... neuere Einträge
Schnipsel
g. | Donnerstag, 8. November 2012, 05:59 | Themenbereich: 'so dies und das'
- „in vielen vom Islam beherrschten Regionen der Welt“ Der Islam beherrscht da gar nix, bestenfalls herrscht in diesen Regionen der Islam. Ob solche Formulierungsfehler (oder sind es Überzeugungen?) vornehmlich bei den Horkdorniten anzutreffen sind?
- „Genau, soweit kommt es noch, dass wir Leute als Rassisten bezeichnen, die rassistische Dinge tun“ Ironischer Kommentar zu einem Quatschpopel, der nichts Rassistisches entdecken konnte.
- „Das Leben ist eine sexuell übertragene Krankheit, die immer tödlich verläuft.“ Soll ja furchtbar alt sein, der Satz. Ich kannte ihn noch nicht. Recht hübsch.
- „Je prekärer die Situation der Gemeinschaft, desto rigider der Tugendterror, der Zweifler und Abtrünnige auf Linie bringen soll.“ Der Satz bezog sich ja auf Religionsgemeinschaften, er ließe sich aber auch auf andere Gemeinschaften ausdehnen.
- „Wenn sie sich heute streiten über Stadtentwicklung und ihr G-Kampfwort rufen, denke ich das immer mit: Daß das auch Strategien sind, von der eigenen Melancholie abzulenken, die ja nicht zugegeben werden darf, weil alle, durchs ganze Spektrum, immerzu darauf bestehen, in die Zukunft zu schauen.“ Ich glaube ja manchmal, dass man solche Sätze nur schreiben kann, wenn man sich nur mit den proper gefühlten Gefühlen beschäftigt und die Entwicklung der großen Stadt Berlin weder wahrnehmen noch erleben noch nachvollziehen möchte, wenn man also so recht gar keine Gefühle, weder wehmütige noch schmerzhafte noch aufregende noch erfreuende, hat.
- "Ein Esel soll dich vögeln!" meinten die Pharaonenbauer, wenn sie jemandes Ansinnen ablehnen wollten. „Gibst du mir etwas von deinem Linsengericht ab?“ fragte der Esau. Die Antwort war aber nicht: „Ein Esel soll dich vögeln!"
- Lange nicht gehört: „Was die Braut ist für die Trauung, ist Bullrich-Salz für die Verdauung."
- "Ich mag euer Land", sagt ein Protagonist in dem Erzählband "Stadt der Clowns" von Daniel Alarcón; die Begründung ist: "Gute Schmuggler. Interessantes Klima. Reizende, großherzige Frauen."
- Habe ich mich nur verlesen als in einem Text plötzlich das Wort „Volkskrankler“ auftauchte? Oder ist das eine neue Beleidigung für Nazis? (vorsorglich melde ich schon mal ein Copyright an, bei wem auch immer)
- Das einzige Land, das keine Steuern erhebt, ist Nordkorea. Nach liberaler Wirtschaftstheorie müsste es ein boomendes Land sein.
- Hannah Arendt, eine betörend kluge und gebildete Frau: Die „Vita activa“ war ein Leseerlebnis der besonderen Art.
