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Schlechte Morde 9: altkluges Bürschchen vor Supermarkt
noch kürzer
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g. | Donnerstag, 22. Dezember 2011, 05:01 | Themenbereich: 'Der Dichter hier sprichter'
Also wegen rauchen und so. Also: ich aus Supermarkt, heller Wahnsinn, Kaufrausch, aber entkommen. Also: Gemüse, Fleisch, Wein, Obst. Also in Tasche natürlich. Oder Beutel. Auf Boden und erst mal Fluppe, also weil entkommen. Poahh. Dann von unten. Also beinahe übersehen. Also: Rauchen ist gesundheitsschädlich. „Mama warum macht der das?“ Also schnell in Tasche oder Beutel nach Kokosnuss suchen und Zack! Ruhe! Aber: schlecht. Geht nicht. Weil: wenn altkluges Bürschlein: keine Kokosnuss. Oder wenn Kokosnuss kein Bürschlein. Also: Kokosnuss oder Bürschlein, nicht Kokosnuss und Bürschlein. Beides gibt’s nicht, also schlecht. Nächster Plan. Zack!
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Schnipsel
g. | Mittwoch, 21. Dezember 2011, 05:00 | Themenbereich: 'so dies und das'
- Es ist ein großes Vergnügen sich selbst zu widersprechen. Vielleicht sollte ich mir ein Zweitich anschaffen? Das muss dann aber auch ausreichen!
- The next big thing nach diesem Internet dürfte die Nanotechnologie sein. (Okay, ein publikumswirksamer Hype wird es wohl nicht werden.)
- Westerwelle beherrschte meisterhaft das Ansprechen rechtskonservativer Milieus ohne gemäßigtere Schichten zu verprellen. Sein Pech war, dass das nur in der Opposition funktioniert. In der Regierung muss man Entscheidungen treffen und Klientele bedienen. Das hat er nicht begriffen. Und der Nachfolger?
- Der Hungerstreik in Bischofferode war ein völlig anderer symbolischer Akt als die Betriebsbesetzung in Rheinhausen oder Hennigsdorf. Diametral entgegengesetzt.
- Parteitag der Grünen in Kiel: „Doch der Weg, griechische und spanische Probleme als europäische Innenpolitik statt als deutsche Außenpolitik zu begreifen und dies gerade in der europäischen Krise zu propagieren, führt weiter.“ Ja, das muss man den Grünen positiv anrechnen. Mal sehen, ob es auch in einer Regierung Bestand hat.
- Die Rechten haben bislang als einzige politische Strömung eine große Erzählung von Europa (Mythos): christlich, Bollwerk gegen die Moslems, Aufklärung etc. Müsste man dem nicht mal etwas entgegensetzen? Eine eigene Erzählung?
- Als areligiöser Mensch kann ich mit Metaphysik wenig anfangen, ich sehe aber die Verzweiflung.
- Wovor ich mich sehr fürchte, ist, in einer ausweglosen Situation von einem Pfaffen belästigt zu werden. Ich möchte in Frieden sterben.
- Überhaupt: wieso glauben religiöse Menschen eigentlich, Experten in Sachen Not und Sterben zu sein?
- „rohe Bürgerlichkeit“ (Wilhelm Heitmeyer) und krawallige Besinnlichkeit gehören auch in einer Weise zusammen, die einen zweiten Gedanken Wert ist. Komplementär?
