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Schnipsel
g. | Donnerstag, 30. Mai 2013, 07:30 | Themenbereich: 'so dies und das'
Manchmal lese ich irgendwo etwas und was mir dazu einfällt, schreibe ich dann in der Hoffnung auf, es nicht mehr zu vergessen (und kommentieren will man ja auch nicht überall … eigentlich fast nirgendwo):
- „wie wäre es mit einer Zeitarbeitsfirma, die Galeerensklaven verleiht und Ruderwettbewerbe sponsert?“
- Nichts (1982)
„ja, nun man die Sache rein materialistisch sieht, könnte man das fragen. Wenn man so idealistischen Kram wie “Freiheit”, “Gerechtigkeit”, “Sinn” in die Gleichung hereinnimmt, sieht es halt anders aus.“
Wie schrieb Harry Heine doch so schön über den Jüngling, der
„Am Meer, am wüsten, nächtlichen Meer
steht ein Jüngling-Mann,
die Brust voll Wehmut, das Haupt voll Zweifel,
und mit düstern Lippen fragt er die Wogen:
"O löst mir das Rätsel des Lebens,
das qualvoll uralte Rätsel,
worüber schon manche Häupter gegrübelt,
Häupter in Hieroglyphenmützen,
Häupter in Turban und schwarzem Barett,
Perückenhäupter und tausend andre,
arme, schwitzende Menschenhäupter.
Sagt mir, was bedeutet der Mensch?
Woher ist er kommen? Wo geht er hin?
Wer wohnt dort oben auf den goldenen Sternen?"
Es murmeln die Wogen ihr ew'ges Gemurmel,
es wehet der Wind, es fliehen die Wolken,
es blinken die Sterne gleichgültig und kalt.
Und ein Narr wartet auf Antwort.“
Oder auch:
„Der Knecht singt gern ein Freiheitslied
Des Abends in der Schenke:
Das fördert die Verdauungskraft
Und würzet die Getränke“
Oder auch mit Musik - „Aber dann kam Judith Butler. Am Anfang fand ich ihren Gedanken, dass nicht nur soziale Geschlechtsrollen konstruiert sind (was damals schon ein alter Hut war), sondern auch der biologische Körper, durchaus spannend.“ Und im übernächsten Satz:“ Allerdings fand ich es nicht wirklich alltagsrelevant. Zum Beispiel änderte diese theoretische Erkenntnis ja nichts an der Tatsache, dass ich schwanger werden konnte…“ Was ist denn eine theoretische Erkenntnis, die nicht „alltags“relevant ist und an einer Tatsache nichts ändert?
- „das eine ist, dass schlicht die Erfahrung mit Rassismus eben nur über Betroffene überhaupt verifizierbar ist. Diese ganzen Objektivisierungsversuche ohne das, was Betroffene empfinden, kann nur scheitern.” Was für ein Müllsatz. Erfahrung ist verarbeitetes Erleben, da kann man nichts ‚verifizieren‘, im günstigsten Fall kann man etwas lernen, z. B. etwas bisher Unbekanntes erfahren. Das Erlebte ist so oder anders gewesen und die Verarbeitung ist richtig oder falsch. Über Beides kann man sich dann unterhalten und gegebenenfalls streiten. Ich wird auf meine alten Tage jedenfalls nicht auch noch Gotteserfahrungen als real akzeptieren.
- Nach langer Zeit habe ich mal wieder in Gernhardts „Zwölf Lektionen in Catical Correctness“ reingelesen. Vielleicht sollte man das den Veganern und ihrem Speziezismusgewese ans Herz legen. (zugleich ein Kommentar zu Political Correctness auch wenn das Gernhardt nur beiläufig aufs Korn nimmt indem er die durchgeknallte Identifikation mit dem Anderen, auch Pseudoempathie genannt, hier einer Tierart, karikiert.)
- Gen Eger floh Wallenstein mit seiner Familie.
- le casus knacktus von die Poststrukturalsti: „gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit“ nö, der gesellschaftlichen Konstruktion der Anschauung von Wirklichkeit, und statt Konstruktion sollte man besser von Entstehung o. ä. reden. (an dem Aufsatz ließe sich wahrscheinlich das ganze Elend des Poststrukturalismus zeigen) [bliebe dann noch die Frage übrig, warum die Geistesgeschichte in neuem Gewand so an Boden gewinnt?]
- „Als Junge in der Krippe oder im Kindergarten einen männlichen Erzieher zu erwischen, der nicht vor allem Wert auf gemeinsames Singen und Erzählen im Stuhlkreis oder eine penibel angefertigte Bastelarbeit legt, sondern auch Fußballspielen, Holzhobeln und Schlammschlachten im Beschäftigungsangebot hat, grenzt fast an einen Lottogewinn. Einen Erzieher, der also „jungenhaft“-robuste Verhaltensweisen samt Raufen nicht reglementiert, sondern fördert.“ Ist das tatsächlich so oder ist das nur das übliche, dumme Rumgerotze der Maskulinisten? Kennt sich da jemand aus?
- „jeder (Halb-)Bildungsbürger hat schon von Adorno/Horkheimer und ihrem epochalen Werk Bashing der Aufklärung gehört.“
- „Wer sich im Netz für Gleichberechtigung, gegen sexistische Gewalt, für die Quote oder andere feministische Gerechtigkeitsthemen einsetzt, wird beschimpft, beleidigt, gebasht, gemobbt und nicht selten in seiner sexuellen Integrität in Frage gestellt.“
Dass Beleidigungen (bis hin zu Drohungen) bei solchen Themen an der Tagesordnung sind, kann jede und jeder nachlesen. Was aber ist das Infragestellen der sexuellen Integrität? - „für mich sind Sie die Jutta Ditfurth unter den Kolumnistinnen, die Alice Schwarzer unter den engagierten Frauen und die Elke Heidenreich unter den Literatinnen. Nur jünger und meistens auch mutiger.” Und ich sitze jetzt da und überlege, ob das eine geschckte Art von Polemik ist und ob Jutta Ditfurth, Alice Schwarzer und Elke Heidenreich in die gleiche Reihe gehören? Hm? Vielleicht noch Claudia Roth dazu? (Und wie müsste die männliche Reihe lauten?)
- Ich kann zwar kein Holländisch, aber den Satz auf einem Rotterdamer Bus habe ich dann doch übersetzen können: „Meer dann en Bus!“ So irgendwie jedenfalls, oder so.
- Zwei Sportarten finde ich ja besonders albern: Bei der Einen klemmen sich Leute die Nase zu, tauchen unter und wackeln krampfhaft mit den Zehen über der Wasserlinie. Auch die Andere gehört in den Bereich des Wassersports: Alle springen ins Becken, wippen wie die Verrückten mit dem Hinterteil und hauen unentwegt aufs Wasser.
- Und wieder ein Satz fürs Leben: „Es hat sich viel bewegt, aber kaum etwas verändert.“
- Und noch einer: „Wer etwas nicht versteht, hat Pech gehabt, aber die Welt ist ja voll von dergleichen und ich selber begreife schließlich auch nicht ein Hundertstel dessen, was ich gern begreifen würde. Friede den Unkundigen.“ (Dietmar Dath)
- Knapp und klar: "Die FDP ist und bleibt ein herzloser Arschgeigen-Verein." (Gernot Hassknecht)
- „Normen, Normierungen, Normiertheiten an jeder Ecke. Zum Beispiel Gartenblumen. Man kann fast nur die Blumen anpflanzen, die es im Baumarkt zu kaufen gibt, alle anderen scheinen nicht zu existieren oder werden jedenfalls ent-nannt. Alle außer ihnen selbst wissen nicht, dass es sie gibt. Oder sie werden hässlich gefunden und schädlich.“ Man könnte natürlich auch in eine Gärtnerei oder in den Wald oder auf eine Wiese gehen oder die Nachbarin fragen.
- „Wir begrüßen den in Hennigsdorf zugestiegenen Fahrgast im Regionalexpress nach Wittenberge. Unser Zug hat momentan siebzehn Minuten Verspätung.“ Hätte so irgendwo geschrieben stehen können, fast. Oder sollen?
- „Ich sehe Fehler. Ich sehe ständig Fehler. Überall. Baumängel, wie Menschen miteinander umgehen, Denkfehler, wie Menschen arbeiten. Kein Fehler entgeht mir. Ausnahme: Fehler bei mir selbst und Rechtschreibfehler.“ Nicht ich, könnte aber sein.
