Der hinkende Bote

Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten

Samstag, 9. Juli 2011
Fundstücke 13. bis. 27. KW 2011
Hintergründe und Sichtweisen:
  • Wahl in Baden-Württemberg am 27. März 2011 –
    Wahlnachtbericht und erste Analyse (aus Sicht der Linken)
  • Rosa Luxemburg: Kirche und Sozialismus (1905)
  • Was hinter dem Glauben "RastafarI" steckt
  • El Kaida in Deutschland
  • Zur Geschichte des Muttertags
  • Slavoj Žižek : der koffeinfreie andere (über Multikulturalismus)
  • via adresscomptoir
  • Rupert Neudecks Sicht des Nahostkonfliktes
  • Robert Misik bespricht Raul Zeliks Nach dem Kapitalismus
  • Die Dionne Quintuplets
  • Katharina Schmitz über Peter Kurzeck
  • Über eine katholische Kindheit in Bolivien
  • Thomas Rothschild über Schnitzlers "Professor Bernhardi" am Wiener Burgtheater
  • Erasmus Schöfer Die Kinder des Sisyfos Und
  • Die Tagebücher von Erich Mühsam
  • via adresscomptoir
  • Ekkehard Knörer: Der zerbrochne Prozess über Cornelia Vismann: Medien der Rechtsprechung (Das Theatralische und das Agonale in der Rechtsprechung)
  • Eberhard Schlotter (Maler; Illustrator von Arno Schmidt) zum 90. Geburtstag
  • „Bürgerforum 2011“ – ein aufwändiges Projekt der Bertelsmann Stiftung mit offenbar nicht ganz erwünschten Ergebnissen
  • Über den neoliberalen Charakter
  • Moshe Zuckermann über den Topos von der »starken proisraelischen Lobby« in den USA
  • Eren Güvercin über liberale und konservative Etiketten in der Islamdebatte
  • Ein vielversprechendes Blog
  • Über Demographie
  • Bilderberg-Konferenzen I und Bilderberg-Konferenzen II
  • Saskia Sassen: Ich bin meine eigene Person
  • Florian Schmidt: Die Piraten des "Goldenen Zeitalters"
  • RAUL ZELIK: Zwölf Jahre Chavismus in Venezuela
  • Frank Lübberding erinnert an den ersten Kritiker der Atomindustrie in Deutschland
  • Klaus Baum über Karl Philipp Moritz


  • amüsantes:
  • Jetzt nehmen uns die Frauen auch noch die letzten Jobs weg
  • Eine technologische Sensation
  • Imagekampagne des deutschen Handwerks
  • Monstersound of Spätromantik


  • kluges und interessantes:
  • Frank Lübberding über den Zustand der deutschen Medienlandschaft (auch die Kommentare)


  • Neue Wörter:
  • Wolkenwürfel
  • Kniepäugelchen
  • Kapazunder


  • Sonstiges:
  • Mit Homöopathie gegen Homosexualität
  • Deponie für rechtslastige Kommentare
  • Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 906 x aufgerufen



    Donnerstag, 7. Juli 2011
    Zur WM
    Bei den Fouls kann der Frauenfußball einfach nicht mithalten.

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 605 x aufgerufen



    Mittwoch, 6. Juli 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XX
    Bald nachdem ich in den Saal getreten, schritt ein altdeutscher Soldat keck auf mich los und feuerte seine Büchse ab, daß es durch die weiten Gewölbe recht derb knallte – noch mehrere Spielereien der Art, die ich in der Tat wieder vergessen, überraschten hin und wieder, aber endlich führte man mich in den Saal, in welchem der Gott des Krieges, der furchtbare Mavors, sich mit seiner ganzen Hofhaltung befand. – Mars selbst saß in ziemlich grotesker Kleidung auf einem mit Waffen aller Art geschmückten Thron, von Trabanten und Kriegern umgeben. Sobald wir vor den Thron getreten, fingen ein paar Trommelschläger an, auf ihren Trommeln zu wirbeln, und Pfeifer bliesen dazu ganz erschrecklich, daß man sich vor dem kakophonischen Getöse hätte die Ohren zuhalten mögen. Ich bemerkte, daß der Gott des Krieges eine durchaus schlechte, Seiner Majestät unwürdige Kapelle habe, und man gab mir recht. – Endlich hörte das Trommeln und Pfeifen auf – da fingen an die Trabanten die Köpfe zu drehen und mit den Hellebarden zu stampfen, bis der Gott des Krieges, nachdem er auch mehrmals die Augen verdreht, von seinem Sitz aufsprang und keck auf uns zuschreiten zu wollen schien. Bald aber warf er sich wieder in seinen Thron, und es wurde noch etwas getrommelt und gepfiffen, bis alles wieder in die alte hölzerne Ruhe zurückkehrte. Als ich denn nun alle diese Automate geschaut, sagte ich im Herausgehen zu mir selbst: ›Mein Nußknacker war mir doch lieber‹, und jetzt, meine Herren, nachdem ich den weisen Türken geschaut, sage ich abermals: ›Mein Nußknacker war mir doch lieber!‹« – Man lachte sehr, meinte aber einstimmig, daß Ludwigs Ansicht von der Sache mehr lustig sei als wahr, denn abgesehen von dem seltenen Geist, der doch mehrenteils in den Antworten des Automats liege, sei doch auch die durchaus nicht zu entdeckende Verbindung des verborgenen Wesens mit dem Türken, das nicht allein durch ihn rede, sondern auch seine von den Fragen motivierte Bewegungen veranlassen müßte, höchst wunderbar und in jedem Fall ein Meisterwerk der Mechanik und Akustik.
    Mavors: der römische Kriegsgott Mars.

