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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (23)
g. | Donnerstag, 30. August 2012, 06:52 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Samstag 16. Juni
Die Klempererlektüre beim Morgenkaffee beschert mir:
Der Urlaub geht zu ende, wir beleiben in Cefalú.
Die Begleichung der Rechnung für die Unterkunft ist chaotisch und unprofessionell. Wie immer klappt dann am Ende doch alles.
Da wir nun bald wieder zurück fliegen, sei die antike Badeanstalt, die bis ins 20.Jahrhundert hinein als Waschplatz benutzt wurde, noch nachgetragen:
Es gibt hier einen Cinquecento Cefalú Club.
Am Abend – inzwischen sind Sie ja über unsere Gewohnheiten bestens informiert – wieder zum Dom.
Der kleine Prinz auf der Piazza del Duomo: er mag seine Waffel mit Eis darin nicht und reicht sie einfach an die Oma weiter, die befehlsgemäß die Waffel aufisst. Weder Vater noch Mutter weisen ihn darauf hin, dass er die Waffel doch einfach auf die Seite legen soll und das die Oma nicht dazu da ist seine verschmähte Waffel aufzuessen. Vielleicht hat er ja schon mal Druck von den Eltern bekommen, weil er häufiger etwas will und dann eine halbe Minute später schon genug davon hatte.
Danach gehen wir zum Abschied fürstlich tafeln (Vorspeisen gibt es hier auf der Insel – sag ich Ihnen – und Nachspeisen haben sie hier – sag ich Ihnen – und Pasta und Wein und … ) und uns darüber unterhalten, warum wir nicht ein einziges Mal Fleisch essen wollten, sind wir unversehens bei den Versäumnissen unsres Aufenthaltes gelandet:
Die Klempererlektüre beim Morgenkaffee beschert mir:
„Bei BLUMENFELDS gestern mit DEMBERS zusammen. Er, wie schon oft, in politicis furchtbar pessimistisch. Im October haben wir die Nationalsocialisten, ein Jahr später die Communisten. Wenn die N. S. mich leben lassen, WENN – dann leben wir bei den C. wie in der Kaserne, nur noch versklavter, immerhin leben wir dann – in EINEM Zimmer, bei Commißbrot, vielleicht mit mehreren, usw. Dieser Pessimismus ist bei D. ganz echt, nicht gemacht, nicht momentan aufgepeitscht. Jüdische Angstpsychose? Oder mehr? Dabei das Weiterleben wie sonst; man kann nichts tun. Und das Erörtern der politischen Mittel: was könnte Brüning, was könnte Hitler etc. außenpolitisch zur Milderung der Lage tun? führt immer zum Resultat: es läßt sich nichts machen. Wehrlos gegen Frankreich, das nie ohne Zwang nachgeben wird.Mal abgesehen, dass einem das Herz in Kenntnis der weiteren Entwicklung bei solchen Sätzen fast still steht, erinnert es spontan auch an diesen Film mit Greta Garbo.
(Victor Klemperer: Tagebücher S. 255 21. Juni 1931)
„Aber von Tag zu Tag wird die deutsche Gesamtlage verzweifelter u. undurchsichtiger. Ich verstehe nicht, was vorgeht, niemand versteht es, die Zeitungen schwätzen oder Lügen. Sind wir nun in Staatsbankrott u. Inflation mitteninne (die Danatbank, die »Bankfeiertage«, die neue Milliarde Notenumlauf) oder nicht? Stürzt die Regierung? Folgt Hitler oder der Communismus? Werde ich etwas wiedersehen von dem Geld, das ich der Thuringia u. der Iduna zahle? Verlieren wir noch einmal alles wie 1923? – Vollkommen blind u. hilflos lebt man jetzt hin, und hat keine Ahnung, WAS man durchlebt, was für Geschichte sich vollzieht, u. WER Geschichte macht.“Kulturkunde nannte sich die literaturwissenschaftliche Richtung, der Klemperer anhing, nach der einem Volk einige grundlegende, sich kaum verändernde Wesenszüge anhaften. Auch Sprache und Literatur eines Volkes werden dadurch geprägt. Dazu gehören dann auch sein Nationalismus (bezogen auf Deutschland) und seine Sicht des Judentums (Wesensarten des Judentums).
(Victor Klemperer: Tagebücher S. 259 16. Juli 1931)
Der Urlaub geht zu ende, wir beleiben in Cefalú.
Die Begleichung der Rechnung für die Unterkunft ist chaotisch und unprofessionell. Wie immer klappt dann am Ende doch alles.