- "Ich für meinen Teil würde ja lieber ein Pornoheft zur Debattiergruppe eines feministischen Lesecafes mitbringen, mitten in Riad aus einer Bibel vorlesen oder in Usbekistan vor dem Präsidentenpalast öffentlich zum Sturz des Autokraten aufrufen. Das klingt ungefährlicher als in Prenzlauer Berg Kinderwagen zu untersagen."
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Der Wiedehopf,
g. | Mittwoch, 29. Mai 2013, 07:31 | Themenbereich: 'auf Reisen'
der uns täglich besuchte, ließ sich nicht fotografieren. Kaum stand ich auf, um die Kamera zu holen, düste er wieder ab. Ziemlich nervös, der Kleine . Manchmal wurde er auch von unseren Haustieren, Grimmer Blick, Schlafkugel und Weiße Schwanzspitze, gestört. Meine Liebste sortierte den Wiedehopf sogleich unter ‚alberne Tierarten‘ ein.


Monsterduck, von unseren Wirtsleuten liebevoll Festtagsbraten genannt, hingegen, wurde vom Wiedehopf einfach ignoriert.



Monsterduck, von unseren Wirtsleuten liebevoll Festtagsbraten genannt, hingegen, wurde vom Wiedehopf einfach ignoriert.

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Mallorca oder Malle
g. | Dienstag, 28. Mai 2013, 07:13 | Themenbereich: 'auf Reisen'
wie die Kampftrinker die Insel nennen war – ja wie? Pollensa, das Örtchen in dem wir Quartier nahmen war hübsch und noch mehrheitlich von Bevölkerung bewohnt. Auf der plaza major waren die Touris in der Mehrzahl, der Platz und die Kneipen wurden aber noch von Einheimischen genutzt. Unser Haus lag am Rande der Stadt, die 10 Minuten ins Zentrum konnte man ohne nennenswerte Mühe zu Fuß bewältigen.
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wieder da
g. | Montag, 27. Mai 2013, 07:58 | Themenbereich: 'so dies und das'

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Pause bis 25. Mai
g. | Freitag, 26. April 2013, 06:20 | Themenbereich: 'so dies und das'
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Zur Pataphysik des Geschlechtlichen I
g. | Donnerstag, 25. April 2013, 06:08 | Themenbereich: 'Begegnungen'
Als die Erinnerung an die Wiedervereinigung noch frisch war, gab es im Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg, den es inzwischen auch nicht mehr gibt, ein Radiomagazin am Morgen mit einem blinden Moderator. Der Name fällt mir gerade nicht mehr ein. Er wurde dann einige Jahre später wg. Stasi geschasst. (Ein interessanter Fall übrigens, der eine mildere Beurteilung verdient hätte.) Die Sendung fand ich zum Wachwerden so angenehm wie die Stimme des Moderators. Es war noch eine Zeit als Wortbeiträge länger als 1:30 sein durften, na egal. Neben Musik und kleinen Features wurde jeden Morgen auch ein zehnminütiges Interview geführt.
Eines Morgens nun saß ich in meinem Sessel, trank Kaffee und sinnierte so vor mich hin. Der Moderator stellte seinen Gesprächspartner vor: Ein Herr Sowieso, Professor für Habichvergessen an der TU (?) Irgendwo.
„Guten Morgen, Herr Sowieso.“
„Guten Morgen, Herr Name fällt mir nicht mehr ein.“
„Sie haben ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel ??? abgeschlossen. Worum geht es dabei?“
Und dann fing der Herr Professor an zu erzählen: Sie hätten so und so viele Frauen und Männer an den Ohren untersucht, repräsentativ selbstverständlich. Was den das Ergebnis der Forschung gewesen wäre, wollte der Moderator wissen. Oh, das wäre hochinteressant. Der Winkel des Gehörganges sei bei Männern und Frauen um ? Grad unterschiedlich. Dies wäre bei allen, ungeachtet der Herkunft, sie hätten Teilnehmer aus allen Erdteilen berücksichtigt, repräsentativ selbstverständlich, so. Auch schon bei den Säuglingen könne man den unterschiedlichen Winkel nachweisen.
Ich trank einen Schluck Kaffee. Unterschiedliche Winkel bei den Gehörgängen, okay.
Ob denn dann Frauen oder Männer schlechter hören könnten, wollte der Moderator wissen.
Keineswegs, keineswegs, beteuerte der Wissenschaftler, das Hörvermögen sei völlig unabhängig vom Winkel des Gehörgangs.
Ob denn dann Frauen oder Männer bei tiefen oder hohen Tönen im Vorteil wären?
Keineswegs, keineswegs, versicherte der Wissenschaftler, ein Unterschied im Hörvermögen bestehe in keinem Frequenzgang.
Interessant, meinte der Moderator, ob denn dann auf irgendeinem anderen Gebiet der Unterschied bei den Winkeln eine Rolle spielen würde?
Zunächst Schweigen, dann fing der Wissenschaftler an vor sich hin zu räsonnieren: Es könnte natürlich sein, dass Männer und Frauen, wenn sie den optimalen Stereoeffekt genießen wollten, die Boxen der Anlage etwas anders stellen sollten. Oder einen anderen Abstand zu den Boxen? Das wäre auch denkbar. Es hinge natürlich sehr viel stärker von Konfiguration und Qualität der Boxen ab, der Gehörgangswinkel spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Sehr schwierig zu messen, solche Effekte, viele Parameter und große individuelle Unterschiede.
Dann dankte der Moderator für das Gespräch und Musik wurde eingespielt.
Seit dieser Zeit weiß ich, dass Männer und Frauen mit unterschiedlichen Gehörgangswinkeln gesegnet sind. Ob sich die Evolution dabei etwas gedacht hat? Vielleicht macht die Evolution aber auch öfter mal etwas unpraktisches, einfach mal so, ohne irgendwelchen Zweck.
Eines Morgens nun saß ich in meinem Sessel, trank Kaffee und sinnierte so vor mich hin. Der Moderator stellte seinen Gesprächspartner vor: Ein Herr Sowieso, Professor für Habichvergessen an der TU (?) Irgendwo.
„Guten Morgen, Herr Sowieso.“
„Guten Morgen, Herr Name fällt mir nicht mehr ein.“
„Sie haben ein DFG-gefördertes Forschungsprojekt mit dem Titel ??? abgeschlossen. Worum geht es dabei?“
Und dann fing der Herr Professor an zu erzählen: Sie hätten so und so viele Frauen und Männer an den Ohren untersucht, repräsentativ selbstverständlich. Was den das Ergebnis der Forschung gewesen wäre, wollte der Moderator wissen. Oh, das wäre hochinteressant. Der Winkel des Gehörganges sei bei Männern und Frauen um ? Grad unterschiedlich. Dies wäre bei allen, ungeachtet der Herkunft, sie hätten Teilnehmer aus allen Erdteilen berücksichtigt, repräsentativ selbstverständlich, so. Auch schon bei den Säuglingen könne man den unterschiedlichen Winkel nachweisen.
Ich trank einen Schluck Kaffee. Unterschiedliche Winkel bei den Gehörgängen, okay.
Ob denn dann Frauen oder Männer schlechter hören könnten, wollte der Moderator wissen.
Keineswegs, keineswegs, beteuerte der Wissenschaftler, das Hörvermögen sei völlig unabhängig vom Winkel des Gehörgangs.
Ob denn dann Frauen oder Männer bei tiefen oder hohen Tönen im Vorteil wären?
Keineswegs, keineswegs, versicherte der Wissenschaftler, ein Unterschied im Hörvermögen bestehe in keinem Frequenzgang.
Interessant, meinte der Moderator, ob denn dann auf irgendeinem anderen Gebiet der Unterschied bei den Winkeln eine Rolle spielen würde?
Zunächst Schweigen, dann fing der Wissenschaftler an vor sich hin zu räsonnieren: Es könnte natürlich sein, dass Männer und Frauen, wenn sie den optimalen Stereoeffekt genießen wollten, die Boxen der Anlage etwas anders stellen sollten. Oder einen anderen Abstand zu den Boxen? Das wäre auch denkbar. Es hinge natürlich sehr viel stärker von Konfiguration und Qualität der Boxen ab, der Gehörgangswinkel spiele dabei nur eine untergeordnete Rolle. Sehr schwierig zu messen, solche Effekte, viele Parameter und große individuelle Unterschiede.
Dann dankte der Moderator für das Gespräch und Musik wurde eingespielt.