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 649 x aufgerufen



    Dienstag, 5. Juli 2011
    Sinnlose Maschinen II

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 912 x aufgerufen



    Montag, 4. Juli 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XIX
    Schon hatte sich das Gerücht von der neuen mysteriösen Antwort, die der weise Türke erteilte, in der Stadt verbreitet, und man erschöpfte sich in Vermutungen, was für eine unglückliche Prophezeiung wohl den vorurteilsfreien Ferdinand so aufgeregt haben könne; man bestürmte die Freunde mit Fragen, und Ludwig wurde genötigt, um seinen Freund aus dem Gedränge zu retten, ein abenteuerliches Geschichtchen aufzutischen, das desto mehr Eingang fand, je weiter es sich von der Wahrheit entfernte. Dieselbe Gesellschaft, in welcher Ferdinand angeregt wurde, den wunderbaren Türken zu besuchen, pflegte sich wöchentlich zu versammeln, und auch in der nächsten Zusammenkunft kam wieder der Türke um so mehr an die Reihe, als man sich immer noch bemühte, recht viel von Ferdinand selbst über ein Abenteuer zu hören, das ihn in die düstre Stimmung versetzt hatte, welche er vergebens zu verbergen suchte. Ludwig fühlte es nur zu lebhaft, wie sein Freund im Innersten erschüttert sein mußte, als er das tief in der Brust treu bewahrte Geheimnis einer phantastischen Liebe von einer fremden grauenvollen Macht durchschaut sah, und auch er war ebensogut wie Ferdinand fest überzeugt, daß dem das Geheimste durchdringenden Blick jener Macht auch wohl der mysteriöse Zusammenhang, vermöge dessen sich das Zukünftige dem Gegenwärtigen anreiht, offenbar sein könne. Ludwig mußte an den Spruch des Orakels glauben, aber das feindselige schonungslose Verraten des bösen Verhängnisses, das dem Freunde drohte, brachte ihn gegen das versteckte Wesen, das sich durch den Türken vernehmen ließ, auf. Er bildete daher standhaft gegen die zahlreichen Bewunderer des Kunstwerks die Opposition und behauptete, als jemand bemerkte, in den natürlichen Bewegungen des Automats liege etwas ganz besonders Imposantes, wodurch der Eindruck der orakelmäßigen Antworten erhöht werde, gerade das Augenverdrehen und Kopfwenden des ehrbaren Türken habe für ihn was unbeschreiblich Possierliches gehabt, weshalb er auch durch ein Bonmot, das ihm entschlüpft, den Künstler und auch vielleicht das unsichtbar wirkende Wesen in üblen Humor versetzt, welchen letzteres auch durch eine Menge schaler, nichts bedeutender Antworten an den Tag gelegt. »Ich muß gestehen,« fuhr Ludwig fort, »daß die Figur gleich beim Eintreten mich lebhaft an einen überaus zierlichen künstlichen Nußknacker erinnerte, den mir einst, als ich noch ein kleiner Knabe war, ein Vetter zum Weihnachten verehrte. Der kleine Mann hatte ein überaus ernsthaft komisches Gesicht und verdrehte jedesmal mittelst einer innern Vorrichtung die großen aus dem Kopfe herausstehenden Augen, wenn er eine harte Nuß knackte, was denn so etwas possierlich Lebendiges in die ganze Figur brachte, daß ich stundenlang damit spielen konnte, und der Zwerg mir unter den Händen zum wahren Alräunchen wurde. Alle noch so vollkommne Marionetten waren mir nachher steif und leblos gegen meinen herrlichen Nußknacker. Von den höchst wunderbaren Automaten im Danziger Arsenal war mir gar viel erzählt worden, und vorzüglich deshalb unterließ ich nicht hineinzugehen, als ich mich gerade vor einigen Jahren in Danzig befand.
    Das Danziger Arsenal (Danziger Zeughaus) und die dort ausgestellten Automaten lernte Hoffmann während seines Besuches im Jahre 1801 kennen.