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Naslöcher XIV
g. | Dienstag, 20. Dezember 2011, 06:07 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„... und in die Gesindstube gesetzt, allwo sich schon zween Schneider, ein Schuster mit Schuhen, ein Kaufmann mit Hüten und Strümpfen, und ein anderer mit allerhand Gewand eingestellt, damit ich ehest gekleidet würde; da zog man mir den Rock ab, samt der Ketten und dem härenen Hemd, auf daß die Schneider das Maß recht nehmen könnten; folgends erschien ein Feldscherer, mit scharfer Laugen und wohlriechender Seifen, und eben als dieser seine Kunst an mir üben wollte, kam ein anderer Befehl, welcher mich greulich erschreckte, weil er lautet', ich sollte mein Habit wieder anziehen; solches war nicht so bös gemeint, wie ich wohl besorgte, denn es kam gleich ein Maler mit seinem Werkzeug daher, nämlich mit Minien und Zinnober zu meinen Auglidern, mit Lack, Endig und Lasur zu meinen korallenroten Lippen, mit Auripigmentum, Rausch-schütt und Bleigelb zu meinen weißen Zähnen, die ich vor Hunger bleckte, mit Kienruß, Kohlschwärz und Umbra zu meinen gelben Haaren, mit Bleiweiß zu meinen gräßlichen Augen, und mit sonst vielerlei Farben zu meinem wetterfarbigen Rock, auch hatte er eine ganze Hand voll Pinsel. Dieser fing an mich zu beschauen, abzureißen, zu untermalen, den Kopf über eine Seite zu hängen, um seine Arbeit gegen meine Gestalt genau zu betrachten; bald ändert' er die Augen, bald die Haar, geschwind die Naslöcher, und in Summa alles, was er im Anfang nicht recht gemacht, bis er endlich ein natürliches Muster entworfen hatte, wie Simplicius eins war: Alsdann durfte allererst der Feldscherer auch über mich herwischen, derselbe zwagte mir den Kopf, und richtet' wohl anderthalbe Stund an meinen Haaren, folgends schnitt er sie ab auf die damalige Mode, denn ich hatte Haar übrig.“
(Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus.)
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Braucht man unbedingt zu Weihnachten
g. | Montag, 19. Dezember 2011, 05:11 | Themenbereich: 'so dies und das'
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Schlechte Morde 8: Autofahrer viel Lärm
ein ziemlich kurzer Roman
ein ziemlich kurzer Roman
g. | Freitag, 16. Dezember 2011, 04:46 | Themenbereich: 'Der Dichter hier sprichter'
Also mit hupen und so. Morgens. Vor dem Haus. Also nicht nur morgens. Eigentlich immer. Morgens, mittags, abends, wenn schöne Frau vorbei oder Hund kackt. Immer. Aber warum? Wegen Gene? Autofahrer so mit Hubgen? Blödes Volk. Egal was, immer hupen. Ne nicht immer. Wenn Araber Benzin nach oben, also Preishub, dann jammern, nicht hupen. Also nervig. Also richtig extrem. Also nervig. Und wenn jetzt so zack? Also nicht auf Straße, sondern von oben. Aus Fenster. Zack. Also so: Unten Auto: vrouuum. Quäck, quäck! Oben: Wasser in Beutel und Zack! Nicht schlecht. Winter, Wasser, Frieren, schlittern und Hausecke im Weg. Zack! Alles Paletti. Ah! Aber schlecht, ganz schlecht. Weil: Autofahrer zwar eklig, wenn also der Parkplatz oder Vorfahrt oder so. Hass! Und: Quäck, quäck, quäck! Aber wenn Wasserbombe, kein Hass, sondern. Herr Wachtmeister, da, da, da oben. Schlecht. Polizei vor Tür und: Oh op, op, hilft nix. Au Weia. Verboten. Zack! Geldstrafe oder wenn Autofahrer kaputt: noch schlimmer. Also Schlecht. Geht nicht. Zack!
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Schnipsel
g. | Donnerstag, 15. Dezember 2011, 05:12 | Themenbereich: 'so dies und das'
- Labskaus soll in Hamburger Kneipen von Gästen und Personal ja schon mal Kellnerkotze genannt werden. Das sind aber sicher nur böswillige Menschen.
- Das Abfackeln von Autos und das Plündern von Geschäften gehört nicht zu den erhabensten Mitteln des politischen Diskurses. Ob in GB trotzdem jemand etwas daraus lernen will?
- Im Himmel ist Jahrmarkt und die Weihnachtsmärkte sind die Hölle.
- Toleranz bedeutet ja, dass man etwas duldet, was eine Last ist. Respekt aber bedeutet Anerkennung. Sind Religionen nun zu tolerieren oder zu respektieren?
- Setzkastenfeminismus: vielleicht trifft dieser Ausdruck am Ehesten was ich meine.