Da wir nun bald wieder zurück fliegen, sei die antike Badeanstalt, die bis ins 20.Jahrhundert hinein als Waschplatz benutzt wurde, noch nachgetragen:
Es gibt hier einen Cinquecento Cefalú Club.
Am Abend – inzwischen sind Sie ja über unsere Gewohnheiten bestens informiert – wieder zum Dom.
Der kleine Prinz auf der Piazza del Duomo: er mag seine Waffel mit Eis darin nicht und reicht sie einfach an die Oma weiter, die befehlsgemäß die Waffel aufisst. Weder Vater noch Mutter weisen ihn darauf hin, dass er die Waffel doch einfach auf die Seite legen soll und das die Oma nicht dazu da ist seine verschmähte Waffel aufzuessen. Vielleicht hat er ja schon mal Druck von den Eltern bekommen, weil er häufiger etwas will und dann eine halbe Minute später schon genug davon hatte.
Danach gehen wir zum Abschied fürstlich tafeln (Vorspeisen gibt es hier auf der Insel – sag ich Ihnen – und Nachspeisen haben sie hier – sag ich Ihnen – und Pasta und Wein und … ) und uns darüber unterhalten, warum wir nicht ein einziges Mal Fleisch essen wollten, sind wir unversehens bei den Versäumnissen unsres Aufenthaltes gelandet:
- Wir haben Eis im Brötchen nicht probiert.
- Wir waren nicht in der Pizzeria ‚Oktoberfest‘
- Mit meinem Forschungsprojekt, ob ‚senza unica‘ in Italien häufiger ist als ‚sin salida‘ in Spanien, bin ich kein Stück voran gekommen.
- Wir haben keine Waffeln mit Nutella gegessen.
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (Zwischenstück)
g. | Mittwoch, 29. August 2012, 07:43 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Sie haben ja keine Ahnung was man so alles heutzutage am Strand benötigt.
Wenn etwas fehlen sollte, kann man auch problemlos nachkaufen.
Wenn etwas fehlen sollte, kann man auch problemlos nachkaufen.
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (22)
g. | Dienstag, 28. August 2012, 08:18 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Freitag 15. Juni
Klemperers streiten sich:
Ich hasse Argumente.
Mittagsschlaf und danach wieder ein Lesestündchen:
Ab 1931 häufiger Stellen bei Klemperer über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf seine persönlichen Verhältnisse (Notverordnungen führen zu Kürzungen der Beamtengehälter, er erhält keinen Kredit für seinen Hauskauf usw.). Nach wie vor keine Sicht auf die politischen Auswirkungen (Zuwachs an Mandaten für die NSDAP).
Hier wird ja was weggeheiratet.
Wobei nicht alle Anwesenden am Ereignis und seiner Erfassung in Bildern gleichermaßen Aufmerksamkeit entgegenbringen und zur gleichen Zeit das Vorurteil gutgekleideter italienischer Männer widerlegt wird:
Was wäre sonst noch zum Thema Heiratsbilder am Strand zu vermerken? Hochtzeitspaar und Hochzeitsgäste inszenieren sich auf sehr verschiedene Weise, einer der Fotografen hat auf eine Dienstkleidung verzichtet und Kens Hose ist zu lang. (Vielleicht wächst er ja noch hinein.)
Nur mit geübtem Schwung lassen sich Hochzeitsbilder fertigen, deren man sich auch noch in Jahrzehnten erinnert.
Und: manche Badegäste sind von den Bilderorgien nicht beeindruckt:
Dann schlendern wir etwas durchs Städtchen und gehen – wie fast jeden Tag – auf die Piazza auf ein Bier und einen Campari.
Am Nebentisch sitzt ein Paar. Nach einigen Schlucken Bier bzw. Campari steht die Frau auf und geht auf die Toilette, auf halbem Wege kommt sie wieder und nimmt ihr Handy mit aufs Klo. Sorgte sie sich, dass ihr Mann ihre Anrufe oder SMSen kontrolliert oder glaubte sie auf 5 Minuten Erreichbarkeit nicht verzichten zu können?