    Alräunchen

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 714 x aufgerufen



    Freitag, 1. Juli 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XVIII
    »Zum erstenmal in meinem Leben habe ich heute von dem höchsten Moment meines Lebens gesprochen, und du, Ludwig, bist der Einzige, dem ich mein Geheimnis vertraut! – Aber auch heute ist eine fremde Macht feindselig in mein Inneres gedrungen! – Als ich zu dem Türken hintrat, fragte ich, der Geliebten meines Herzens denkend: ›Werde ich künftig noch einen Moment erleben, der dem gleicht, wo ich am glücklichsten war?‹ Der Türke wollte, wie du bemerkt haben wirst, durchaus nicht antworten; endlich, als ich nicht nachließ, sprach er: ›Die Augen schauen in deine Brust, aber das spiegelblanke Gold, das mir zugewendet, verwirrt meinen Blick – wende das Bild um!‹ – Habe ich denn Worte für das Gefühl, das mich durchbebte? – Dir wird meine innre Bewegung nicht entgangen sein. Das Bild lag wirklich so auf meiner Brust, wie es der Türke angegeben; ich wandte es unbemerkt um und wiederholte meine Frage, da sprach die Figur im düstern Ton: ›Unglücklicher! in dem Augenblick, wenn du sie wieder siehst, hast du sie verloren!‹«
    Eben wollte Ludwig es versuchen, den Freund, der in tiefes Nachdenken versunken war, mit tröstenden Worten aufzurichten, als sie durch mehrere Bekannte, die auf sie zuschritten, unterbrochen wurden.
    Die Realität holt sie wieder ein.

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 668 x aufgerufen



    Donnerstag, 30. Juni 2011
    Wahrscheinlich
    habe ich mir bei dem folgenden Satz ja durchaus etwas gedacht als ich ihn niederschrieb. Nur was?

    „Sie haben leider das selbstvergeudete Thema verfehlt.“

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 606 x aufgerufen



    Mittwoch, 29. Juni 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XVII
    Das Ideal darf nicht zerstört werden, sonst kann es nicht Ideal bleiben:
    Ich unterließ es, mich nach den Fremden, die neben mir gewohnt, im Hause zu erkundigen, denn es war, als entweihe jedes Wort andrer Lippen, das sich auf die Herrliche bezöge, das zarte Geheimnis meines Herzens. Getreulich wollte ich es fortan in mir tragen und nie mehr lassen von der, die nun die Ewiggeliebte meiner Seele worden, sollte ich sie auch nimmer wieder schauen. Du, mein Herzensfreund, erkennst wohl ganz den Zustand, in den ich mich versetzt fühlte; du tadelst mich daher nicht, daß ich alles und jedes vernachlässigte, mir auch nur eine Spur von der unbekannten Geliebten zu verschaffen. Die lustige Gesellschaft der Kurländer wurde mir in meiner Stimmung höchst zuwider, ehe sie sich's versahen, war ich in einer Nacht auf und davon und eilte nach B., meiner damaligen Bestimmung zu folgen. Du weißt, daß ich schon seit früher Zeit ziemlich gut zeichnete; in B. legte ich mich unter der Anleitung geschickter Meister auf das Miniaturmalen und brachte es in kurzer Zeit so weit, daß ich den einzigen mir vorgesteckten Zweck, nämlich das höchst ähnliche Bild der Unbekannten würdig zu malen, erfüllen konnte. Heimlich, bei verschlossenen Türen, malte ich das Bild. Kein menschliches Auge hat es jemals gesehen, denn ein anderes Bild gleicher Größe ließ ich fassen und setzte mit Mühe dann selbst das Bild der Geliebten ein, das ich seit der Zeit auf bloßer Brust trug.« –
    Ludwig fertigt ein Bild seines Ideal.