- „zu viel Nachdenken ist immer nur im Interesse der aktuellen Machthaber“ meinte jemand letztens in diesem Internet da, da fällt mir jetze auch nix mehr zu ein.
- Das Abfackeln von Flüchtlingsheimen und das Hören von black music passen offenbar problemlos zusammen.
- Wobei dann noch zu fragen wäre, was denn das Schwarze in black music sein soll. Jazz aus dem Senegal wird ja auch nicht so bezeichnet. Black wären dann einige Stilrichtungen afroamerikanischer Musik?
- Wasserstandsmeldung: mit dem Agathon und den Abderiten bin ich durch, zurzeit kämpfe ich mit den Texten zu oder eher gegen Rousseau.
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Sternstunden des Dialogs 1: Der Zug bremst
g. | Mittwoch, 14. Dezember 2011, 05:06 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Quietsch, Knartz, Knatter: „Sehr geehrte Fahrgäste, eine Durchsage: unser ICE hat in Braunschweig einen außerplanmäßigen Halt.“
Ich so: „Entschuldigen Sie, warum hat den der Zug einen außerplanmäßigen Halt in Braunschweig?“
Der Zugebegleiter so: „Weil er bremst.“
Ich so: „Aha, aber eigentlich wollte ich den Grund wissen, ich z.B. könnte keinen außerplanmäßigen Halt veranlassen?“
Er so: „Nein!“
Ich schwöre: der Mann wollte mich nicht auf den Arm nehmen. Wollte er keine Auskunft geben, konnte er nicht oder durfte er nicht?
Mein Sitznachbar dreht sich zu mir und sagt lachend: „Eigentlich hat er völlig korrekt geantwortet.“
In Braunschweig wurde übrigens der Lokomotivführer gewechselt.
Ich so: „Entschuldigen Sie, warum hat den der Zug einen außerplanmäßigen Halt in Braunschweig?“
Der Zugebegleiter so: „Weil er bremst.“
Ich so: „Aha, aber eigentlich wollte ich den Grund wissen, ich z.B. könnte keinen außerplanmäßigen Halt veranlassen?“
Er so: „Nein!“
Ich schwöre: der Mann wollte mich nicht auf den Arm nehmen. Wollte er keine Auskunft geben, konnte er nicht oder durfte er nicht?
Mein Sitznachbar dreht sich zu mir und sagt lachend: „Eigentlich hat er völlig korrekt geantwortet.“
In Braunschweig wurde übrigens der Lokomotivführer gewechselt.
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Georg Stefan Troller zum 90. Geburtstag
g. | Dienstag, 13. Dezember 2011, 05:12 | Themenbereich: 'so dies und das'
Schon in den 60ern und vor allem in den 70ern habe ich kaum eine seiner Reportagen versäumt. Es waren Nachrichten aus einer anderen Welt, eine Art des Umgangs mit Unbekanntem, die mich immer gefesselt hat.
Berühmt waren seine Pariser Geschichten und natürlich seine Porträts, hier ein Ausschnitt des Interviews mit Edith Piaf:
Später dann die Personenbeschreibungen:
Ein Interview von Gero von Boehm:
Berühmt waren seine Pariser Geschichten und natürlich seine Porträts, hier ein Ausschnitt des Interviews mit Edith Piaf:
Später dann die Personenbeschreibungen:
Ein Interview von Gero von Boehm:
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Über Päpste, Fahrradkuriere und gewisse Erscheinungen
g. | Montag, 12. Dezember 2011, 05:25 | Themenbereich: 'Begegnungen'
In Kreuzberg, da wo es schon friedrichshainig wird, machen sich immer mehr gastronomische Erscheinungen breit, die einen fuchtig machen können.
In eine dieser Erscheinungen war ich eingeladen, freiwillig wäre ich wohl nicht hingegangen.
Als ich fragte, ob sich denn der Name englisch, französisch oder deutsch ausspräche, erntete ich von der Kellnerin einen Blick als hätte ich ihr unter den Rock gegriffen. Nun ja, ich wurde kellnerhöflichst knapp belehrt, die dazu servierte Miene sagte: wie kann man so etwas Blödes fragen?
