten hört man öfters, dass sie in dieser Weise kommunizieren?“
    „Na, das wollen wir doch nicht hoffen.“


    Ich setze Wasser auf und die beiden Kollegen unterhalten sich ohne mich weiter.

    „Problematisch ist auch sein redundanter Argumentationsstil.“
    „Stimmt und manchmal etwas hochnäsig und unhöflich.“
    „Das schon, aber ungeheuer kompetent.“


    So jetzt kenne ich und damit auch der geneigte Leser, die geneigte Leserin den Unterschied zwischen einer Nervensäge und „im Kommunikationsstil anstrengend.“

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    Dienstag, 22. Mai 2012
    Gebet eines Atheisten, wenn er sich Gott gegenübergestellt sähe
    Vater, der du dich deinem Kinde nicht gezeigt hast, unbegreiflicher und verborgener Weltbeweger, den ich nicht entdecken konnte, verzeih, wenn mein beschränkter Verstand dich nicht erkennen konnte in einer Natur, in welcher mir alles notwendig schien.

    Verzeih, wenn mein empfindendes Herz deine erhabenen Züge nicht herausfinden konnte unter denen des wilden Tyrannen, den der Aberglaube zitternd anbetet. Wie konnte mein schwaches Gehirn deinen Plan, deine Weisheit durchschauen, da die Welt mir doch nur ein Gemisch von Ordnung und Unordnung darbot, von Gutem und Bösem, von Bildungen und Zerstörungen?

    Konnte ich deiner Gerechtigkeit huldigen, da ich das Verbrechen so oft siegen sah und die Tugend in Tränen? Meine Unwissenheit ist verzeihlich, weil sie unwiderleglich war. Wenn du deine Geschöpfe liebst, ich liebe sie wie du, ich habe mich bemüht, sie in meiner Umwelt glücklich zu machen.

    Hast du die Vernunft geschaffen, ich habe ihr immer gehorcht; gefällt dir die Tugend, mein Herz hat sie immer geehrt, ich habe sie nach Kräften geübt. Habe ich schlecht von dir gedacht, so geschah es, weil mein Verstand dich nicht begreifen konnte; habe ich schlecht von dir gesprochen, so geschah es, weil mein allzu menschliches Herz sich gegen das abscheuliche Bild empörte, das man von dir machte.

    Meine Irrtümer waren die Wirkungen der Natur, die du mir gegeben hast, der Umstände, in die du mich ohne meine Einwilligung hineingestellt äst, der Gedanken, die mein Geist unbewusst gefasst hat.

    Bist du gut und gerecht, wie man sagt, so kannst du mich für die Abwege meiner Phantasie nicht strafen, nicht für die Folgen meiner Leidenschaften, nicht für die notwendigen Ergebnisse der Organisation, die du mir gegeben hast. Wolltest du mich hart und ewig strafen, weil ich auf die Vernunft hörte, die dein Geschenk ist, wolltest du mich für meine Täuschungen züchtigen, wolltest du mir zürnen, weil ich in die Schlingen fiel, die du mir überall stelltest, dann wärest du der grausamste und ungerechteste Tyrann, du wärest kein Gott, sondern ein boshafter Dämon, dem ich mich unterwerfen und dessen Wut ich sättigen müßte; aber dann wäre ich stolz darauf, dein unerträgliches Joch abgeworfen zu haben.
    (Paul Heinrich Dietrich Baron von Holbach )
    Aber nicht dass Sie jetzt denken, die Brights wären mir sympathisch. Es war eine andere Zeit, damals, als man für solche Äußerungen noch Gefahr lief, im Gefängnis zu landen.

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    Montag, 21. Mai 2012
    Schlimme Wörter

    cimex, sus lutulenta,
    prodigium, stultissimus,
    insubidus, nebulo,
    stolidus, cucurbitae caput,
    gulo, lustro,
    homullus ex argilla et luto fictus,
    lotiolentus, corvorum cibaria,
    sterteia, milva.



    Da darf natürlich auch ein Hinweis auf die Prieditisschen Sauereien nicht fehlen.

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