Seit dieser Zeit weiß ich, dass Männer und Frauen mit unterschiedlichen Gehörgangswinkeln gesegnet sind. Ob sich die Evolution dabei etwas gedacht hat? Vielleicht macht die Evolution aber auch öfter mal etwas unpraktisches, einfach mal so, ohne irgendwelchen Zweck.
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Über manche Dinge macht man keine Witze
g. | Mittwoch, 24. April 2013, 06:49 | Themenbereich: 'so dies und das'
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„Frauen und Gedöhns“ II
g. | Dienstag, 23. April 2013, 05:52 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Warum war ich überhaupt da?
Tja, wo soll ich anfangen? Als ich vor Stücker 30 Jahren studiert habe, war das poststrukturalistische Gewese ein Randphänomen. Inzwischen ist es das nicht mehr, stattdessen ist in so ziemlich allen linken oder emanzipatorischen oder wie immer man das nennen will, Gruppen, Parteien oder sonstigen Zusammenschlüssen des akademischen Milieus Sprachakrobatik bzw. die vehemente Beschränkung auf den symbolischen Raum anscheinend dominant. Politisch ist es fatal, den Diskurs über das natürliche Geschlecht der Rechten zu überlassen ( Siehe etwa ), während Millionen an Forschungsgeldern in Gen- und Hirnforschung gesteckt werden. Diese Doppelung von interessengeleiteter Forschungs- und Wirtschaftspolitik und irrelevantem oder schlicht unsinnigem Gegen-Diskurs kann zu einem beängstigenden Konglomerat von Körper- und Nachwuchsoptimierung auf der einen Seite und moralinsaurer Verhaltensdomestizierung auf der anderen Seite führen. Die Suchtdebatten sind da erst der Anfang.
Nun, was immer die Zukunft bringen mag, eine Veranstaltungsreihe über die Zukunft von Gender klang vielversprechend
Und da ich beruflich gut ausgelastet bin, habe ich mich nur auf einen Vortrag eingelassen, obwohl auch einige andere Vorlesungen interessant klangen, Zur Verwechslung von Subjekt und Identität in der Geschlechterforschung beispielsweise.
Erste Eindrücke
Da ich durch die halbe Stadt fahren musste, um zur FU zu gelangen, bin ich zeitig losgefahren. Man will ja nicht reinplatzen. Wie immer, wenn ich pünktlich sein will, war ich viel zu früh da. Na egal. Ich habe dann noch eine kleine Besichtigungsrunde durch die Rostlaube gedreht und in Erinnerungen geschwelgt. Hier war der Fachschaftsraum Germanistik, da hängen immer noch die Feuerlöscher, die während einer Studentenparty heruntergerissen wurden und das Pförtnerhäuschen daneben ist auch noch da. Inzwischen unbesetzt und so wird niemand mehr in die Verlegenheit kommen, dem Pförtner erklären zu müssen, warum den die Schwachköpfe die Feuerlöscher herunter getreten haben. Mit anderen Worten: es hat sich doch etwas verändert.
Na und als es so langsam Zeit wurde, habe ich mir einen Platz gesucht, von dem ich alles überblicken konnte und gute Sicht auf die Vortragende hatte. Ich war trotzdem der erste Teilnehmer. Stimmt, das hatte ich vergessen, das akademische Viertel bedeutet ja nicht, dass die Vorlesung eine viertel Stunde später anfängt, sondern dass sie eine viertel Stunde nach der Viertelstunde …
Auf diese Weise konnte ich immerhin unauffällig jede Teilnehmerin und sogar den anderen Teilnehmer (ein Soziologenfussel, nehme ich an) an der Ringvorlesung in Augenschein nehmen.
Zehn Minuten nach c. t. kam die Veranstalterin und die Dozentin in den Saal und dann trudelten noch einige Minuten lang einige Zuhörerinnen ein. Ein Blick in die Runde: alles voller braver Mädchen und älterer Frauen so zwischen 50 und 70. Was hatte ich erwartet? Gar nichts, denn ich hatte vorher nicht darüber nachgedacht und somit überhaupt keine Erwartungen.
Nach einer kurzen Einführung in die Vorlesungsreihe, erhielt die Dozentin das Wort.
Der Vortrag: Das lästige Geschlecht. Begriffliche und sozialtheoretische Überlegungen
Sie setzte ein mit einer Charakterisierung der Debatten der letzten Jahre:
1. Die Queer-Diskussion hätte zu einer Vervielfältigung der Geschlechter geführt
2. Auch ‚sex‘, also das biologische Geschlecht werde – so die These dieser Schule, die sie als sozialen Konstruktivismus bezeichnete – nicht einfach vorgefunden, sondern sei gesellschaftlich konstruiert
3. Und: erst die Diskurse konstituieren ‚Geschlecht‘ in der an sich chaotischen Natur
4. Diese Diskurse gelte es zu ‚dekonstruieren‘, weil jeder Dualismus schon Herrschaft konstituiere.
5. Judith Butler spreche daher von der Zwangsordnung von sex, gender und desire, man müsse aber aus dem Gefängnis der Zweigeschlechtlichkeit entkommen.
Hilge Landwehr führte zunächst die Argumente, wie ich sie oben bereits dargestellt habe etwas aus, um dann noch mit einigen weiteren Argumenten zu ergänzen:
‚Doing gender‘, ein Schlagwort von Butler aufgreifend, habe seine Stärken in der Interaktionsanalyse, insofern überhaupt Empirie betrieben würde. Es nehme aber die Geschichte der Geschlechtervorstellungen nicht in den Blick und sei somit ahistorisch.
Ich blickte mich im Saal um, die Reaktionen auf solche Aussagen wollte ich sehen: ein Dauerlächeln bei zweidrittel der Teilnehmerinnen, der Soziologenfussel schien eingeschlafen zu sein. Das Dauerlächeln blieb während des gesamten Vortrages konstant, egal ob Thesen vorgetragen, Argumente ausgeführt oder lediglich Sachverhalten benannt wurden. Faszinierend, nur was lehrt uns das? Keine Ahnung.
Sie stellte dann ihr Forschungsprojekt, dass sie mit Kollegen und Kolleginnen der FU durchführe, in den Grundzügen vor. Ihr ginge es darum, die tatsächliche Relevanz von Geschlecht in unterschiedlichen Handlungen und Handlungsfeldern zu untersuchen. Als zu untersuchendes Feld sei die Universität mit den Professoren und Professorinnen sowie die Studentinnen und Studenten auf der anderen Seite, vorgesehen. Geplant sei, bei einer Reihe von häufig wiederkommenden Handlungen: Prüfungen, Seminare, Besprechung von Seminararbeiten, usw. Aufnahmen zu fertigen und im Nachgang dazu Interviews mit den Beteiligten zu führen. Das so gewonnene Material solle dann zunächst in einem doppelten Auswertungslauf gesichtet werden, um das ‚Professorale‘ vom ‚Geschlechtlichen‘ trennen zu können und in einem weiteren Schritt mit historischen Dokumenten kontrastiert werden. (Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich alles aus dem Vortrag korrekt mitgeschnitten habe, aber nun gut.) Ausgangspunkt der Untersuchung sei Bourdieus Habituskonzept, das es erlaube die historischen Ursachen von Verhalten, Denken und Fühlen zu beschreiben.
Soweit der Vortrag.
Nun ja, dachte ich bei mir, Bourdieu ist zwar nicht neu, aber von beeindruckender begrifflicher und intellektueller Präzision. Das Konzept als theoretischen Ausgangspunkt zu nehmen, ist wohl immer noch state of the art. Etwas Weitergehendes wird wohl nicht so schnell entwickelt werden. Und das Forschungsprojekt? Je nun, spannender wäre eher ein Feld außerhalb der Universität, der Nachteil natürlich, dass man es mit soziokulturellen Mustern zu tun hätte, die für Hochschullehrer weitgehend fremd sind.
In der Diskussion merkte sie dann noch an, dass sie auch an der Hoffnung des „sich selbst neu Erfindens“ wenig Sinnhaftes entdecken könne. Sie versuche allerdings das erkennbare Anliegen in empirisch untersuchbare Fragestellungen umzuformulieren, so dass die Grenzen der Performanz sichtbar würden.