Klemperers streiten sich:
„Neulich, obwohl ich mich dessen schäme u. es sehr selten tue, sagte ich zu Eva: dies sei eingeborener Naturunterschied: uns (wahrscheinlich UNS JUDEN, sicher: uns Geschwister, ich weiß es von Grete u. Marta) quält der Todesgedanke mehr als Dich. Sie hat dafür kein Verständnis. Ich werde entweder SEIN u. WISSEN, sagt sie: bene! Oder ich werde NICHT sein. Auch gut. Die unbefriedigte Wißbegier fällt dann ja auch fort ... Sehr richtig u. macht mich doch nicht froher.“Heute bleiben wir in Cefalú, weil meine Pläne, doch noch nach Siracusa zu fahren ( „Nach Syrakus? Mit Umsteigen in Messina und Catania? Da sind wir ja vier Stunden unterwegs und zurück nochmals vier Stunden. Vergiss es!“ ), von der Liebsten gnadenlos abgeschmettert wurden. Etwas freundlicher hätte sie es ja durchaus formulieren können. Wenn mein Bruder in Indonesien mal wieder mit dem Vorschlag konfrontiert wurde, man könne doch noch ein oder zwei Verwandte im Projekt einstellen, sagte er ja auch nicht: Kommt nicht in Frage, sondern lobte zunächst den Vorschlag, um dann nach einigen Minuten den Halbsatz: Er sähe da aber noch Schwierigkeiten, den Vorschlag bei den Geldgebern in Deutschland durchzusetzen, beiläufig einfließen zu lassen. Damit war der Vorschlag zwar abgeschmettert, aber das Gesicht konnte trotzdem gewahrt werden.
(Victor Klemperer: Tagebücher S. 202/3 5. Oktober 1930)
Ich hasse Argumente.
Mittagsschlaf und danach wieder ein Lesestündchen:
„Seltsam DIE ITALIENER. In der Schweiz sind sie offenbar die Proletarier, in Südamerika auch. Volk – »mehr Volk« als andere Völker, heißt es schon bei Montesquieu oder Montaigne. Und doch so viel Großes von ihnen ausgehend. – Von wem geht Großes aus? Wer bestimmt seine Zeit, wer setzt an Stelle dauernder, fesselnder Institutionen Neues – neue Moden, neue Geisteshaltungen, neue Moral, die wieder zu fesselnden Institutionen werden?“
(Victor Klemperer: Tagebücher S. 222 Lugano 11. März 1931)
„- Wir waren auf dieser Fahrt zusammen mit einem FABRIKBESITZER AUS HALLE in meinem Alter u. seiner sehr viel jüngeren Frau. Der Mann – deutschnationales Monokel u. »Sala Stresemann in Locarno – sprechen Sie mir bloß davon nicht!« - war mir ungemein interessant. »Von mir kriegen sie keinen Pfennig Steuern. Ich mache Unterbilanz, daß es raucht ... Ich müßte eigentlich die Hälfte meiner Angestellten entlassen ... Wie lange kann ich sie noch halten? ... eine HITLER-Regierung wäre mir lieber als diese Schlappschwänze. Man wüßte doch, womit rechnen ...« »Wirklich?« »Das habe ich mich allerdings auch schon gefragt. Ich glaube, Hitler ist ein unklarer Kopf u. umspannt zu viel. « Ich sagte ihm, H. ahme Mussolini nach u. erzählte ihm, wie wenig Macht u. Sicherheit hinter Mussolini stehe, u. wieviel Elend u. Unzufriedenheit. Das war ihm GANZ NEU u. machte ihm größten Eindruck. MIR war an dem Manne interessant seine völlige Unsicherheit, Unbildung, sein Tasten in politicis, sein Schwanken. Keine Spur von wirklichem Wissen, von wirklicher Überzeugtheit, von wirklichem weltanschaulichem Nationalsocialismus. Nur wirtschaftliches Interesse u. wirtschaftliche Angst. Und das ein Mann in größerer selbständiger Stellung, ein schon ziemlich gewichtiger Industrieller, ein Intellektueller. Seine Eisenträger-Handlung 200 Jahre alt, sein Bruder Professor der Philosophie in Zürich. Er hat sicher seine Stimme bei den letzten Wahlen Hitler gegeben. Wem gibt er sie das nächste Mal? Wie entsteht eine politische Macht? Was lenkt ein Land?“Notiz an mich: ‚Charaktermaske’ vs. ‚autoritärer Charakter’.
(Victor Klemperer: Tagebücher S. 229 20. März 1931)
Ab 1931 häufiger Stellen bei Klemperer über die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf seine persönlichen Verhältnisse (Notverordnungen führen zu Kürzungen der Beamtengehälter, er erhält keinen Kredit für seinen Hauskauf usw.). Nach wie vor keine Sicht auf die politischen Auswirkungen (Zuwachs an Mandaten für die NSDAP).
Hier wird ja was weggeheiratet.