- „Der Angeber vor dem Bild meint die Kränkung zurückweisen zu können; der bessere Angeber nimmt sie heroisch auf sich.“ ( Georg Seeßlen ) Ein vielseitig verwendbarer Satz, nicht nur in Bezug auf Kunst.. Schöner noch als: „So so.“
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 773 x aufgerufen
Wohngemeinschaft sucht einen neuen Mitbewohner oder eine neue Mitbewohnerin
g. | Mittwoch, 7. November 2012, 05:40 | Themenbereich: 'so dies und das'
"Wir verorten uns anarchistisch / linksradikal / (pro) queer-feministisch / anti-patriarchal und leben vegan. Auf struktureller Ebene sind wir alle unterschiedlich positioniert, d.h wir profitieren bzw. sind negativ von verschiedenen MachtStrukturen betroffen: hier wohnen sowohl weiblich als auch männlich erstsozialisierte Personen, einige haben einen Mittelklassebackground und andere haben Klassenwechsel erlebt. Eine Person ist negativ von Rassismus betroffen und die anderen drei sind weiß positioniert. Wir setzen uns alltäglich auseinander u.a mit Themen wie Privilegien, Support, Awareness, sensibles Miteinander, Gender – (queer) Feminismen, weißSein, Rassismus, Adultismus, Gewaltfreie Kommunikation etc. Jede_r von uns ist jeweils verschieden weit in den Themen drin und steckt in unterschiedlichen Prozessen.Von da
Wir machen mind. 1 pro Woche einen WG-Abend/Plenum, bei dem wir uns Zeit nehmen emotionale, soziale, organisatorische und andere präsente Themen zu besprechen. Wir versuchen mitfühlend und bedürfnisorientiert miteinander umzugehen. Wir sitzen öfter in der WohnKüche rum, redend, kochend, essend und gehen öfter zu politisch-kritischen Veranstaltungen, denken über Aktionen und Interventionsmöglichkeiten nach."
Herrje, wenn man sich vorstellt, wie die Gespräche am abendlichen WG-Tisch verlaufen, mecht mer am liebsten vorbeigehen und den Jungs und Mädels übers Haar streichen, damit’s nicht ins Genderloch fallen oder noch im Schlafe vom Partizip oder dem bedürfnisorientierten Klassenwechsel gequält wern.
Permalink (4 Kommentare) Kommentieren
... 910 x aufgerufen
Peter Bichsel
g. | Dienstag, 6. November 2012, 06:24 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
schoss mir letztens in den Kopf als ich mal wieder bei den poststrukturierten Feministinnen und Antirassisten (und sonstigen Anti-isten) herumgelesen habe.
Kindergeschichten hieß der Band mit Erzählungen. Ein blaues Suhrkampbändchen, das ich leider in meinem Bücherschrank nicht mehr gefunden habe. Wahrscheinlich ist es bei irgendeinem Umzug verloren gegangen oder ich habe den Band verliehen und nicht mehr zurück bekommen. Na, wie dem auch sei.
Eine Erzählung handelte von einem alten Mann, der entdeckt, dass es eigentlich egal ist ob man zu einem Tisch ‚Tisch‘ sagt oder ‚Bett‘ oder ‚Fitzliputzli‘. Zwischen der Bezeichnung und dem Gegenstand gibt es keine Beziehung, auch nicht zwischen dem Laut ‚Tisch‘ und dem Ding auf das wir das Abendbrot stellen.
Die Geschichte beginnt mit einem Motto:
Brecht sprach mal davon, dass „wenn die Wörter und Begriffe mit der Sache, dem Tun und den Verhältnissen, die sie bezeichnen, überhaupt kaum noch zusammenhängen, so dass man diese letzteren ändern kann, ohne die ersteren ändern zu müssen, oder die Wörter ändern kann und Sache, Tun und Verhältnisse im alten Stand belassen werden“ (GW 20, S. 91) dann wäre die Kultur im Arsch.
Wenn er recht hat, sind wir vielleicht schon so weit.
___________________
(apropos Peter Bichsel)
Kindergeschichten hieß der Band mit Erzählungen. Ein blaues Suhrkampbändchen, das ich leider in meinem Bücherschrank nicht mehr gefunden habe. Wahrscheinlich ist es bei irgendeinem Umzug verloren gegangen oder ich habe den Band verliehen und nicht mehr zurück bekommen. Na, wie dem auch sei.
Eine Erzählung handelte von einem alten Mann, der entdeckt, dass es eigentlich egal ist ob man zu einem Tisch ‚Tisch‘ sagt oder ‚Bett‘ oder ‚Fitzliputzli‘. Zwischen der Bezeichnung und dem Gegenstand gibt es keine Beziehung, auch nicht zwischen dem Laut ‚Tisch‘ und dem Ding auf das wir das Abendbrot stellen.