Nun ja, könnte man natürlich denken, wenn man das Wort in einem englischen oder französischen Wörterbuch nachschlüge, ob man weise und klug oder brav und artig als Name für eine gastronomische Erscheinung wählt oder sogar noch etwas unsägliches aufgetischt bekommt, das ist doch eine Nachfrage wert?
Weise und klug war es jedenfalls nicht ‚Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffel-Vogerlsalat‘ auf die Speisekarte zu setzen und Schnitzel und Salat dann in der Mikrowelle so lange zu lassen bis sich der Gast – in diesem Fall ich – an Salat und Schnitzel den Mund verbrennt. Man hätte das Wiener Schnitzel vielleicht nicht original nennen sollen sondern ‚Kalbsschnitzel aus der Mikrowelle- all well done‘ oder so ähnlich. Außerdem will ich für 19 Euro auf einem Wienerschnitzel die klassische Garnitur mit Zitronenscheibe, Sardelle und Kapern.
Nun ja, diese gastronomische Erscheinung liegt in jenem Teil Kreuzbergs, der früher als die Mieten noch billig und die Frauen schön waren, direkt an der Mauer lag und damit so angenehm weit ab vom Schuss, dass sich die Kreuzberger Alternativmafia erst sehr spät dafür interessierte. Auf der Straße spielten die Kinder und die Anwohner waren mehrheitlich aus der Türkei und stellten gerne einen Tisch und mehrere Stühle vor ihre Haustür, um abends mit der Familie noch einen Tee zu trinken und mit den Nachbarn zu plauschen. Heute ist es eine Durchgangsstraße mit Schwerlastverkehr und die Maueridylle ist passé.
Nun ja, was es noch immer gibt, sind Fahrradkuriere, die in einer irren Geschwindigkeit durch die Stadt rasen. Wenn sie auf dem Bürgersteig knapp an einem vorbeidüsen überkommt mich ja immer die unbändige Lust mal einen vom Rad zu treten. Aber das gehört nicht hierher.
Vor einiger Zeit war ich mal wieder in der Gegend, sah mich um, registrierte die Veränderungen und kramte in meinem Gedächtnis. Irgendwo hier hatte ich doch mal eine Kurzzeitbekanntschaft? Oder war es doch weiter östlich in der Eisenbahnstraße?
Nun ja, plötzlich hörte ich hinter mir brüllen:
„… von hinten. Du musst von hinten kommen!“
Der Kurier bretterte an mir vorbei und sein stetes Brüllen:
„… von hinten. Da ist keine Straße. Du musst von hinten kommen!“
verliert sich mit der Entfernung.
In eine dieser Erscheinungen war ich eingeladen, freiwillig wäre ich wohl nicht hingegangen.
Als ich fragte, ob sich denn der Name englisch, französisch oder deutsch ausspräche, erntete ich von der Kellnerin einen Blick als hätte ich ihr unter den Rock gegriffen. Nun ja, ich wurde kellnerhöflichst knapp belehrt, die dazu servierte Miene sagte: wie kann man so etwas Blödes fragen?
Nun ja, könnte man natürlich denken, wenn man das Wort in einem englischen oder französischen Wörterbuch nachschlüge, ob man weise und klug oder brav und artig als Name für eine gastronomische Erscheinung wählt oder sogar noch etwas unsägliches aufgetischt bekommt, das ist doch eine Nachfrage wert?
Weise und klug war es jedenfalls nicht ‚Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffel-Vogerlsalat‘ auf die Speisekarte zu setzen und Schnitzel und Salat dann in der Mikrowelle so lange zu lassen bis sich der Gast – in diesem Fall ich – an Salat und Schnitzel den Mund verbrennt. Man hätte das Wiener Schnitzel vielleicht nicht original nennen sollen sondern ‚Kalbsschnitzel aus der Mikrowelle- all well done‘ oder so ähnlich. Außerdem will ich für 19 Euro auf einem Wienerschnitzel die klassische Garnitur mit Zitronenscheibe, Sardelle und Kapern.