Und sonst? Einige Verständnisfragen und – anscheinend unvermeidbar – die Frage, warum denn ausgerechnet Bourdieu (sachlich hatte sie ja schon in ihrem Vortrag geantwortet) als theoretische Grundlage Verwendung finden solle. Für einen Moment entglitten ihr die Gesichtszüge (die Zielrichtung der Frage war unübersehbar: Warum die Theorie eines Mannes?), sie begann dann aber keine Grundsatzdebatte, sondern antwortete:
„Weil die Theorie fertig ausgearbeitet ist, dann muss ich es nicht selber machen.“
Nun, dann kann man den Wissenschaftlerinnen nur viel Glück wünschen, dass die Bemühungen Gehör finden. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht.
Wer über ‚sex‘ nicht reden will soll über ‚gender‘ schweigen.
Den 1. Teil gibt es hier.
Tja, wo soll ich anfangen? Als ich vor Stücker 30 Jahren studiert habe, war das poststrukturalistische Gewese ein Randphänomen. Inzwischen ist es das nicht mehr, stattdessen ist in so ziemlich allen linken oder emanzipatorischen oder wie immer man das nennen will, Gruppen, Parteien oder sonstigen Zusammenschlüssen des akademischen Milieus Sprachakrobatik bzw. die vehemente Beschränkung auf den symbolischen Raum anscheinend dominant. Politisch ist es fatal, den Diskurs über das natürliche Geschlecht der Rechten zu überlassen ( Siehe etwa ), während Millionen an Forschungsgeldern in Gen- und Hirnforschung gesteckt werden. Diese Doppelung von interessengeleiteter Forschungs- und Wirtschaftspolitik und irrelevantem oder schlicht unsinnigem Gegen-Diskurs kann zu einem beängstigenden Konglomerat von Körper- und Nachwuchsoptimierung auf der einen Seite und moralinsaurer Verhaltensdomestizierung auf der anderen Seite führen. Die Suchtdebatten sind da erst der Anfang.
Nun, was immer die Zukunft bringen mag, eine Veranstaltungsreihe über die Zukunft von Gender klang vielversprechend
Und da ich beruflich gut ausgelastet bin, habe ich mich nur auf einen Vortrag eingelassen, obwohl auch einige andere Vorlesungen interessant klangen, Zur Verwechslung von Subjekt und Identität in der Geschlechterforschung beispielsweise.
Erste Eindrücke
Da ich durch die halbe Stadt fahren musste, um zur FU zu gelangen, bin ich zeitig losgefahren. Man will ja nicht reinplatzen. Wie immer, wenn ich pünktlich sein will, war ich viel zu früh da. Na egal. Ich habe dann noch eine kleine Besichtigungsrunde durch die Rostlaube gedreht und in Erinnerungen geschwelgt. Hier war der Fachschaftsraum Germanistik, da hängen immer noch die Feuerlöscher, die während einer Studentenparty heruntergerissen wurden und das Pförtnerhäuschen daneben ist auch noch da. Inzwischen unbesetzt und so wird niemand mehr in die Verlegenheit kommen, dem Pförtner erklären zu müssen, warum den die Schwachköpfe die Feuerlöscher herunter getreten haben. Mit anderen Worten: es hat sich doch etwas verändert.
Na und als es so langsam Zeit wurde, habe ich mir einen Platz gesucht, von dem ich alles überblicken konnte und gute Sicht auf die Vortragende hatte. Ich war trotzdem der erste Teilnehmer. Stimmt, das hatte ich vergessen, das akademische Viertel bedeutet ja nicht, dass die Vorlesung eine viertel Stunde später anfängt, sondern dass sie eine viertel Stunde nach der Viertelstunde …
Auf diese Weise konnte ich immerhin unauffällig jede Teilnehmerin und sogar den anderen Teilnehmer (ein Soziologenfussel, nehme ich an) an der Ringvorlesung in Augenschein nehmen.
Zehn Minuten nach c. t. kam die Veranstalterin und die Dozentin in den Saal und dann trudelten noch einige Minuten lang einige Zuhörerinnen ein. Ein Blick in die Runde: alles voller braver Mädchen und älterer Frauen so zwischen 50 und 70. Was hatte ich erwartet? Gar nichts, denn ich hatte vorher nicht darüber nachgedacht und somit überhaupt keine Erwartungen.
Nach einer kurzen Einführung in die Vorlesungsreihe, erhielt die Dozentin das Wort.
Der Vortrag: Das lästige Geschlecht. Begriffliche und sozialtheoretische Überlegungen
Sie setzte ein mit einer Charakterisierung der Debatten der letzten Jahre:
1. Die Queer-Diskussion hätte zu einer Vervielfältigung der Geschlechter geführt
2. Auch ‚sex‘, also das biologische Geschlecht werde – so die These dieser Schule, die sie als sozialen Konstruktivismus bezeichnete – nicht einfach vorgefunden, sondern sei gesellschaftlich konstruiert
3. Und: erst die Diskurse konstituieren ‚Geschlecht‘ in der an sich chaotischen Natur
4. Diese Diskurse gelte es zu ‚dekonstruieren‘, weil jeder Dualismus schon Herrschaft konstituiere.
5. Judith Butler spreche daher von der Zwangsordnung von sex, gender und desire, man müsse aber aus dem Gefängnis der Zweigeschlechtlichkeit entkommen.
Hilge Landwehr führte zunächst die Argumente, wie ich sie oben bereits dargestellt habe etwas aus, um dann noch mit einigen weiteren Argumenten zu ergänzen:
‚Doing gender‘, ein Schlagwort von Butler aufgreifend, habe seine Stärken in der Interaktionsanalyse, insofern überhaupt Empirie betrieben würde. Es nehme aber die Geschichte der Geschlechtervorstellungen nicht in den Blick und sei somit ahistorisch.
Ich blickte mich im Saal um, die Reaktionen auf solche Aussagen wollte ich sehen: ein Dauerlächeln bei zweidrittel der Teilnehmerinnen, der Soziologenfussel schien eingeschlafen zu sein. Das Dauerlächeln blieb während des gesamten Vortrages konstant, egal ob Thesen vorgetragen, Argumente ausgeführt oder lediglich Sachverhalten benannt wurden. Faszinierend, nur was lehrt uns das? Keine Ahnung.
Sie stellte dann ihr Forschungsprojekt, dass sie mit Kollegen und Kolleginnen der FU durchführe, in den Grundzügen vor. Ihr ginge es darum, die tatsächliche Relevanz von Geschlecht in unterschiedlichen Handlungen und Handlungsfeldern zu untersuchen. Als zu untersuchendes Feld sei die Universität mit den Professoren und Professorinnen sowie die Studentinnen und Studenten auf der anderen Seite, vorgesehen. Geplant sei, bei einer Reihe von häufig wiederkommenden Handlungen: Prüfungen, Seminare, Besprechung von Seminararbeiten, usw. Aufnahmen zu fertigen und im Nachgang dazu Interviews mit den Beteiligten zu führen. Das so gewonnene Material solle dann zunächst in einem doppelten Auswertungslauf gesichtet werden, um das ‚Professorale‘ vom ‚Geschlechtlichen‘ trennen zu können und in einem weiteren Schritt mit historischen Dokumenten kontrastiert werden. (Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich alles aus dem Vortrag korrekt mitgeschnitten habe, aber nun gut.) Ausgangspunkt der Untersuchung sei Bourdieus Habituskonzept, das es erlaube die historischen Ursachen von Verhalten, Denken und Fühlen zu beschreiben.
Soweit der Vortrag.
Nun ja, dachte ich bei mir, Bourdieu ist zwar nicht neu, aber von beeindruckender begrifflicher und intellektueller Präzision. Das Konzept als theoretischen Ausgangspunkt zu nehmen, ist wohl immer noch state of the art. Etwas Weitergehendes wird wohl nicht so schnell entwickelt werden. Und das Forschungsprojekt? Je nun, spannender wäre eher ein Feld außerhalb der Universität, der Nachteil natürlich, dass man es mit soziokulturellen Mustern zu tun hätte, die für Hochschullehrer weitgehend fremd sind.
In der Diskussion merkte sie dann noch an, dass sie auch an der Hoffnung des „sich selbst neu Erfindens“ wenig Sinnhaftes entdecken könne. Sie versuche allerdings das erkennbare Anliegen in empirisch untersuchbare Fragestellungen umzuformulieren, so dass die Grenzen der Performanz sichtbar würden.
Und sonst? Einige Verständnisfragen und – anscheinend unvermeidbar – die Frage, warum denn ausgerechnet Bourdieu (sachlich hatte sie ja schon in ihrem Vortrag geantwortet) als theoretische Grundlage Verwendung finden solle. Für einen Moment entglitten ihr die Gesichtszüge (die Zielrichtung der Frage war unübersehbar: Warum die Theorie eines Mannes?), sie begann dann aber keine Grundsatzdebatte, sondern antwortete:
„Weil die Theorie fertig ausgearbeitet ist, dann muss ich es nicht selber machen.“
Nun, dann kann man den Wissenschaftlerinnen nur viel Glück wünschen, dass die Bemühungen Gehör finden. Viel Hoffnung habe ich allerdings nicht.