Wobei nicht alle Anwesenden am Ereignis und seiner Erfassung in Bildern gleichermaßen Aufmerksamkeit entgegenbringen und zur gleichen Zeit das Vorurteil gutgekleideter italienischer Männer widerlegt wird:
Was wäre sonst noch zum Thema Heiratsbilder am Strand zu vermerken? Hochtzeitspaar und Hochzeitsgäste inszenieren sich auf sehr verschiedene Weise, einer der Fotografen hat auf eine Dienstkleidung verzichtet und Kens Hose ist zu lang. (Vielleicht wächst er ja noch hinein.)
Nur mit geübtem Schwung lassen sich Hochzeitsbilder fertigen, deren man sich auch noch in Jahrzehnten erinnert.
Und: manche Badegäste sind von den Bilderorgien nicht beeindruckt:
Dann schlendern wir etwas durchs Städtchen und gehen – wie fast jeden Tag – auf die Piazza auf ein Bier und einen Campari.
Am Nebentisch sitzt ein Paar. Nach einigen Schlucken Bier bzw. Campari steht die Frau auf und geht auf die Toilette, auf halbem Wege kommt sie wieder und nimmt ihr Handy mit aufs Klo. Sorgte sie sich, dass ihr Mann ihre Anrufe oder SMSen kontrolliert oder glaubte sie auf 5 Minuten Erreichbarkeit nicht verzichten zu können?
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Amphörchen aller Orten
g. | Montag, 27. August 2012, 06:57 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Einen lustigen Streit gab es zum Dessert der Makkaroni. Die Eseltreiber hatten mir abgelauert, daß ich wohl ihre Altertümer mit besuchen wollte, wie sich denn dieses in Sizilien einem Fremden sehr leicht abmerken läßt. Da erhob sich ein Zwist unter den edelmütigen Hippophorben über die Vorzüge ihrer Vaterstädte in Rücksicht der Altertümer. Der Eseltreiber von Agrigent rechnete seine Tempel und die Wunder und das Alter seiner Stadt her; der Eseltreiber von Syrakus sein Theater, seine Steinbrüche und sein Ohr; der Eseltreiber von Alcamo sein Segeste, und der Eseltreiber von Palermo hörte königlich zu und sagte – nichts.
Ich ... steckte also den folgenden Morgen mein Morgenbrot in die Tasche und ging hinunter in die ehemaligen Herrlichkeiten der alten Akragantiner. Was kann eine Rhapsodie über die Vergänglichkeit aller weltlichen Größe helfen? Ich sah da die Schutthaufen und Steinmassen des Jupiterstempels und die ungeheuern Blöcke von dem Tempel des Herkules, wie nämlich die Antiquare glauben; denn ich wage nicht, etwas zu bestimmen. Die Trümmern waren mit Ölbäumen und ungeheuren Karuben durchwachsen, die ich selten anderswo so schön und groß gesehen habe. Sodann gingen wir weiter hinauf zu dem fast ganzen Tempel der Concordia. Das Wetter war frisch und sehr windig. Ich stieg durch die Celle hinauf, wo mir mein weiser Führer folgte, und lief dann oben auf dem steinernen Gebälke durch den Wind mit einer nordischen Festigkeit hin und her, daß der Agrigentiner, der doch ein Mauleseltreiber war, vor Angst blaß ward, an der Celle blieb und sich niedersetzte. Ich tat das nämliche mitten auf dem Gesims, bot den Winden Trotz, nahm Brot und Braten und Orangen aus der Tasche und hielt ein Frühstück, das gewiß Scipio auf den Trümmern von Karthago nicht besser gehabt hat. Ich konnte mich doch einer schauerlichen Empfindung nicht erwehren, als ich über die Stelle des alten, großen, reichen Emporiums hinsah, wo einst nur ein einziger Bürger unvorbereitet vierhundert Gäste bewirtete und jedem die üppigste Bequemlichkeit gab. Dort schlängelte sich der kleine Akragas, welcher der Stadt den Namen gab, hinunter in die See; und dort oben am Berge, wo jetzt kaum noch eine Trümmer steht, schlugen die Karthager, und das Schicksal der Stadt wurde nur durch den Mut der Bürger und die Deisidämonie des feindlichen Feldherrn aufgehalten. Wo jetzt die Stadt steht, war vermutlich ehemals ein Teil der Akropolis. Nun ging ich noch etwas weiter hinauf zu dem Tempel der Juno Lucina und den übrigen Resten, unter denen man mehrere Tage sehr epanorthotisch hin und her wandeln könnte. Die systematischen Reisenden mögen Dir das übrige sagen, ich habe keine Entdeckungen gemacht.
( Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.)