Nun ja, diese gastronomische Erscheinung liegt in jenem Teil Kreuzbergs, der früher als die Mieten noch billig und die Frauen schön waren, direkt an der Mauer lag und damit so angenehm weit ab vom Schuss, dass sich die Kreuzberger Alternativmafia erst sehr spät dafür interessierte. Auf der Straße spielten die Kinder und die Anwohner waren mehrheitlich aus der Türkei und stellten gerne einen Tisch und mehrere Stühle vor ihre Haustür, um abends mit der Familie noch einen Tee zu trinken und mit den Nachbarn zu plauschen. Heute ist es eine Durchgangsstraße mit Schwerlastverkehr und die Maueridylle ist passé.
Nun ja, was es noch immer gibt, sind Fahrradkuriere, die in einer irren Geschwindigkeit durch die Stadt rasen. Wenn sie auf dem Bürgersteig knapp an einem vorbeidüsen überkommt mich ja immer die unbändige Lust mal einen vom Rad zu treten. Aber das gehört nicht hierher.
Vor einiger Zeit war ich mal wieder in der Gegend, sah mich um, registrierte die Veränderungen und kramte in meinem Gedächtnis. Irgendwo hier hatte ich doch mal eine Kurzzeitbekanntschaft? Oder war es doch weiter östlich in der Eisenbahnstraße?
Nun ja, plötzlich hörte ich hinter mir brüllen:
„… von hinten. Du musst von hinten kommen!“
Der Kurier bretterte an mir vorbei und sein stetes Brüllen:
„… von hinten. Da ist keine Straße. Du musst von hinten kommen!“
verliert sich mit der Entfernung.
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Schlechte Morde 7: Rentner, Rolltreppe und BGS
ein noch kürzerer Roman
ein noch kürzerer Roman
g. | Freitag, 9. Dezember 2011, 04:54 | Themenbereich: 'Der Dichter hier sprichter'
Also Rentner oder heutzutage: Senior, aber steht auch auf Katzenfutter drauf. Darüber muss man mal nachdenken, weil: Juniorkatzenfutter gibt es auch, aber Pisastudie und Junioren: kennt kein Mensch, also Junior nur bei Katzen, aber Senior auch bei Rentner. So, und warum Rentner am Ende von Rolltreppe stehen bleiben und gucken? Weiß kein Mensch! Aber nervt, weil Rolltreppe immer weiter und weiter und bäng und „können sie nicht aufpassen“ aber Rolltreppe doch immer weiter und weiter, also aufpassen: geht nicht! Und wenn so Zack! Gehhilfe mitnehmen und auf die Gleise werfen? Geht nicht, ganz schlecht, weil gefährlich. Zug auf Gehhilfe, Entgleisung und quietschen und Feuer oder Tohuwabohu oder BGS und eins aufs Maul: Gefährdung des Schienenverkehrs. Durchsage: technische Störung, Zugverkehr unregelmäßig. Fahrgäste sauer, und mobiltelefonieren. Also schlecht, ganz schlecht. Blöder Plan. Nächster Plan. Zack!
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vom Zauber des seitlich dran vorbeigehens ...
g. | Donnerstag, 8. Dezember 2011, 05:41 | Themenbereich: 'so dies und das'

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Internetgewese
g. | Mittwoch, 7. Dezember 2011, 05:29 | Themenbereich: 'so dies und das'
Ich hab mal ein bisschen bei den Internetenthusiasten herum gelesen:
- Sollte man von „digitaler Vernetzung“ sprechen, wenn Menschen miteinander reden oder sich schreiben? Das Internet tut ja nix, es ist das Medium, in dem Menschen das tun. Sollte man dabei von „Sphäre“ reden? Wenn auf einem Marktplatz Wurst und Gemüse und billige Klamotten verkauft werden, Kunden und Händler ihre Gespräche führen, Passanten sich über andere Passanten lustig machen, Herr A. Herrn B. etwas über die Erlebnisse der letzten Woche erzählt, sich zwei Leute beschimpfen und ein Dritter versucht mäßigend einzuwirken, sollte man das dann eine „Sphäre“ nennen oder ist das nur metaphysisches Geschwätz?