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 634 x aufgerufen



    Dienstag, 28. Juni 2011
    Sinnlose Maschinen I

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 630 x aufgerufen



    Montag, 27. Juni 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XVI
    Nun ich erwacht war, mußte ich mir's eingestehen, daß durchaus keine Erinnerung aus früher Zeit sich an das holdselige Traumbild knüpfte – ich hatte das herrliche Mädchen zum ersten Male gesehen. Es wurde vor dem Hause laut und heftig gesprochen – mechanisch raffte ich mich auf und eilte ans Fenster; ein ältlicher, wohlgekleideter Mann zankte mit den Postknechten, die etwas an dem zierlichen Reisewagen zerbrochen. Endlich war alles hergestellt, und nun rief der Mann herauf: ›Jetzt ist alles in Ordnung, wir wollen fort.‹ Ich wurde gewahr, daß dicht neben mir ein Frauenzimmer zum Fenster herausgesehen, die nun schnell zurückfuhr, so daß ich, da sie einen ziemlich tiefen Reisehut aufgesetzt hatte, das Gesicht nicht erkennen konnte. Als sie aus der Haustüre trat, wandte sie sich um und sah zu mir herauf. – Ludwig! – es war die Sängerin! – es war das Traumbild – der Blick des himmlischen Auges fiel auf mich, und es war mir, als träfe der Strahl eines Kristalltons meine Brust wie ein glühender Dolchstich, daß ich den Schmerz physisch fühlte, daß alle meine Fibern und Nerven erbebten und ich vor unnennbarer Wonne erstarrte. – Schnell war sie im Wagen – der Postillon blies wie im jubelnden Hohn ein munteres Stückchen. Im Augenblick waren sie um die Straßenecke verschwunden. Wie ein Träumender blieb ich im Fenster, die Kurländer traten ins Zimmer, mich zu einer verabredeten Lustfahrt hinabzuholen – ich sprach kein Wort – man hielt mich für krank – wie hätte ich auch nur das mindeste davon äußern können, was geschehen!

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 666 x aufgerufen



    Freitag, 24. Juni 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XV
    Der Schlaf mochte mich doch zuletzt übermannt haben, denn als ich von dem gellenden Ton eines Posthorns geweckt, auffuhr, schien die helle Morgensonne in mein Zimmer, und ich wurde gewahr, daß ich nur im Traume des höchsten Glücks, der höchsten Seligkeit, die für mich auf der Erde zu finden, teilhaftig worden. – Ein herrliches blühendes Mädchen war in mein Zimmer getreten; es war die Sängerin, und sie sprach zu mir mit gar lieblicher, holdseliger Stimme: ›So konntest du mich dann wieder erkennen, lieber, lieber Ferdinand! aber ich wußte ja wohl, daß ich nur singen durfte, um wieder ganz in dir zu leben; denn jeder Ton ruhte ja in deiner Brust und mußte in meinem Blick erklingen.‹ – Welches unnennbare Entzücken durchströmte mich, als ich nun sah, daß es die Geliebte meiner Seele war, die ich schon von früher Kindheit an im Herzen getragen, die mir ein feindliches Geschick nur so lange entrissen und die ich Hochbeglückter nun wieder gefunden. Aber meine inbrünstige Liebe erklang eben in jener Melodie der tief klagenden Sehnsucht, und unsere Worte, unsere Blicke wurden zu herrlichen anschwellenden Tönen, die wie in einem Feuerstrom zusammenflossen. –

    Ferdinand ist seinem Liebesideal begegnet.

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 623 x aufgerufen



    Donnerstag, 23. Juni 2011
    Krasse Krawatte

    Eine junge Frau, Anfang 20, mit signalgelben Haaren (also nicht blond, Honigfarben oder Zitronengelb. Im Zug, etwas später, sah ich dann einen Ingenieur der DB, der einen Schutzhelm in der gleichen Farbe trug.) schneidet mir den Weg ab und versucht mich als Spender für ihre Hilfsorganisation zu schanghaien. In meinen Gedanken wappne ich mich schon mit dem Satz: ‚An Organisationen, die mir Drückerkolonnen auf den Hals hetzen, spende ich grundsätzlich nichts.“
    Sie bleibt vor mir stehen und ruft verzückt:
    „Krasse Krawatte, Mann!“
    So krass finde ich sie nun doch nicht.