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Schnipsel
g. | Freitag, 24. August 2012, 07:59 | Themenbereich: 'so dies und das'
Manchmal lese, sehe oder höre ich irgendwo etwas und es fällt mir dazu etwas mehr oder weniger Komisches oder Kluges ein, das schreibe ich dann auf:
- „Verhaltensgestört soll sein, wer sich keinen Account auf Facebook einrichtet, dort nicht frei und offen kommuniziert und auch sonst keine Bilder von sich hoch lädt.“Ach was?!
- Ist Kornelius-Hagen als Vorname schlimmer als Thorben-Michael?
- Kinder hat man, damit sie den Müll raus bringen und Rasen mähen. Oder so.
- „dass ich als weißer, deutscher Mann nun auch nicht in der Position bin, über wahr und falsch oder richtig und unrichtig zu urteilen.“ Aha. Und warum urteilt man dann als weißer, deutscher Mann, wenn man nicht in der Position ist als weißer, deutscher Mann zu urteilen? Bzw. was soll man denn sonst machen? Bzw. auch lesbische schwarze Behinderte können ätzend sein.
- ,Wider den schwärmerischen Antirassismus'. (Heitmeyer) oder ”Packst du jetzt aus? Packst du jetzt aus?” (Asterix bei den Briten).
- „In einer Gesellschaft, in der das Aufstellen eines Zeltes in einer städtischen Grünanlage schon eine Okkupation ist, da ist wirklicher, grundsätzlicher Wandel wohl nicht mehr möglich – nur noch ein schleichendes Absinken in die Agonie.“ Vielleicht etwas zu pessimistisch, schließlich kotzen sogar Pferde ab und an, aber auch nicht falsch.
- „Zum Beispiel stört es mich an den Linken, dass sie die Lösungen immer vom Staat erwarten. Natürlich erwarte auch ich, dass der Staat die sozialen Sicherungssysteme garantiert. Aber ich möchte, dass die sozialen Probleme in diesem Land durch persönliches Engagement mitgelöst werden. Weil Moral eine Frage von Personen ist, nicht von Gesetzen.“ (Precht) Moral geht immer vom Handeln des Einzelnen aus, ist insofern eine Sache von einigen oder auch vielen Personen. Das Problem – und das hätte er von Marx lernen können – ist aber das es bei gesellschaftlichen Problemstellungen nur selten auf den Einzelnen, seinem Tun und Wollen ankommt. Wobei man noch lange nicht beim Staat angelangt ist. U.a. Gramsci hätte er dann auch noch in seine Thesen einbauen müssen.
- “Natürlich werden wir kämpfen. Die Frage ist nur, wofür und gegen wen” (Nadescha Ostaptschuk) Ein Satz von zeitloser Schönheit.
- "Don't call me nigger, whitey! Don't call me whitey, nigger!" Ja schon, nur einen Unterschied gibt es halt doch.
- „Wenn ,Schirrmacher‘ ein gesetzlicher Feiertag würde, müsste er nicht regelmäßig solche Hämmerchen raushauen und trotzdem würden einmal im Jahr alle an ihn denken. Das spart Papier!“ Küppersbusch mal wieder.
- „So wird alle Körperlichkeit sexuell.“ Das führt mich zu halbgaren Gedanken über das seltsame Verschwinden oder die Unerträglichkeit des Körperlichen in den letzten Jahren (oder Jahrhunderten?) Hm. Hm. Wie ist das nun zu denken? Verschwindet das Körperliche in dem es nur noch als werblich Sexuelles stattfindet? Inzwischen auch bei der kleineren Hälfte der Menschheit? Ich muss mir mal bewusster die Axe-Werbung und dieses andere Duschzeug ansehen.
- Vor ein paar Tagen stürmte ich auf den letzten Drücker in die Bahn. Es war voll, aber nicht übervoll, soll heißen zwischen den Fahrgästen war durchaus noch zehn Zentimeter Abstand. Trotzdem wurde ich von einer jungen Frau lautstark angeätzt: „Jetzt muss sich der auch noch dazwischendrängeln.“ Je nun, Nähe gegenüber Unbekannten als Eindringen in den persönlichen Raum zu empfinden ist eine Sache, anmachen eine ganz andere.
- „Jeder führt ein Leben, für das der Leser Verständnis hat.“ (Joachim Lottmann) über Preisträgerprosa.
- Mein Nachbar hat Haare auf dem Hintern. Wollte ich das wissen? Na jetzt weiß ich es.