Die Geschichte beginnt mit einem Motto:
"Der alte Mann kaufte sich blaue Schulhefte und schrieb sie mit den neuen Wörtern voll, und er hatte viel zu tun damit, und man sah ihn nur noch selten auf der Straße."und schildert dann die Vorgeschichte, um nach zwei oder drei Seiten ziemlich traurig zu enden:
„Er schwieg, sprach nur noch mit sich selbst, grüßte nicht einmal mehr.“Tja, wenn man zwischen einem Verhältnis und einem Verhalten nicht mehr unterscheidet und sich immer weiter vom allgemeinen Sprachgebrauch entfernt, dann ist man mit dem Vollschreiben von blauen Schulheften bald so beschäftigt, dass nur noch selten auf die Straße geht.
Brecht sprach mal davon, dass „wenn die Wörter und Begriffe mit der Sache, dem Tun und den Verhältnissen, die sie bezeichnen, überhaupt kaum noch zusammenhängen, so dass man diese letzteren ändern kann, ohne die ersteren ändern zu müssen, oder die Wörter ändern kann und Sache, Tun und Verhältnisse im alten Stand belassen werden“ (GW 20, S. 91) dann wäre die Kultur im Arsch.
Wenn er recht hat, sind wir vielleicht schon so weit.
___________________
(apropos Peter Bichsel)
Permalink (1 Kommentar) Kommentieren
... 974 x aufgerufen
Naslöcher XX
g. | Montag, 5. November 2012, 05:25 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Dieses alles, sprach der Alte, ist der Weiber Ordnung vnd Weise, vnd meines erachtens ihre gewöhnliche purgation vnd Artzney, in dem sie die boßhafftige Feuchtigkeiten vnnd hartnäkigte Flüsse des Haupts also durch die Naslöcher vnd Augen außtreiben, eben als bey den Mannsleuten die Tabac- Narren pflegen.“
(Johann Michael Moscherosch: Gesichte Philanders von Sittewald)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 763 x aufgerufen
“Das ist alles keine Aufklärung, das ist schlimmste Unterhaltung!”
g. | Freitag, 2. November 2012, 06:48 | Themenbereich: 'so dies und das'
Heino Jaeger kennt heute leider niemand mehr.
Man mag hin und her gerührt sein
Who is Heino Jaeger?
Im Deutschlandradio
und im Tagesspiegel
Alles in silbergrau
Ich geh auch mal gern auf Fremdenjagd, hätt’ ich beinah gesagt …
Jetzt im Kino, ein Dokumentarfilm
HEINO JAEGER - LOOK BEFORE YOU KUCK
Who is Heino Jaeger?
Im Deutschlandradio
und im Tagesspiegel
Jetzt im Kino, ein Dokumentarfilm
HEINO JAEGER - LOOK BEFORE YOU KUCK
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 712 x aufgerufen
Der Esel des Buridan
g. | Donnerstag, 1. November 2012, 05:39 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden –
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um –
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!
Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht's von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er stehn
und fällt vor Hunger um –
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! –
Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge –
Was stehen wir und grübeln nur
und haben's nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah –
O Buridan, o Buridan,
wär' doch dein Esel da!
Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt' es sich verhehlen!
Wir aber stehn und stehn dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!
(Robert Prutz 1845)
über das Gleichnis von Buridans Esel
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 766 x aufgerufen
vom Zauber des seitlich dran vorbeigehens ...
g. | Mittwoch, 31. Oktober 2012, 06:33 | Themenbereich: 'so dies und das'

Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 787 x aufgerufen
Am Aufzug
g. | Dienstag, 30. Oktober 2012, 06:36 | Themenbereich: 'Begegnungen'
„Frauen und Kinder zuerst“ sagte eine Freundin in die Runde als nach dem Mittagessen ein Stau vor dem Aufzug entstand.