Wer über ‚sex‘ nicht reden will soll über ‚gender‘ schweigen.
Den 1. Teil gibt es hier.
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„Frauen und Gedöhns“ I
g. | Montag, 22. April 2013, 06:06 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
nannte Gerhard Schröder bekanntlich die Politikbereiche, die Christine Bergmann im Bundeskabinett zu vertreten hatte. Dazu ist zunächst nichts weiter zu sagen, als dass dieses Diktum lediglich Schröders überschießende Arroganz bezüglich Geschlechterpolitik dokumentiert. Darüber hinaus markiert der Satz von Schröder aber auch die Wahrnehmung von genderpolitisch engagierten Frauen gegenüber Einwänden von Männern. Die Debatten über Geschlecht sind sozusagen von ‚beiden’ Seiten als verdoppelte Abwehrhaltung mit diesem Satz charakterisiert. Bliebe das Problem: wie kann über das Geschlechterverhältnis sinnvoll gesprochen werden ohne sich im Unterholz zu verlieren? Wenn man das möchte selbstverständlich.

Was man sich nicht alles antut. Nach 30 Jahren war ich mal wieder in einem Hörsaal. Sie werden natürlich jetzt fragen: warum?
Ich hatte ja vor ein paar Monaten mal in einem Fundstücke spezial versucht zusammen zu tragen, was sich meines Erachtens sinnvollerweise überhaupt über das Thema Sex und Gender sagen lässt. Hintergrund war, dass ich der vollständigen Eliminierung von Körper, Sexualität und Fortpflanzung aus dem Geschlechterdiskurs nichts abgewinnen kann. Die Debatte bei der Mädchenmannschaft, die ich damals verlinkt hatte, scheint mir symptomatisch für eine Verengung der Sichtweise auf gesellschaftliche Konstrukte, die wohl nicht nur der Alltagserfahrung der meisten Menschen widerspricht, sondern auch theoretisch und politisch in die Irre führt. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite und deshalb habe ich Schröders pejoratives Diktum in die Überschrift gesetzt, ist nun leider, dass es außerhalb nur noch das nackte Chauvitum zu geben scheint. Anscheinend ist die Debatte, mit wenigen Ausnahmen, mittlerweile zwischen ‚Feminismus’ und erzreaktionärem Maskulinismus abschließend situiert.
Da niemand sich zu den Deppen gesellen will, verbietet sich eine Anflanschung an diese Diskurse der besinnungslosen Abwehr, und da beißt nun mal die Maus keinen Faden ab, an der Abwehr berechtigter Ansprüche von Frauen an umfassender Teilhabe und diskriminierungsfreien Lebensentwürfen und Lebenspraktiken. Zwischen „Hi Welf“ und „Hi Waibling“ will ich mich nun auch nicht entscheiden wollen.
Wie soll man sich aber nun in dieser Gefechtslage orientieren?
Dabei ist mir nun der Aufsatz von Hilge Landweer (vermittelt über ein Blog, das man wohl eher zur Maskulinistenfraktion rechnen muss. Nun das Leben ist hart.) unter gekommen. Um sich von den, zumindest habe ich das so wahrgenommen, peinlichen-triumphiernden Anmerkungen (Ha, seht her ich habe eine Feministin als Gewährsfrau meiner Anschauungen ausgegraben) nicht dauernd nerven zu lassen, habe ich die umfangreichen Zitate in eine extra Datei kopiert und das eingestreute Gewaffel einfach gelöscht. Wenn Sie sich damit auseinander setzen wollen, empfehle ich das gleiche Verfahren.
Der Aufsatz hebt nun zunächst an mit einer Charakterisierung feministischer Debatten.
Weiter in der Charakterisierung:
So weit, so banal, so richtig. No gender without sex.
Schwieriger wird dann ein weiterer möglicher Fortgang der Gedanken. Mit der Feststellung, das Frauen menstruieren und Männer eine Erektion bekommen ist ja zunächst, wie oben ausgeführt nur festgestellt, dass die Kategorie als solche in der ‚Natur’ wurzelt. Was den Unterschied jenseits von Penis und Brüsten ausmachen könnte, ist damit natürlich noch nicht bestimmt. Insbesondere ist damit auch noch nichts ausgesagt über die kulturellen Zuschreibungen (auch nicht über Selbstzuschreibungen) zu den beiden Geschlechtern in verschiedenen Gesellschaften und zu verschiedenen Zeiten.
Auf dieser Ebene könnte man lediglich die Konstruktion von mehr als zwei Geschlechtern als nicht sinnvoll kritisieren und Vorbehalte gegen den ‚Gender_Gap’ mit der Frage, ob es denn um Gender oder Sex gehe, anmelden. (Wenn ich meine ungnädige Phase habe rede ich dann vom Genderloch, durch das auch folgerichtig ‚sex‘, also das biologische Geschlecht, fällt.)
Wir befinden uns ja immer noch auf der grundlegendsten Ebene der Diskussion, wie man Kultur und Natur, um es mal flapsig zu formulieren, sinnvoll unterscheiden kann und welche Kategorien dabei wie zur Verwendung kommen.
Das nächste Problem dräut ja bereits: was ließe sich den über den biologischen Unterscheid über die nackte Tatsache des sichtbaren physischen Unterschiedes und der über die Fortpflanzungsfähigkeit vermittelten Grundkategorien von männlich/weiblich noch sinnvolles sagen?
Auf meinem jetzigen Stand der Recherchen: herzlich wenig. (Richard David Prechts: Liebe Ein unordentliches Gefühl bietet ein paar Hinweise, die vielversprechend klingen. Sein Buch über Moralphilosophie hingegen ist Müll. Na ja, vielleicht ein anderes Mal etwas ausführlicher.)
Einfacher ist es da schon, darüber zu reden, was nicht sinnvoll ist.
Nicht sinnvoll ist es, die Dichotomie aufzulösen und eine Vielzahl von Geschlechtern herbei zu fantasieren, nicht sinnvoll ist es eine Biologisierung von Charaktereigenschaften oder ‚Wesens’zügen von Männern oder Frauen zu unternehmen und nicht sinnvoll ist es psychologische Forschungen und Interventionen auf der Grundlage der Blobologie für obsolet zu erklären. Umgekehrt ist es aber auch nicht sinnvoll, die persönlichen Hoffnungen und Wünsche, die persönlichen Ängste und Defizite zu rationalisieren und immer neue „Edle Wilde“ mit einem aberwitzigen Wahrnehmungsgerüst zu „entdecken“.
Soweit der Problemaufriss.
Morgen früh gibt es die Fortsetzung.

Was man sich nicht alles antut. Nach 30 Jahren war ich mal wieder in einem Hörsaal. Sie werden natürlich jetzt fragen: warum?
Ich hatte ja vor ein paar Monaten mal in einem Fundstücke spezial versucht zusammen zu tragen, was sich meines Erachtens sinnvollerweise überhaupt über das Thema Sex und Gender sagen lässt. Hintergrund war, dass ich der vollständigen Eliminierung von Körper, Sexualität und Fortpflanzung aus dem Geschlechterdiskurs nichts abgewinnen kann. Die Debatte bei der Mädchenmannschaft, die ich damals verlinkt hatte, scheint mir symptomatisch für eine Verengung der Sichtweise auf gesellschaftliche Konstrukte, die wohl nicht nur der Alltagserfahrung der meisten Menschen widerspricht, sondern auch theoretisch und politisch in die Irre führt. Das ist die eine Seite.
Die andere Seite und deshalb habe ich Schröders pejoratives Diktum in die Überschrift gesetzt, ist nun leider, dass es außerhalb nur noch das nackte Chauvitum zu geben scheint. Anscheinend ist die Debatte, mit wenigen Ausnahmen, mittlerweile zwischen ‚Feminismus’ und erzreaktionärem Maskulinismus abschließend situiert.
Da niemand sich zu den Deppen gesellen will, verbietet sich eine Anflanschung an diese Diskurse der besinnungslosen Abwehr, und da beißt nun mal die Maus keinen Faden ab, an der Abwehr berechtigter Ansprüche von Frauen an umfassender Teilhabe und diskriminierungsfreien Lebensentwürfen und Lebenspraktiken. Zwischen „Hi Welf“ und „Hi Waibling“ will ich mich nun auch nicht entscheiden wollen.