- ,Rosa macht Mädchen dümmer' schreibt die EMMA über die Produktkampagnen von Ferrero et al. Das ist ja möglicherweise nicht völlig falsch. "Zum Wohl ihrer Profitraten vermüllt die Pink-Industrie den kleinen Mädchen das Gehirn." Auch das ist ja einigermaßen richtig (richtiger wäre Profite statt Profitraten, aber das ist ein anderes Thema). Ob man nun von „Gender-Apartheid“ wie Stevie Schmiedel oder Ähnlichem reden muss, ist noch mal eine ganz andere Frage. Interessant wäre aber auch, warum ausgerechnet diese Bilder massenhaft produziert und von den lieben Kleinen angenommen werden und warum das seit „2004, also erst vor sechs Jahren“ der Fall ist und warum es sich „schneller über das Land verbreitet als die Schweinegrippe oder Ebola“. Mein ich mal so. Und um das Beispiel aus dem letzten Text („Was ist denn für euch beide das Glück?“) aufzunehmen: Warum steht für den Sohn nicht He-Man oder Spiderman oder etwas Ähnliches in gleichem Maße im Zentrum seiner Vorstellungen (wenn denn die Beobachtung richtig ist)? Das wären so spannende Fragen (die mit ziemlicher Sicherheit nix mit den Genen zu tun haben, auch wenn das mit den Genen heute in ist.)
- Bildersuche: ‚Korrektur der Schamlippen’ Jessas, was die Leute so interessiert. Vielleicht solltet ihr euch doch mit Piercing zufrieden geben und nicht mit 16 oder 17 eure Geschlechtsteile aufpimpen.
- „Ich habe laut geweint und war somit unschuldig.“ schreibt Dieseldunst. Japanische Firmenbosse machen das auch noch als Erwachsene. Was ist eigentlich aus der schönen Sitte des rituellen Selbstmordes geworden, wenn’s einer so richtig vergeigt hat?
- „Die wundervolle Sinti-Frau, mit der ich neulich mehrfach lange zusammen saß, für die war die Identität als Sinti Zentrum ihres ganzen Lebens.“ Das glaube ich gerne. Da gibt es auch nix abzuwerten, schon gar nicht gegen andere „Identitäten“. Aber: wie kann man das aushalten? Wie schafft man es unhinterfragt die Identität als Sinti (oder irgendetwas anderes) im Zentrum seines Lebens zu belassen? Und: ist das überhaupt der Fall? Wie konstituiert sich so ein Zentrum?
- "Leute, stoßt mehr Kugeln!" Eine Kollegin von mir versucht alle Welt von ihrem Sportwahn (Tanzen, Triathlon, Marathon, usw.) zu überzeugen und wird sehr unduldsam, wenn jemand seinen Körper nicht in die rechte Form gebracht hat. Da liegt mir jedes Mal ein Spruch wie: „An meinen Körper lass ich nur Schnitzel und Sechs Ämter!“ auf den Lippen. Leibesübungen aller Orten.
- Search request: warum werden rinder nicht beschlagen?
- Search request: rattenbraten belgien
- Ich hoffe die tierkundliche Fragen wurden befriedigend beantwortet.
- Search request: pornosender für sattelitenfernsehen suchen (na dann)
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (21)
g. | Donnerstag, 23. August 2012, 07:36 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Donnerstag 14. Juni 2. Teil
Am besten ist der sogenannte Concordiatempel (sogenannt, weil es keine Hinweise gibt, welcher Tempel welcher Gottheit zugedacht war) erhalten, weil der Bischof von Agrigent im 6. Jahrhundert die Säulen durch Mauern verbinden ließ und eine Kirche daraus gemacht hat.
Im Museum auf dem Gelände ist eine Rekonstruktion des Tempels aus Kork zu sehen, die einen ungefähren Eindruck des Haupttempels vermittelt.
Sieht ein bisschen wie die Fleißarbeit eines Frührentners aus. Sei’s drum.
Wir machen aber zunächst eine kleine Pause und essen ein Brötchen zu einem Preis, der den italienischen Staatshaushalt für die nächsten Jahre sanieren kann und finden einen Freund.
Nach den Massen auf dem Ausgrabungsgelände hatten wir Schlangen vor dem Museum erwartet, schließlich ist es eines der bedeutendsten Italiens. Wir mussten dann die Herrin der Eintrittskarten aber eher aus ihrem Mittagsschlaf wecken.
Statuen
und Vasen und Schalen die Fülle.
Nachdem dritten Saal mit Amphörchen mag man dann auch nicht mehr, vor allem wenn man in Rom, Neapel, Athen, Berlin, usw. schon so einige Amphörchen gesehen hat.
Wir haben noch eine Stunde Zeit bis unser Zug fährt und sehen uns die Altstadt von Agrigento an.