„Uffbasse!“ meinte dazu ein ebenfalls wartender Kollege und zog grinsend eine Augenbraue hoch. (Ich bewundere Leute, die die Augenbrauen getrennt bewegen können.)
„Uffbasse!“ meinte dazu ein ebenfalls wartender Kollege und zog grinsend eine Augenbraue hoch. (Ich bewundere Leute, die die Augenbrauen getrennt bewegen können.)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 840 x aufgerufen
Ausgrenzungen, Beleidigungen und Bedrohungen
g. | Montag, 29. Oktober 2012, 06:27 | Themenbereich: 'so dies und das'
bei anderen wahrzunehmen ist etwas, dass man lernen, das man sich klarmachen muss. Darüber sollte man nicht mehr diskutieren müssen. Hilfreich sind dabei mit Sicherheit fiktionale Umkehrungen der Verhältnisse.
Ergänzend ist allerdings auch noch eine gesellschaftliche und eine politische Dimension in den Diskussionen notwendig. Theorien der verschiedenen Aspekte sind dabei hilfreich, um sich über Zusammenhänge klar zu werden. (über pädagogische und didaktische Probleme bei der Vermittlung müsste man auch noch diskutieren.)
Es gab – wie hieß der Roman noch mal? – über die Umkehrung männlich/weiblich? Richtig, es war „Die Töchter Egalias“ 1980 auf deutsch erschienen, von Gerd Brantenberg, einer norwegischen Schriftstellerin.
In umgekehrter Sichtweise wird das Heranwachsen eines jungen Mannes gezeigt, der sich in einer „weiblich dominierten“ Gesellschaft zurechtfinden muss und irgendwann beschließt gegen die Benachteiligungen und Klischees mit denen er konfrontiert ist, sich zur Wehr zu setzen. So weit, so einleuchtend.
Was mich damals gestört hat, dass die Umkehrungen an einigen Stellen nicht wirklich getragen haben und einige der Klischees eher auf manche Frauenbilder der 50er Jahre verwiesen als auf die 70er bzw. 80er. Wahrscheinlich wurden sogar eher die nachträgliche Wahrnehmung dieser Frauenbilder in ihr Gegenteil verkehrt. Einige Ideen, wie den Penishalter (PH) für die Jungs, fand ich ganz hübsch , nur sind sie auch eher den symbolischen Auseinandersetzungen dieser Zeit geschuldet.
Der Roman wirkte an vielen Stellen wie eine Auseinandersetzung mit unzeitgemäßen Klischees. Die Möglichkeiten fiktionaler Texte wurden natürlich nicht annähernd genutzt.
Irritierend fand ich auch, dass die Frauenbilder, die in meinem studentischen Umfeld en vogue waren, weitgehend andere waren als die im Roman dargestellten und kritisierten. Insofern kam ich über die Frauen, die den Roman so richtig dolle fanden und meinten, ich solle ihn doch gefälligst lesen, dann würde ich vielleicht einiges kapieren, schwer ins grübeln.
Frauen, die wir (Frauen und Männer) toll fanden, waren beispielsweise Liza Minelli in Cabaret oder Grace Jones.
Ein nahezu identisches Verfahren zum Thema Homo-/Heterosexualität hat dieser Film gewählt:
Eine andere Gewichtsklasse (politisch und didaktisch mehrdimensional) ist der Film „Blue Eyed“ mit Jane Elliotte. Auch hier: vertauschte Rollen, zur Verdeutlichung von Rassismus in den USA.
Wie immer bei solchen Verfahren bleibt die Frage wie weit es trägt?
Ergänzend ist allerdings auch noch eine gesellschaftliche und eine politische Dimension in den Diskussionen notwendig. Theorien der verschiedenen Aspekte sind dabei hilfreich, um sich über Zusammenhänge klar zu werden. (über pädagogische und didaktische Probleme bei der Vermittlung müsste man auch noch diskutieren.)