Wie soll man sich aber nun in dieser Gefechtslage orientieren?
Dabei ist mir nun der Aufsatz von Hilge Landweer (vermittelt über ein Blog, das man wohl eher zur Maskulinistenfraktion rechnen muss. Nun das Leben ist hart.) unter gekommen. Um sich von den, zumindest habe ich das so wahrgenommen, peinlichen-triumphiernden Anmerkungen (Ha, seht her ich habe eine Feministin als Gewährsfrau meiner Anschauungen ausgegraben) nicht dauernd nerven zu lassen, habe ich die umfangreichen Zitate in eine extra Datei kopiert und das eingestreute Gewaffel einfach gelöscht. Wenn Sie sich damit auseinander setzen wollen, empfehle ich das gleiche Verfahren.
Der Aufsatz hebt nun zunächst an mit einer Charakterisierung feministischer Debatten.
„Jeder Versuch, anthropologische Konstanten auch nur als Grenzwerte für Transformationsprozesse zu bestimmen, jeder Versuch zu reflektieren, was es für Menschen bedeutet, sich ebenso wie Tiere fortpflanzen zu müssen (wenn sie sich denn überhaupt fortpflanzen wollen), und jeder Versuch, die Geschlechterdifferenz philosophisch zu reflektieren, ohne sie vorab als reines Konstrukt zu setzen, kann damit bereits unter Ideologieverdacht gestellt werden.“Da ich mich nicht wirklich umfassend mit den Debatten im wissenschaftlichen Raum beschäftigt habe, kann ich nicht beurteilen, ob diese Kritik und wenn ja, in welchem Umfang, zutreffend ist oder nicht. Sporadisches hineinlesen in einige Aufsätze und auch die Beschreibungen der Lehr- und Forschungsgrundsätze der gender studies an den Hochschulen stützt allerdings diese Einschätzung. In den Kreisen, in denen ich mich so alltäglich bewege, stellt das eher eine Minderheitenmeinung dar. Wenn man sich hingegen in feministischen Blogs bewegt, kann man nicht umhin, dieser Charakterisierung zuzustimmen.
Weiter in der Charakterisierung:
„Neueste feministische Theorieanstrengungen [betonen], daß der „anatomische Unterschied“ nicht einfach aus der Natur zu uns spreche; die Natur mache keine Unterscheidungen, das Chaotisch-Mannigfaltige werde erst durch menschliche Begriffe in eine Ordnung gebracht – als eine Art Kulturnominalismus. Auch die biologischen Geschlechtsbestimmungsmethoden seien kulturelle Praktiken, die die distingierenden Geschlechterkategorien erst erzeugen, ebenso wie die Geschlechtsattribution in alltäglichen Interaktionen nicht etwa auf einer evidenten Sichtbarkeit des sexuellen Dimorphismus beruhen, sondern ihn als selbstverständlich geltend unterstellen.“Und weiter.
„Kritik an solchen Positionen (Ontologisierungen, Naturalisierungen, Mythisierungen, Moralisierungen der Geschlechterdifferenz) ist sicherlich überfällig. Aber muss in solchen Kritikprozessen die Kategorie Geschlecht selbst verabschiedet oder als reine Diskurserfindung behandelt werden?“Ja, dem ist zuzustimmen. Vor lauter „Frauen können nicht zuhören und Männer nicht einparken“ sollte man nicht einfach die schiere Körperlichkeit für völlig unwichtig erklären. Im Folgenden wendet sie sich gegen die theoretischen Annahmen von Judith Butler. Da ich nichts (na gut, einige Interviews, Aufsätze und ihre Adornopreisrede) von Butler gelesen habe, vermag ich das nicht einzuordnen. Es scheint mir aber vor dem Hintergrund der Schlussfolgerungen und Darstellungen von Leuten, die Butler in ihren Reflexionen folgen, gerechtfertigt.
„Meine These ist, daß in jeder Kultur in Zusammenhang mit Mortalität und Natalität die Generativität zu Kategorisierungen von „Geschlecht“ führt.“Geschlecht als Kategorie taucht in jeder Kultur und man kann hinzufügen zu jeder Zeit als grundlegende Kategorie auf.
„Wie die Geschlechtsbegriffe kulturell im einzelnen verfasst sind, ist prinzipiell offen, nicht aber, daß es immer zwei Kern-Kategorien gibt, die Individuen nach ihrem als möglich unterstellten Anteil an der Entstehung neuer Menschen klassifizieren.“Eigentlich banal.
„Daraus folgt zwar keine naturale Determination von Geschlechtscharakteren, wohl aber die Unhintergehbarkeit der Anknüpfung an die generative Zweigliederung auch für die Strukturierung der kulturell variablen Geschlechterbegriffe.“Auch dem kann man nichts entgegensetzen. In einer Schneckengesellschaft, in der alle Zwitter sind, gäbe es keine Geschlechterdiskurse. Menschen sind eine zweigeschlechtliche Art und so unterscheiden wir auch zwei Geschlechter. Das es auch biologische Uneindeutigkeit ( guckstduhier ) gibt, steht auf einem anderen Blatt und es ist damit auch noch nichts über gleich- oder gegengeschlechtliches Begehren ausgesagt.
„Die Frage nach den Grundkategorien von Geschlecht ist weder vom Agieren von Einzelindividuen noch von spezifischen Interessengruppen abhängig. Es ist auch keine Frage der „Macht“ in der Sprache, oder eines ominösen „heterosexistischen Gesetzes““Jeglich menschliche Symboltätigkeit, jede kulturelle Zuschreibung setzt an schlicht physischen Unterschieden und dem Beitrag an der möglicher Fortpflanzung an. (über Heteronormativität muss ich auch noch mal was gesondert zusammenschreiben)
So weit, so banal, so richtig. No gender without sex.
Schwieriger wird dann ein weiterer möglicher Fortgang der Gedanken. Mit der Feststellung, das Frauen menstruieren und Männer eine Erektion bekommen ist ja zunächst, wie oben ausgeführt nur festgestellt, dass die Kategorie als solche in der ‚Natur’ wurzelt. Was den Unterschied jenseits von Penis und Brüsten ausmachen könnte, ist damit natürlich noch nicht bestimmt. Insbesondere ist damit auch noch nichts ausgesagt über die kulturellen Zuschreibungen (auch nicht über Selbstzuschreibungen) zu den beiden Geschlechtern in verschiedenen Gesellschaften und zu verschiedenen Zeiten.
Auf dieser Ebene könnte man lediglich die Konstruktion von mehr als zwei Geschlechtern als nicht sinnvoll kritisieren und Vorbehalte gegen den ‚Gender_Gap’ mit der Frage, ob es denn um Gender oder Sex gehe, anmelden. (Wenn ich meine ungnädige Phase habe rede ich dann vom Genderloch, durch das auch folgerichtig ‚sex‘, also das biologische Geschlecht, fällt.)
Wir befinden uns ja immer noch auf der grundlegendsten Ebene der Diskussion, wie man Kultur und Natur, um es mal flapsig zu formulieren, sinnvoll unterscheiden kann und welche Kategorien dabei wie zur Verwendung kommen.
Das nächste Problem dräut ja bereits: was ließe sich den über den biologischen Unterscheid über die nackte Tatsache des sichtbaren physischen Unterschiedes und der über die Fortpflanzungsfähigkeit vermittelten Grundkategorien von männlich/weiblich noch sinnvolles sagen?
Auf meinem jetzigen Stand der Recherchen: herzlich wenig. (Richard David Prechts: Liebe Ein unordentliches Gefühl bietet ein paar Hinweise, die vielversprechend klingen. Sein Buch über Moralphilosophie hingegen ist Müll. Na ja, vielleicht ein anderes Mal etwas ausführlicher.)
Einfacher ist es da schon, darüber zu reden, was nicht sinnvoll ist.
Nicht sinnvoll ist es, die Dichotomie aufzulösen und eine Vielzahl von Geschlechtern herbei zu fantasieren, nicht sinnvoll ist es eine Biologisierung von Charaktereigenschaften oder ‚Wesens’zügen von Männern oder Frauen zu unternehmen und nicht sinnvoll ist es psychologische Forschungen und Interventionen auf der Grundlage der Blobologie für obsolet zu erklären. Umgekehrt ist es aber auch nicht sinnvoll, die persönlichen Hoffnungen und Wünsche, die persönlichen Ängste und Defizite zu rationalisieren und immer neue „Edle Wilde“ mit einem aberwitzigen Wahrnehmungsgerüst zu „entdecken“.