Sehr schön, sehr beschaulich. Beschaulich ist auch der Bahnhof. Wie die Trenitalia bei diesem Fahrgastaufkommen einigermaßen Einnahmen generieren kann?
Auf dem Rückweg nach Cefalú steigt in Termini Imerese ein Mann, Mitte 60, Sommeranzug, ohne Krawatte, in den Zug. In Deutschland würde ich Studienrat denken. Er blickt sich suchend und prüfend um. Als er sich auf einen freien Platz neben einer jungen Frau setzen will, verhakt er sich mit seiner Hosentasche in der Armlehne und reist sie sich zwei Zentimeter ein. Ärgerlich begutachtet er den Schaden. Die junge Frau hatte nur kurz von ihrem Notebook aufgesehen und eine tröstende Bemerkung gemacht. Einige andere Fahrgäste gucken halb interessiert und schließen sich den mitfühlenden Bemerkungen an.
Nach zehn Minuten beginnt er eine Unterhaltung mit seiner Nachbarin. Ich hätte ja damit gerechnet, dass die junge Frau nur aus purer Höflichkeit zuhört. Sie schien die Unterhaltung aber zunehmend zu genießen. Vielleicht war er ein charmanter Plauderer?
Am besten ist der sogenannte Concordiatempel (sogenannt, weil es keine Hinweise gibt, welcher Tempel welcher Gottheit zugedacht war) erhalten, weil der Bischof von Agrigent im 6. Jahrhundert die Säulen durch Mauern verbinden ließ und eine Kirche daraus gemacht hat.
Im Museum auf dem Gelände ist eine Rekonstruktion des Tempels aus Kork zu sehen, die einen ungefähren Eindruck des Haupttempels vermittelt.
Sieht ein bisschen wie die Fleißarbeit eines Frührentners aus. Sei’s drum.
Wir machen aber zunächst eine kleine Pause und essen ein Brötchen zu einem Preis, der den italienischen Staatshaushalt für die nächsten Jahre sanieren kann und finden einen Freund.
Nach den Massen auf dem Ausgrabungsgelände hatten wir Schlangen vor dem Museum erwartet, schließlich ist es eines der bedeutendsten Italiens. Wir mussten dann die Herrin der Eintrittskarten aber eher aus ihrem Mittagsschlaf wecken.
Statuen
und Vasen und Schalen die Fülle.
Nachdem dritten Saal mit Amphörchen mag man dann auch nicht mehr, vor allem wenn man in Rom, Neapel, Athen, Berlin, usw. schon so einige Amphörchen gesehen hat.
Wir haben noch eine Stunde Zeit bis unser Zug fährt und sehen uns die Altstadt von Agrigento an.
Sehr schön, sehr beschaulich. Beschaulich ist auch der Bahnhof. Wie die Trenitalia bei diesem Fahrgastaufkommen einigermaßen Einnahmen generieren kann?
Auf dem Rückweg nach Cefalú steigt in Termini Imerese ein Mann, Mitte 60, Sommeranzug, ohne Krawatte, in den Zug. In Deutschland würde ich Studienrat denken. Er blickt sich suchend und prüfend um. Als er sich auf einen freien Platz neben einer jungen Frau setzen will, verhakt er sich mit seiner Hosentasche in der Armlehne und reist sie sich zwei Zentimeter ein. Ärgerlich begutachtet er den Schaden. Die junge Frau hatte nur kurz von ihrem Notebook aufgesehen und eine tröstende Bemerkung gemacht. Einige andere Fahrgäste gucken halb interessiert und schließen sich den mitfühlenden Bemerkungen an.
Nach zehn Minuten beginnt er eine Unterhaltung mit seiner Nachbarin. Ich hätte ja damit gerechnet, dass die junge Frau nur aus purer Höflichkeit zuhört. Sie schien die Unterhaltung aber zunehmend zu genießen. Vielleicht war er ein charmanter Plauderer?
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (Zwischenstück)
g. | Mittwoch, 22. August 2012, 07:51 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Arte sacra oder arte moderna?
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (20)
g. | Dienstag, 21. August 2012, 07:03 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Donnerstag 14. Juni 1. Teil
Agrigent, Agrigento, Girgenti, Akragas oder auch Agrigentum genannt steht heute auf dem Besichtigungsplan.
Vorher aber noch die übliche Lesestunde am frühen Morgen:
( Studierenden: mal versuchen nachzuforschen, wie der Sprachgebrauch in den 20er Jahren war.)
und weiter
Martello frangivetro heißt das Hämmerchen mit dem in Italien die Scheiben im Falle eines Falles zerdeppert werden. (bei ebay italia kann man sich die Hämmerchen preisgünstig zulegen, sogar mit Beleuchtung. Wenn Sie so etwas brauchen sollten.)