Es gab – wie hieß der Roman noch mal? – über die Umkehrung männlich/weiblich? Richtig, es war „Die Töchter Egalias“ 1980 auf deutsch erschienen, von Gerd Brantenberg, einer norwegischen Schriftstellerin.
In umgekehrter Sichtweise wird das Heranwachsen eines jungen Mannes gezeigt, der sich in einer „weiblich dominierten“ Gesellschaft zurechtfinden muss und irgendwann beschließt gegen die Benachteiligungen und Klischees mit denen er konfrontiert ist, sich zur Wehr zu setzen. So weit, so einleuchtend.
Was mich damals gestört hat, dass die Umkehrungen an einigen Stellen nicht wirklich getragen haben und einige der Klischees eher auf manche Frauenbilder der 50er Jahre verwiesen als auf die 70er bzw. 80er. Wahrscheinlich wurden sogar eher die nachträgliche Wahrnehmung dieser Frauenbilder in ihr Gegenteil verkehrt. Einige Ideen, wie den Penishalter (PH) für die Jungs, fand ich ganz hübsch , nur sind sie auch eher den symbolischen Auseinandersetzungen dieser Zeit geschuldet.
Der Roman wirkte an vielen Stellen wie eine Auseinandersetzung mit unzeitgemäßen Klischees. Die Möglichkeiten fiktionaler Texte wurden natürlich nicht annähernd genutzt.
Irritierend fand ich auch, dass die Frauenbilder, die in meinem studentischen Umfeld en vogue waren, weitgehend andere waren als die im Roman dargestellten und kritisierten. Insofern kam ich über die Frauen, die den Roman so richtig dolle fanden und meinten, ich solle ihn doch gefälligst lesen, dann würde ich vielleicht einiges kapieren, schwer ins grübeln.
Frauen, die wir (Frauen und Männer) toll fanden, waren beispielsweise Liza Minelli in Cabaret oder Grace Jones.
Ein nahezu identisches Verfahren zum Thema Homo-/Heterosexualität hat dieser Film gewählt:
Eine andere Gewichtsklasse (politisch und didaktisch mehrdimensional) ist der Film „Blue Eyed“ mit Jane Elliotte. Auch hier: vertauschte Rollen, zur Verdeutlichung von Rassismus in den USA.
Wie immer bei solchen Verfahren bleibt die Frage wie weit es trägt?
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 696 x aufgerufen
F. C. Delius: Als die Bücher noch geholfen haben
g. | Freitag, 26. Oktober 2012, 07:26 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Im letzten Urlaub habe ich es dann doch noch geschafft, Delius‘ biografische Skizzen zu lesen. Sie gliedern sich in vier Kapitel:
1. Zwischen Ich und Wir
2. Wagenbach und RAF und Rotbuch
3. Literatur vor Gericht
4. Mauer-Unterwanderungen
Eine schöne Urlaubslektüre, flott zu lesen, mühelos und für jemanden, der die Auseinandersetzungen dieser Zeit einigermaßen im Blick hat, eine mehr als lohnende Lektüre.
Vielleicht nicht reflektiert genug, zumal mir an einigen Stellen nicht klar war, ob es nur um das damalige Erleben und Empfinden ging oder ob es als Rückschau gedacht ist. Vieles wäre als Bericht über diese Zeit völlig okay, vierzig Jahre später könnte man einen anderen, weniger sich selbst rechtfertigenden und selbstlobenden Blick darauf haben.
Zwei Beispiele: zum Einen der erste Teil, der viel über die Gruppe 47 erzählt. Dass man sich als junger Autor im Rahmen einer wohlwollenden Kritik wohl fühlt, kann ich nachvollziehen (und in Susan Sonntag hätte ich mich auch verliebt). Einige Jahrzehnte später wäre ein nachdenklicher Blick auf Paul Celans Wahrnehmung der Kriegsheimkehrergeneration vor allem vor dem Hintergrund von Grass‘ Israel-Gedicht für meinen Geschmack angebracht gewesen.