- „Das Internet ist Geburtsort und Lebensraum der Kommunikationsgesellschaft und somit Chiffre für einen Epochenwandel“ Schon wenn ich mir den Geburtsort einer Gesellschaft vorstellen soll, wird’s mir so … da mag ich dann den Lebensraum dieser Gesellschaft schon nicht mehr nachphantasieren. War da noch was? Ach ja die „Chiffre“ (von arabisch sifr „leer, Null“) und der Epochenwandel. Welche Epoche wandelt sich denn da?
- „Die Hierarchie zwischen Sender und Empfängern ist im Netz bekanntlich aufgehoben“ las ich kürzlich und dachte spontan: ist das denn so? Warum gehen dann so viele Leute zu SPON ( „Unser täglich SPON gib uns heute“ ) oder Telepolis? Wer eine Vorgabe macht bestimmt in gewissem Umfang den Tenor, da beißt die Maus keinen Faden ab. Wer schreibt sendet und wer liest empfängt.
- Und weiter „Jede Meinung verhilft sich zu ihrem Recht, öffentlich oder halböffentlich geäußert zu werden.“ Öffentlichkeit ist der Gegenbegriff zum Privaten (eigentlich umgekehrt, aber das ist andere Debatte) und setzt eine breitere Wahrnehmung, einen Focus auf etwas voraus. Gespräche am Stammtisch wurden in der guten alten Zeit nicht zur Öffentlichkeit gezählt. Am Stammtisch wurden die Absprachen getroffen, die dann später auf der öffentlichen Gemeinderatssitzung nicht mehr diskutiert wurden. Gegenöffentlichkeit war der Versuch dem etwas entgegen zu setzen. Das hat nie wirklich gut funktioniert. „Das Gegen- braucht heute kein Mensch mehr.“ Und zwar weil angeblich jeder ins Internet hineinschreiben kann. Ich weiß ja nicht, ich weiß ja nicht, im Netz konstituiert sich doch keine Öffentlichkeit, zumindest nicht in dem Verständnis wie ich es oben angedeutet habe. Wenn viele reden und alle von etwas anderem und sich keiner wirklich für die Überlegungen der anderen interessiert, ist doch keine Öffentlichkeit hergestellt, sondern bestenfalls eine Stimmung ablesbar. Die Öffentlichkeit 2.0 ist keine. Sie müsste erst hergestellt werden.
- Und ob es zu wenig Meinungen in und ausserhalb des Netzes gibt und gab, wäre dann auch noch mal so eine Frage.
- dass Technologien per se einen emanzipativen Impetus hätten wäre mir auch neu.
- Über das Automatengewese hatten wir uns ja schon in diesem Blog unterhalten.
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Naslöcher XIII
g. | Dienstag, 6. Dezember 2011, 05:07 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Kuippana, des Waldes König,
Du, des Waldes froher Graubart,
Halt' beisammen deine Hunde,
Zähme deine jungen Kläffer!
Steck' ein Schwämmchen in ein Nasloch,
Eine Eichel in das andre,
Daß sie nicht die Pferde wittern,
Den Geruch des Viehs nicht spüren!
Bind die Augen du mit Seide,
Schließ die Ohren du mit Binden,
Daß sie nicht die Wandrer hören,
Nicht die Schreitenden erblicken!
(Kalewala)
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Vögel,
g. | Montag, 5. Dezember 2011, 05:27 | Themenbereich: 'Begegnungen'
diese übrig gebliebenen Dinosaurier, das müssen Sie doch zugeben, sind ein fürchterliches Volk.