    Permalink (2 Kommentare)   Kommentieren


    ... 751 x aufgerufen



    Mittwoch, 22. Juni 2011
    E.T.A. Hoffmann: Die Automate XIV
    »Wie soll ich es denn anfangen, dir das nie gekannte, nie geahnete Gefühl nur anzudeuten, welches die langen – bald anschwellenden – bald verhallenden Töne in mir aufregten. Wenn die ganz eigentümliche, nie gehörte Melodie – ach, es war ja die tiefe, wonnevolle Schwermut der inbrünstigsten Liebe selbst – wenn sie den Gesang in einfachen Melismen bald in die Höhe führte, daß die Töne wie helle Kristallglocken erklangen, bald in die Tiefe hinabsenkte, daß er in den dumpfen Seufzern einer hoffnungslosen Klage zu ersterben schien, dann fühlte ich, wie ein unnennbares Entzücken mein Innerstes durchbebte, wie der Schmerz der unendlichen Sehnsucht meine Brust krampfhaft zusammenzog, wie mein Atem stockte, wie mein Selbst unterging in namenloser, himmlischer Wollust. Ich wagte nicht, mich zu regen, meine ganze Seele, mein ganzes Gemüt war nur Ohr. Schon längst hatten die Töne geschwiegen, als ein Tränenstrom endlich die Überspannung brach, die mich zu vernichten drohte.
    Meslimen: melodische Verzierungen

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 601 x aufgerufen



    Dienstag, 21. Juni 2011
    Beantwortung der Frage, ob es in Venedig noch Zwerge gibt
    Zwerge? Werden Sie jetzt denken, Zwerge sind doch diese kleinwüchsigen, bärtigen Gesellen mit roter Mütze? Was haben die mit Venedig zu tun? Sehen wir uns zunächst die Zipfelmütze an. Sie erinnert einerseits an den Corno Ducale () , die Kopfbedeckung des Dogen von Venedig, der wiederum einer phrygische Mütze nachgebildet war und andererseits war sie die Zunftkleidung der Idäischen Daktylen, einem mythischen Volk von Bergleuten. Rein praktisch diente die phrygische Mütze als Helm gegen Steinschlag.

    Die Durchlauchtigste Republik des Heiligen Markus hatte seit dem 15. Jahrhundert einen schier unermesslichen Bedarf an seltenen Erden, insbesondere an Manganoxid, das für die Entfärbung der heimischen Glasproduktion benötigt wurde. Und Glas war wichtig, Glas war kostbar wie Gold und die Venezianer hatten das Monopol. Seit Angelo Barovier, dessen Nachfahren immer noch im Geschäft sind, das Crystallo entdeckte spülten die Glasmacher von Venedig ungeheure Summen nach Venedig. Jeder Glasmacher hatte seine eigenen Rezepturen, die streng gehütet wurden. Benötigt wurden aber Manganoxyd und andere Mineralien. Die venezianischen Glasmacher entsandten in den Alpenraum und die deutschen Mittelgebirge eine Schaar von Prospektoren, die die Lagerstätten erkunden und ausbeuten sollten. Da die Fundorte in fremden Hoheitsgebieten lagen, konnte nicht einfach ein Stollensystem angelegt werden, wenn eine Lagerstätte entdeckt war. So suchte man tunlichst eher kleinwüchsige Prospektoren aus, die auch in engen und niedrigen Stollen arbeiten konnten.

    Für die ortsansässigen Bergbauern waren die Fremden zauberkundige Wesen, die mit ihren Zauberbüchlein durch die Berge wanderten und den Fels aufschlugen. Ihr Auftauchen im deutschen Sprachraum führte zu allerlei Sagen und Märchen, in denen sie Venediger, Erzmännchen, Wahle, Welscher, Mandl und Venedigermandl genannt wurden.

    Ein weiterer Punkt, der die Gerüchte und Geschichten um die Venediger begründete war die Notwendigkeit ihre wahren Absichten geheim zu halten. Das Bergregal, das Verfügungsrecht über die gefundenen Erze lag bei den jeweiligen Landesherren, auf die Verletzung dieses Rechtes stand die Todesstrafe. Darüber hinaus waren natürlich die venezianischen Konkurrenten an neuen Erzlagerstätten interessiert. So wurde der eine oder andere Zwerg auch von konkurrierenden Prospektoren getötet.
    In heutiger Zeit geht es in der Serenissima Repubblica di San Marco deutlich entspannter zu. Die Glasmacherinsel Murano wird ab 10 Uhr von Touristen überschwemmt und so empfiehlt es sich möglichst früh durch das Örtchen zu schlendern.



    Schöne Arbeiten sieht man eher selten oder sie sind unbezahlbar.

    Permalink (0 Kommentare)   Kommentieren


    ... 1396 x aufgerufen