Und dann im vierten Teil schildert er ausführlich seine Kontakte mit oppositionelle DDR-Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie zu Oppositionellen in anderen Ostblockstaaten und die Bemühungen des Rotbuch-Verlages sie im Westen zu veröffentlichen. Die Einschätzung, dass es eben nicht die Konservativen waren, die sich konkret bemühten, sondern ‚Linke‘ teile ich. Die ‚Geh-doch-rüber‘-Fraktion quatschte nur von den Brüdern und Schwestern. Es schleicht sich nur an einigen Stellen ein greinender Ton (‚Wir sind es doch gewesen und nicht die da.‘) ein, der heute unnötig ist. Vor dem Hintergrund der vergangenen und auch heutigen Anfeindungen ist es natürlich nachvollziehbar, auch wenn man Götz Ali et al auch nicht zu viel Beachtung schenken sollte.
Delius liest aus dem Kapitel über den Siemensprozess:
1. Zwischen Ich und Wir
2. Wagenbach und RAF und Rotbuch
3. Literatur vor Gericht
4. Mauer-Unterwanderungen
Eine schöne Urlaubslektüre, flott zu lesen, mühelos und für jemanden, der die Auseinandersetzungen dieser Zeit einigermaßen im Blick hat, eine mehr als lohnende Lektüre.
Vielleicht nicht reflektiert genug, zumal mir an einigen Stellen nicht klar war, ob es nur um das damalige Erleben und Empfinden ging oder ob es als Rückschau gedacht ist. Vieles wäre als Bericht über diese Zeit völlig okay, vierzig Jahre später könnte man einen anderen, weniger sich selbst rechtfertigenden und selbstlobenden Blick darauf haben.
Zwei Beispiele: zum Einen der erste Teil, der viel über die Gruppe 47 erzählt. Dass man sich als junger Autor im Rahmen einer wohlwollenden Kritik wohl fühlt, kann ich nachvollziehen (und in Susan Sonntag hätte ich mich auch verliebt). Einige Jahrzehnte später wäre ein nachdenklicher Blick auf Paul Celans Wahrnehmung der Kriegsheimkehrergeneration vor allem vor dem Hintergrund von Grass‘ Israel-Gedicht für meinen Geschmack angebracht gewesen.
Und dann im vierten Teil schildert er ausführlich seine Kontakte mit oppositionelle DDR-Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie zu Oppositionellen in anderen Ostblockstaaten und die Bemühungen des Rotbuch-Verlages sie im Westen zu veröffentlichen. Die Einschätzung, dass es eben nicht die Konservativen waren, die sich konkret bemühten, sondern ‚Linke‘ teile ich. Die ‚Geh-doch-rüber‘-Fraktion quatschte nur von den Brüdern und Schwestern. Es schleicht sich nur an einigen Stellen ein greinender Ton (‚Wir sind es doch gewesen und nicht die da.‘) ein, der heute unnötig ist. Vor dem Hintergrund der vergangenen und auch heutigen Anfeindungen ist es natürlich nachvollziehbar, auch wenn man Götz Ali et al auch nicht zu viel Beachtung schenken sollte.
Delius liest aus dem Kapitel über den Siemensprozess:
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 868 x aufgerufen
Schnipsel
g. | Donnerstag, 25. Oktober 2012, 06:44 | Themenbereich: 'so dies und das'
Manchmal lese ich irgendwo etwas und was mir dazu einfällt, schreibe ich dann auf:
- „Alle Heten sind natürlich negativ auf Schwule bezogen, was denn sonst? Das meint doch Heteronormativität.“ Da kann man doch gleich auch „Aufklärung ist totalitär“ für zustimmungsfähig halten.