Früher, in den goldenen Zeiten, kackten zwar Heerscharen von Tauben die Stadt voll, aber immerhin konnte man verhalten hoffnungsvoll in die Zukunft sehen, Erna und Kurt sei Dank, heute sind die goldenen Zeiten der Taubenplage („geflügelte Ratten“ Woody Allen) vorbei. Unwiederbringlich. Kein sanft enervierendes gurr-gurr-gurr unterbricht den sonntäglichen Mittagsschlaf, kein deppertes Flügelschlagen und abkoten über dem eigenen Kopf verleidet einem die Zeitungslektüre und auch die aufgeblasenen Hälse der Columba livia forma domestica, dabei dem weiblichen Tier unermüdlich hinterherjagend, werden wohl bald der Vergangenheit angehören. Ich fürchte, wir werden uns noch alle danach zurücksehnen, denn schon bald taucht eine neue, ernstere, weil nervtötendere Spielart der Belästigung auf gegen die Erna und Kurt nicht auszurichten vermögen:
„Grruuar, grruar“, schnarrt dieses lärmende, aggressive Volks, die Krähen das sich anschickt die Tauben auf der Lästlingsskala (die Latte-Macchiato-Muttis sind in dieser Beziehung natürlich nach wie vor unangefochten an der Spitze aller Widrigkeiten, die dem gemeinen Städter das Leben schwer machen) zu überholen. Sie veranstalten ein Gezeter, wenn ein Regen droht. Irgendwann muss ich eines dieser Mistviecher fragen, warum sie das tun. Beschwören sie ihren Krähengott? Oder ist es wie bei den Italienern, die bei einem Stau frenetisch zu hupen anfangen, weil sie durch die Bank davon überzeugt sind, dass die Autos vor ihnen durch lauten Hupen zuerst opak werden, dann langsam zerbröseln um in einer dritten und letzten Phase gasförmig und anschließend vom Winde verweht werden. So wird es wohl sein. Vielleicht sind die Krähen aber auch wie alle anderen Berliner und nehmen erst mal übel, so ganz grundsätzlich: sich irgendwo hin setzten und übel nehmen.
„Grruuar, grruar“ , grölt dieses Pack, wenn sie ihre Kumpels herbeirufen, um einen Abfallkorb oder liegengebliebenen Pommesreste an einer Imbissbude zu plündern. Zehn Krähen mit Beute machen beschäftigt, sollten Sie besser nicht stören.
Wenn einem Kind das Junkfood aus der Hand fällt, kann man weithin hören, wie die Krähen herbeigerufen werden und wehe das Kind will seine Käsestange, seinen Burger oder seine Wurst wieder haben. Diese Biester hacken nach den Händen oder fliegen Angriffe gegen den Kopf. Noch haben sie Respekt vor einem kräftigen Schuh oder Regenschirm, aber wie lange noch? Irgendwann werden sie lernen, dass man gemeinsam einen Menschen, egal wie groß er ist, genau so leicht vertreiben kann, wie einen Raubvogel, einen Fuchs oder eine Katze.
Die dritte Vogelart, die mir das Leben schwer macht, sind die Mauersegler über meinem Schlafzimmerfenster. Pünktlich jedes Frühjahr rücken sie an, schmeißen den ganzen Dreck vom letzten Jahr aus ihren Nestern auf meinen Balkon um dann den Sommer über jeden Morgen und jeden Abend unter schrillem Gefiepe auf Mückenjagd zu gehen. Können die keine Tauben oder Krähen fressen?
Pünktlich jeden Morgen und jeden Abend stehen meine beiden Mädels an der Balkontüre. So viel Beute, so nah.
„Knack, knack“ , knirscht die eine Katze mit den Zähnen. Der Schwanz zittert vor Aufregung. Da sie an die Vögel nicht heran kann, dreht sie sich zu mir um und maunzt mich an: „Du bist doch die große Katze, bring mir diesen wilden Flieger. Ich will ihm den Kragen durchbeißen. Knack, knack, jetzt, sofort.“
„Klappe Katze“ raune ich dann im Halbschlaf, „lass die blöden Mauersegler tun was immer sie zu tun haben.“
„Mauiah“ ruft dann die andere Katze und springt mit einem Satz auf die Fensterbank, dass die Blumentöpfe wackeln. „Mauiah“ so viel Beute, so nah, so lecker und man kommt nicht dran.