Soweit der Problemaufriss.
Morgen früh gibt es die Fortsetzung.
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Fundstücke 14. - 16. KW 2013
g. | Freitag, 19. April 2013, 07:53 | Themenbereich: 'Fundstuecke'
Hintergründe und Sichtweisen:
1933 Mit dem Ermächtigungsgesetz wird Adolf Hitler nicht nur durch die NSDAP, sondern auch durch die demokratischen Parteien der Mitte mit diktatorischer Macht versehen
Burnout: Warum sind wir »lieber« ausgebrannt als depressiv?
Zwischen "Elite" und Prekariat soll es fünf weitere Klassen geben
Suchmaschinen für die Hausfrau
Das Rechtsstaatsprinzip ist zwar in bestimmten Teilen Deutschlands noch existent, aber es bröckelt gewaltig
Matthias Greffrath: Der Sommer, in dem unser 68 begann
Mathias Greffrath über Rousseau (dass Greffrath Rousseau so milde charakterisiert wundert etwas) und noch ein Rousseau-Artikel von Greffrath
Der deutsche Fernseh-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ hat in Polen eine heftige Debatte entfacht.
Die Philosophie als Augenarzt (über Wissenschaftsphilosophie)
Der moderne Rechtsextremismus hat die Frauen entdeckt
Ideologie der Anti-Ideologen (über Diskurshoheiten müsste allerdings deutlich differenzierter argumentiert werden)
Konzerne versus Staaten: Mit Schiedsgerichten gegen die Demokratie
Rezension: Robert Feustel: "Grenzgänge - Kulturen des Rauschs seit der Renaissance"
kluges und interessantes:
Die Wiederkehr des Anstandswauwaus als schlecht gekleidete Feministin (mit ungewöhnlich ziviler, vermutlich restriktiv moderierter Diskussion)
Welches Problem soll die Kulturflatrate lösen? (ein ganz brauchbarer Problemaufriss)
Wo man authentisch ist bis zum Erbrechen.
Frank Lübberding: Zum Tod von Ottmar Schreiner
Jürgen Habermas: Nachmetaphysisches Denken II „Ein liberaler Staat, der seine Bürger ausdrücklich dazu ermächtigt, ein frommes Leben zu führen, darf religiöse Stimmen nicht schon an der zivilgesellschaftlichen Basis des demokratischen Prozesses zum Schweigen bringen, so Habermas.“
statt wirklicher Analyse blüht in Deutschland eine enervierende, obskurantistische Hitler-Folklore.
Peter Decker über den Begriff ‚Klasse‘
Die Spieltheorie als eine Ansammlung von Fabeln und Sprichwörtern via Kopfschüttlerin
Macht des Diskurses: Foucault (Zustimmende Darstellung des geistesgeschichtlichen Ansatzes von Foucault)
Zu Literatur und Sprache
Things that I won´t do for love erzählen erstaunlich verstörende Geschichten.
Die Welten des Ror Wolf
Matthias Greffrath stellt u.a. „die Inspektion der abendländischen Aktivitätskultur“ vor und die »List der cartesianischen Vernunft«. (Tim Parks und Klaus Michael Meyer-Abich)
Matthias Greffrath Pamphlete, Pamphlete
Für meine Afrikasammlung: Sophie Sumburane im Gespräch mit Alain Mabanckou
Was für ein unerfreulicher Haufen vertikal überspannter Biedermänner!
Jan-Christoph Hauschild: Das Wunder Heine (Zusammenstellung der Kritiker Heines, eher so na ja)
Neue Wörter und Wendungen:
Sitzkrieg
Stilleben heißt auf französisch nature morte.
Schlechtreibhelfer
Hipstermongos
Korinthen aus eigener Kackung
Schreibschreib
aufklärerische Polemik
NINJAs (no income, no job, no assets - „kein Einkommen, keine Arbeit, kein Vermögen“)
»die "Junge Freiheit", das Blatt für Rechtsradikale mit Abitur«
flatulenter Conférencier
Amüsantes:
Das nächste Mal aber…
„Die Kunst macht ja Dinge, die glaubt man nicht. Mitunter bohrt sie einem in unangenehmer Aufdringlichkeit wie ein Fremder in der Nase.“
Was so alles erforscht wird: Idealer Penis ist zwischen 12,8 und 14,2 Zentimeter lang
Wenn Sie ein ausgeglichener Mensch sind
Die beiden habe ich letzte Woche an der Warschauer Straße gesehen
Die Facebookmutti
so dies und das:
Zum Streit um die Benennung des Platzes vor dem Jüdischen Museum in Berlin. Nur Frauen erlaubt (der Artikel ist etwas denunziatorisch)
Wie man mit dem Opferschutz neue Täter schafft (Hoffentlich sind das nur Einzelfälle)
„Man könnte sich überlegen, ob die reichsten Bürger eines Landes für jeweils ein Jahr die Kosten für ein Kampfgeschwader der Luftwaffe übernehmen sollten: Mahlzeiten und Unterkunft der Piloten und ihrer Vorgesetzten, Treibstoff der Flugzeuge …“
Wer sind die Nichtwähler?
Über die Volkshäuser der Arbeiterbewegung
„Ich glaube, ab zehn zählt man nicht mehr. Da läuft das schon selbstständig und muß nur ab und zu zum Fußball gefahren werden“
Die Stellung des Tieres in den Weltreligionen - Teil 1: die jüdisch-christliche Tradition
Import-Priester in Deutschland Als afrikanischer Missionar im erzkatholischen Münsterland
Adorno als Jugendschriftsteller Vielleicht ist das die Erklärung für das ganze Honkdonitentum?
Wie ticken Onlinekommentierer politisch? (Man ahnte es schon) via Sargnagelschmiede
Über die Quotierung von Aufsichtsräten „Dort wird bisweilen, so ist zu hören, für relativ wenig Arbeit ziemlich viel Geld bezahlt. Das Familienleben „höherer Töchter“ muss unter dieser Tätigkeit wohl nicht leiden.“
kluges und interessantes:
Zu Literatur und Sprache
Neue Wörter und Wendungen:
Amüsantes:
so dies und das:
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Schnipsel
g. | Donnerstag, 18. April 2013, 06:38 | Themenbereich: 'so dies und das'
- Gott: "that bastard killed his kid“
- Weltgeist, Weltgeist, Weltgeist, dass nun ausgerechnet die, denen alles nicht distanziert, nicht körperfern genug sein kann, gegen die unsexiest doll of the world im Namen des (Anti-) Sexismus protestieren, mag ja noch im Rahmen des akzeptablen Ironielevels sein, schließlich tun sie es ja vornehmlich im Internet, aber den Namen der TAZ-Reporterin, die darüber berichtet, den verzeihe ich dir nie.
- »Wenn Sie alles retten wollen, klicken Sie hier!« #ähem
- Die Bildunterschrift: „Blinder Schäferhund auf schwarzem Asphalt mit dem Arsch in der Pfütze.“ stammt nicht von einem Mitglied des Verbandes Deutscher Tierheilpraktiker.
- Rein gar nichts geschieht. Alle reden immer vor sich hin. Oder: „Plötzlich, nachts, stand ich auf und dachte nichts.“ (Ror Wolf)
- „Vielleicht guckt sie Wiederholungen von Shopping-Queen, bis sie eine fette Depression hat.“
- „Kann mich nicht jemand dafür bezahlen, dass ich jeden Tag Django unchained gucke“ Ich auch, ich auch, …
- Parole oder parole?
- Der Vampir als ‚adelige‘ und der ‚Zombie‘ als bürgerliche Variante des Wiedergängers. Hm?!
- Zu der Schöpfung „Menschen mit farbiger Hautfarbe“ fällt mir nichts mehr ein.
- … and now for something completely different: „Unterm Strich: Kohle besser als Atom, Gas besser als Kohle, Sonne und Wind besser als Gas. Mit der Faustformel kann man am öffentlichen Leben auch noch teilnehmen, ohne Physik studiert zu haben.“ (Friedrich Küppersbusch)
- „Das gilt für Günter Grass („Israel gefährdet den Weltfrieden“) wie für Thilo Sarrazin („Ausländer stören den Hausfrieden“).“ Deniz Yücel macht mir immer mal wieder eine große Freude. „Deutsch, Deutsch, Deutsch, von den Ohren bis zum Arsch“
- Nach dem ich mich jetzt nach 30 Jahren zum zweiten Mal durch die ersten beiden Kapitel von Foucaults Überwachen und Strafen gequält habe, frage ich mich, ob ich nicht mal etwas dazu schreiben sollte. Arbeitstitel: „Der Kaiser ist ja nackt“.