- Wenn man die Bedeutung von Wörtern verändert, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man falsch verstanden wird. „Rassist“ z. B. bezeichnet üblicherweise ein bestimmtes Verhalten oder eine Grundeinstellung, zudem ist es eine Beleidigung. Wenn man die Bedeutung hin zu einem gesellschaftlichen Verhältnis verändert, kann ein Satz wie „Du bist ein Rassist“ nur falsch verstanden werden. Das ist dann eben keine Zuspitzung, sondern eine Provokation.
- Das für alle Beteiligten Angenehme an dieser Art von Kritik ist ja, dass sich die Einen gut fühlen und die Anderen es mühelos zurückweisen können.
- Ach ja, und: bei Bourdieu existiert der Habitus, er gibt nicht vor.
- Die Lust an der Scham.
- Privileg bedeutet übrigens Vorrecht und nicht, dass man es leichter hat im Leben.
- Oh heilige Judith der Unschärfe
- “Alle Männer sind Vergewaltiger” ist auch so ein Satz aus dieser Reihe. Das ist auch keine Zuspitzung.
- Ich muss mal aufschreiben, wer mir in den letzten Jahrzehnten so alles halbgare Theoriebröckchen als supertolle neue Weisheiten um die Ohren gehauen hat. Und da soll man nich zum Adultisten werden.
- Das ganze Drama der Pubertät als “Ich bin doch nicht schwul!”. Wow, so was wird ernsthaft geglaubt? Hört sich ja eher nach dem Penisneid der Mädels an, den es früher gegeben haben soll.
- Erst bastelt man sich eine gesellschaftliche Struktur so zusammen, wie sie einem passt, und dann redet man über das Einüben derselben.
- Wenn man sich nur mit Charaktermasken unterhält und vornehmlich solche sieht, läuft etwas richtig schief im Universum.
- Ich beschwöre herbei, du beschwörst herbei, wir beschwören herbei, …
- Eine Falafel ist auch nur eine beleidigte Currywurst
- eine weitgehend ins Moralisch-Symbolische verschobene Politik ist eigentlich keine Politik mehr, wenn das Persönliche nicht mehr vom Politischen unterschieden wird, wird es schnell belanglos.
- „Und so essen sie korrekt und erziehen sie korrekt und fördern sie korrekt und fahren sie korrekt; und ich, das Bürgerkind, dessen Eltern am Küchentisch noch geraucht haben, sehe das“ (Stefan Gärtner)
- Gefühliges Haltungsturnen
- Für Silvester vornehmen? Auf verbale Angriffe nur noch mit "Gott liebt auch dich" reagieren.
- „daß die Scham nur noch im Zusammenhang mit dem Zustand sexueller Verklemmung gedacht wird“ (Silvia Bovenschen) Stimmt. Über die Berechtigung oder sogar Notwendigkeit von Scham (in welchen Bereichen?) müsste man auch mal nachdenken.
- „Man müsse, so Ankersmit, die sinnlich wahrgenommenen Widersprüche unserer Lebenswelt in die Auffassung von Wirklichkeit integrieren.“ Zum Nachdenken.
- „Die Nase hoch, die Reihen fest geschlossen“ ein vielfach verwendbarer Satz. Schön.
- Die Verzweiflung ist augenfällig.
- „Ich bin ganz bei Ihnen“ Ich glaube so einen Scheiß habe ich auch schon mal gesagt.
- über „die jeweiligen anti-istischen Bewegungen“ habe ich jedoch noch nie geredet.