Zum Abschluss: ein kleines Lied über Vögel
Früher, in den goldenen Zeiten, kackten zwar Heerscharen von Tauben die Stadt voll, aber immerhin konnte man verhalten hoffnungsvoll in die Zukunft sehen, Erna und Kurt sei Dank, heute sind die goldenen Zeiten der Taubenplage („geflügelte Ratten“ Woody Allen) vorbei. Unwiederbringlich. Kein sanft enervierendes gurr-gurr-gurr unterbricht den sonntäglichen Mittagsschlaf, kein deppertes Flügelschlagen und abkoten über dem eigenen Kopf verleidet einem die Zeitungslektüre und auch die aufgeblasenen Hälse der Columba livia forma domestica, dabei dem weiblichen Tier unermüdlich hinterherjagend, werden wohl bald der Vergangenheit angehören. Ich fürchte, wir werden uns noch alle danach zurücksehnen, denn schon bald taucht eine neue, ernstere, weil nervtötendere Spielart der Belästigung auf gegen die Erna und Kurt nicht auszurichten vermögen:
„Grruuar, grruar“, schnarrt dieses lärmende, aggressive Volks, die Krähen das sich anschickt die Tauben auf der Lästlingsskala (die Latte-Macchiato-Muttis sind in dieser Beziehung natürlich nach wie vor unangefochten an der Spitze aller Widrigkeiten, die dem gemeinen Städter das Leben schwer machen) zu überholen. Sie veranstalten ein Gezeter, wenn ein Regen droht. Irgendwann muss ich eines dieser Mistviecher fragen, warum sie das tun. Beschwören sie ihren Krähengott? Oder ist es wie bei den Italienern, die bei einem Stau frenetisch zu hupen anfangen, weil sie durch die Bank davon überzeugt sind, dass die Autos vor ihnen durch lauten Hupen zuerst opak werden, dann langsam zerbröseln um in einer dritten und letzten Phase gasförmig und anschließend vom Winde verweht werden. So wird es wohl sein. Vielleicht sind die Krähen aber auch wie alle anderen Berliner und nehmen erst mal übel, so ganz grundsätzlich: sich irgendwo hin setzten und übel nehmen.
„Grruuar, grruar“ , grölt dieses Pack, wenn sie ihre Kumpels herbeirufen, um einen Abfallkorb oder liegengebliebenen Pommesreste an einer Imbissbude zu plündern. Zehn Krähen mit Beute machen beschäftigt, sollten Sie besser nicht stören.
Wenn einem Kind das Junkfood aus der Hand fällt, kann man weithin hören, wie die Krähen herbeigerufen werden und wehe das Kind will seine Käsestange, seinen Burger oder seine Wurst wieder haben. Diese Biester hacken nach den Händen oder fliegen Angriffe gegen den Kopf. Noch haben sie Respekt vor einem kräftigen Schuh oder Regenschirm, aber wie lange noch? Irgendwann werden sie lernen, dass man gemeinsam einen Menschen, egal wie groß er ist, genau so leicht vertreiben kann, wie einen Raubvogel, einen Fuchs oder eine Katze.
Die dritte Vogelart, die mir das Leben schwer macht, sind die Mauersegler über meinem Schlafzimmerfenster. Pünktlich jedes Frühjahr rücken sie an, schmeißen den ganzen Dreck vom letzten Jahr aus ihren Nestern auf meinen Balkon um dann den Sommer über jeden Morgen und jeden Abend unter schrillem Gefiepe auf Mückenjagd zu gehen. Können die keine Tauben oder Krähen fressen?
Pünktlich jeden Morgen und jeden Abend stehen meine beiden Mädels an der Balkontüre. So viel Beute, so nah.
„Knack, knack“ , knirscht die eine Katze mit den Zähnen. Der Schwanz zittert vor Aufregung. Da sie an die Vögel nicht heran kann, dreht sie sich zu mir um und maunzt mich an: „Du bist doch die große Katze, bring mir diesen wilden Flieger. Ich will ihm den Kragen durchbeißen. Knack, knack, jetzt, sofort.“
„Klappe Katze“ raune ich dann im Halbschlaf, „lass die blöden Mauersegler tun was immer sie zu tun haben.“
„Mauiah“ ruft dann die andere Katze und springt mit einem Satz auf die Fensterbank, dass die Blumentöpfe wackeln. „Mauiah“ so viel Beute, so nah, so lecker und man kommt nicht dran.
Zum Abschluss: ein kleines Lied über Vögel
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