- Aus einer Dissertation: „Ein Pausenbrot ist als Serienheld fraglos um Längen blöder als ein nilpferdartiger Humanoid“
- „…drum schweigt, ihr schwatzendes Heer!“ Wagner: Rheingold. Warum nicht mal mit Richard Wagner kommentieren, geht alles.
- „Ihre Haare sehen [am Morgen] aus wie Königswusterhausen.“ (M.H.) Ich finde ja, dass Pirmasens eher wie eine gammelige Birne klingt, aber gut.
- Was hat Foucault eigentlich herausgefunden? Dass die Aufklärung stattgefunden hat? This is not impressing!
- Wer sich die Frage: richtig oder falsch nicht stellt, hat schon verloren.
- Ein Fachmann für alberne Denkarten.
- Welchen Sinn sollte es ergeben, wenn man Natur und Gesellschaft aus seinem Denken verbannt?
- Esst mehr Fleischtomaten, liebe Veganer!
- „Frohe Ostern und rock' den Eierstock!“ Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie die Verfasserin den Satz gemeint hat, nur: ironisch wahrscheinlich nicht. (oder doch?)
- Woher wissen die Leute bloß, dass ihr Kind auch als Erwachsener ein Thorben-Heinrich ist?
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el ingenioso, der Sinnreiche
g. | Mittwoch, 17. April 2013, 07:22 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Der ingenioso, der mit Sinn aber nicht unbedingt mit Vernunft angefüllte, Landadelige Alonso Quijano bricht bekanntlich eines schönen Tages auf, um unvergleichliche Abenteuer zu bestehen.
Der Sinn, den man im Leben sucht, bzw. den einigermaßen Begüterte suchen, das ist seit langer Zeit ja so eine Sache.
«En un lugar de la Mancha, de cuyo nombre no quiero acordarme, no ha mucho tiempo que vivía un hidalgo de los de lanza en astillero, adarga antigua, rocín flaco y galgo corredor.»Der Ausspruch „de cuyo nombre no quiero acordarme“ wurde im heutigen Spanisch zum geflügelten Wort.
„In einem Dorfe von la Mancha, dessen Namen ich mich nicht entsinnen mag, lebte unlängst ein Edler, einer von denen, die eine Lanze auf dem Vorplatz haben, einen alten Schild, einen dürren Klepper und einen Jagdhund.“ (Übersetzung von Ludwig Tieck)
Der Sinn, den man im Leben sucht, bzw. den einigermaßen Begüterte suchen, das ist seit langer Zeit ja so eine Sache.
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Schnipsel
g. | Dienstag, 16. April 2013, 06:45 | Themenbereich: 'so dies und das'
Manchmal lese ich irgendwo etwas und was mir dazu einfällt, schreibe ich dann auf:
- Zypern ist ein Land mit 149 Banken für eine halbe Million Einwohner. Jede Bank hätte damit 3356 Kunden. Düsseldorf hat knapp 600.000 Einwohner und 36 Banken.
- Das Internet war wieder voll mit Lebensweisenheiten aller Arten:
„Ich stehe zu meinem Klitorisneid.“
„Ich glaube nach wie vor dass diese Art Internet-Feministinnen eine herbei gestylte virtuelle "Realität" ist.“
„Sie sind so relevant, dass sie zumindest als schlechtes Beispiel dienen können.“
„Kann es sein das Weibchen eher gucken und tippen und Männchen eher hengstig wichtigste Botschaften plärren, so smartphonig?“
„Früher züchtete man Tamagotschis, heute ist man selber eins.“
„Was mich an den Pseudofeministinnen nervt, …, sind zwei Dinge: sie zeigen selten Anstand, und sie lenken mit ihrem Gekreisch und Geschwurbel von den alltäglichen, handfesten Ungerechtigkeiten ab. Wer sich für Gleichstellung, Lohngleichheit und sexuelle Selbstbestimmung einsetzt, landet heute oft mit diesen EgomanInnEn im selben Topf, und das nehme ich ihnen übel.“ So is et.
Wenn die „Krawalleria in rapekultureller Trollabsicht dort einreitet, um hyperventilierend Creepercards, Triggerwarnings und Definitionsmächte zu schwenken.“
„Eine sehr gute Bekannte, promovierte Klapsmuellerin, Mutter vierer Kinder, hat eine sehr vorsichtige Haltung gegenueber Menschen, die sich allein, oder zumindest sehr prononciert ueber ihren Sex definieren.”
- Wer sich über das In-Mixgetränk des Sommers und die eigene Herausgehobenheit definiert, ist ein Schwachkopf und sonst nichts.
- Schon Ende der 1960er Jahre gab es den Begriff "Gesellschaft des Spektakels", dann kam eine kurze Zwischenphase von Realpolitik und jetzt?
- „Es ist alles freiwillig, aber es ist gut, wenn man das in seinem Zeugnis stehen hat, in seinen Bewerbungsunterlagen.“ Das wäre dann auch ein Trend aus den USA. #ähem
- Wenn man behauptet, Leute und das was sie schreiben, ‚eigentlich‘ zu schätzen, sollte man vielleicht, das was sie schreiben auch lesen. Da genügt es nicht, sich zu dem zu äußern, was man sowieso so irgendwie meint oder zu meinen glaubt, sondern man muss schon zur Kenntnis nehmen, was da tatsächlich steht. #ähem
- „Schlimmrechthaben im fortgeschrittenen Stadium“ #ähem
- „Die digitale Welt setzt die Naturgesetze außer Kraft, und wers nicht begreift , ist ein ewiggestriger Idiot.“ Der Verfasser meinte das glücklicherweise ironisch, was man ja nicht so einfach als selbstverständlich voraussetzen kann: „alle scheuen sich noch, das Web als ein dem menschlichen Gehirn homologes Konstrukt aufzufassen.“
- „erstaunlich übrigens, wie wenig freiwillige Nichtalkoholiker man in einer Gegenwart des boomenden Vegetarismus trifft“ indeed, aber kommt noch, keine Sorge.
- „Rhetorische Mittel sind übrigens ein tolles Beispiel für die Macht von Sprache – falls an die mal wieder einer nicht glauben will.“ Ja, das scheint wirklich eine Glaubensangelegenheit zu sein. Werkzeuge sind ein tolles Beispiel für die Macht von Händen?
- „Die Frage ist nicht, ob wir die eigene körperliche Existenzform mit Hilfe von Technologien verändern, sondern wie, und von welchen Bildern und symbolischen Vorstellungen wir dabei ausgehen.“ #ähem
- „wenn ich den körper der natur betrachte“
- „der Papst als Vorläufer der Demokratie“ Ne?
- „Ich ertrage das einfach nicht mehr, wenn pro Tag gefühlt zehn feministische Artikel (erweiter: 10 Artikel über Genderthemen) in meine Timeline gespült werden, 70% der feministischen Forderungen (erweitere: 100% der Genderthemen) mich aber mit Fremdscham und Wut erfüllen. Ich ertrage es nicht mehr, wenn der 20. Weltverbesserer mir erzählt, wie schlimm es um die Welt steht“ Was für ein Glück, dass ich keine Timeline habe
- „Wer den Fehler entdeckt, gewinnt eine kostenlose Teilnahme an der globalen Klimaerwärmung.“
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Lob des decent speaking
g. | Montag, 15. April 2013, 07:09 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Alle die Fehler, die Mängel,
die Körper so haben
sind doch erträglich und hören
im Laufe der Zeit einfach auf
einem im Wege zu stehn.
Zum Beispiel riecht Stierleder,
wenn man's nicht kennt,
ganz und gar unerträglich.
Hat man sich aber gewöhnt
stört es die Nase nicht mehr.
Manches hält man auch aus,
wenn man es anders benennt:
ist sie pechschwarz
dann nenn sie brünett,
schielt sie, dann
schaut sie wie Silber
Klappern die Knochen,
dann nenn sie grazil,
ist sie klein, dann
nenn sie doch handlich,
ist sie gar fett,
dann ist sie halt üppig gewachsen -
Denn, wie gesagt, je nach Standpunkt,
ist jeder Fehler ein Plus.“
Ovid: ars amatoria (Von der Kunst des …)
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