- „, die die indifferenten verletzenden Schlag-Worte in die Macht des Populismus gestreut haben“ Weia, was schreiben die Leute bloß so in dieses Internet hinein?>
- "Leute, die ihre Konflikte nicht lösen können, tragen diese in unbearbeiteter Form weiter mit sich herum, als eine Art metaphysische Bestürzung." (Wilhelm Genazino: Das Glück in glücksfernen Zeiten)
Permalink (6 Kommentare) Kommentieren
... 1081 x aufgerufen
Auf den Spuren von Phileas Fogg
g. | Mittwoch, 24. Oktober 2012, 07:51 | Themenbereich: 'so dies und das'
Aus aktuellem Anlass (bzw. weil ich gerade darauf gestoßen bin): Es gibt ein interessantes Jules-Verne-Projekt. Jeden Tag wird der Reise aus 80 Tagen um die Welt gefolgt und wissenswertes dazu dargestellt. Wer also Phileas Fogg in Begleitung von Literaturwissenschaftlenr folgen will, ist mit den Weltnetzwerken – zumindest auf den ersten Blick - gut bedient.
Eine Einführung in das Projekt kann man hier lesen.
Eine Einführung in das Projekt kann man hier lesen.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 770 x aufgerufen
Naslöcher XIX
g. | Dienstag, 23. Oktober 2012, 09:06 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Neugierig schickte der Page einen Blick über seine Buchstaben hinweg nach der Gefangenen, die er sich setzen hieß, und erstaunte über ihre Schönheit. Nur von mittlerer Größe, trug sie über vollen Schultern auf einem feinen Halse ein wohlgebildetes kleines Haupt. Wenig fehlte, stillere Augen, freiere Stirn, ruhigere Naslöcher und Mundwinkel, so war es das süße Haupt einer Muse, wie unmusenhaft die Corinna sein mochte. Pechschwarze Flechten und dunkeldrohende Augen bleichten das fesselnde Gesicht. Die in Unordnung geratene buntfarbige Kleidung, von keinem südlich leuchtenden Himmel gedämpft, erschien unter einem nordischen grell und aufdringlich. Der Busen klopfte sichtbar.“Stillere Augen und ruhigere Naslöcher und ein klopfender Busen, was will man mehr.
( Conrad Ferdinand Meyer: Gustav Adolfs Page)
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 782 x aufgerufen
Anfänge nie geschriebener Romane
g. | Montag, 22. Oktober 2012, 07:38 | Themenbereich: 'so dies und das'
Am 23.6.2005 stand eine kurze Notiz im Tagesspiegel, derzufolge „in der Nacht zu gestern“ ein „37-jähriger Mann“ ein Zivilfahrzeug der Polizei, das mit Blaulicht und Sirene zu einem Einsatz unterwegs war, mit stark überhöhter Geschwindigkeit auf der Landsberger Allee überholt habe. Der Einsatz konnte nicht so dringend gewesen sein, denn die Polizisten verfolgten den Wagen und versuchten ihn zu stoppen.
An der Zossener Straße ignorierte der Fahrer eine rote Ampel.
An der Landsberger Chaussee wurde das Auto dann gestoppt.
Zwischen seinen Beinen habe er eine Flasche Bier eingeklemmt, so ein Polizeisprecher. Kurz noch einen Schluck aus der Flasche bevor die Beamten nach Führerschein und Ausweis fragen konnten.
Die Überprüfung ergab, dass der Mann keinen Führerschein und keine Wohnung hatte. Das Auto war gestohlen.
Charles Dickens, nicht wahr? John Doe comes to town.
An der Zossener Straße ignorierte der Fahrer eine rote Ampel.
An der Landsberger Chaussee wurde das Auto dann gestoppt.
Zwischen seinen Beinen habe er eine Flasche Bier eingeklemmt, so ein Polizeisprecher. Kurz noch einen Schluck aus der Flasche bevor die Beamten nach Führerschein und Ausweis fragen konnten.
Die Überprüfung ergab, dass der Mann keinen Führerschein und keine Wohnung hatte. Das Auto war gestohlen.
Charles Dickens, nicht wahr? John Doe comes to town.
Permalink (0 Kommentare) Kommentieren
... 792 x aufgerufen
... ältere Einträge