Alora Agrigento, die Stadt auf dem Berg.
Nicht schön, nicht hässlich, ein ungewöhnliches Erscheinungsbild auf der Bergkuppe.
Wir treten auf den menschenleeren Vorplatz des Bahnhofs. Es ist wohl nicht gerade ein urbanes Zentrum. Nach einigem Gesuche, begreifen wir das Nahverkehrssystem und kaufen uns an einem Kiosk die Busfahrkarten und können danach einer jungen alleinreisenden Frau, wahrscheinlich Japanerin noch Tipps zum Fahrkartenerwerb geben. Die Touristin schließt sich uns an.
Wir entern den richtigen Bus und fahren den langen Weg den Berg hinunter zu dem riesigen Ausgrabungsgelände.
Leider verpassen wir den Ausstieg und sind unversehens mitten in Brachlandschaften. Na gut, dann eben noch eine Rundreise durch die Plattenbausiedlungen von Agrigento. Nach zehn Minuten kommt in einer leidlich finsteren Gegend eine Gruppe junger Männer in den Bus, fühlen sich mächtig stark und wollen den Fahrpreis prellen. Der Busfahrer lässt sich von ein paar Jüngelchen nicht die Butter vom Brot nehmen, stoppt seinen Bus und falten die Buben zusammen. Nach dem das geklärt ist, unsere junge Begleiterin etwas näher zu uns gerückt ist und ich vor mich hin überlegt habe, ob ich nun noch den Helden spielen muss, verlassen wir wieder die Vororte und nähern uns nach der Schleife wieder der Ausgrabungsstätte. Unsere Begleiterin lächelt uns – noch immer mit einem neugierig-besorgten Blick – an und wir reihen uns in die Schlange vor dem Kartenhäuschen ein.
Das Gelände ist riesig, der Zustand der einzelnen Tempel unterschiedlich.
Agrigent, Agrigento, Girgenti, Akragas oder auch Agrigentum genannt steht heute auf dem Besichtigungsplan.
Vorher aber noch die übliche Lesestunde am frühen Morgen:
„Dann gingen wir langsam, z. T. die Unterführung benutzend zu Wertheim. Er hat sich einen Flügel am Platz zur Voßstraße hin neu angelegt. Es ist eine ungeheure u. ungeheuer elegante Waarenstadt. Könnte »Reka« und noch etliche ähnliche Häuser in sich schlucken, wie ein großer Dampfer Barkassen lädt. Jede Abteilung gleicht einem Riesengeschäft ihres Zweiges. [...] Aber – und es war 6 Uhr, die Zeit des höchsten Besuchs! – alles leer, nicht einmal viele Leute, die besichtigen, von Käufern zu schweigen. Zwei, drei Bedienende an leeren Tischen, wenn man nach etwas fragt. Diese Stille u. Leere hat sehr großen u. deprimierenden Eindruck auf uns beide gemacht. Ich erinnerte mich an einen Bericht Dembers: er habe im August mit Studierenden große Berliner Elektrizitätsfirmen besucht: überall verlassene Säle, er sei buchstäblich erschüttert gewesen. (Drei Millionen Arbeitslose beinahe.) So ist doch wohl vieles wahr, wenn alle Welt über die große Not und Armut klagt.“Bisher die einzige Bemerkung zur Wirtschaftskrise. Klemperer scheint in seiner Dresdner Hochschule wenig von der ökonomischen Situation mitzubekommen und so sind ihm die Auswirkungen auf die politische Situation wohl auch nicht wahrnehmbar.
(Victor Klemperer: Tagebücher 12. September 1930, S. 195/6)
( Studierenden: mal versuchen nachzuforschen, wie der Sprachgebrauch in den 20er Jahren war.)
und weiter
„Wir machten gestern einen Frühspaziergang, der mit dem WAHLAKT endete. Unterwegs gab es fast politischen Zwist zwischen uns. Eva konnte sich nicht zu den Sozis, ich mich nicht zur Staatspartei entschließen (wegen des betonten Bloß-Ariertums der Jungdo ... Und dem Apelt als Jungdophin von Sachsen!) Schließlich wählte jeder von uns »seine« Partei. Wir waren uns klar darüber, daß das Richtige in der Mitte lag, unvertreten auf dem Wahlzettel ... Am späteren Abend in die Stadt, Menschenanhäufung vor der Redaction. Extrablätter NUR über das Dresdner Resultat. Es war symptomatisch für das Gesamtergebnis, wie es heute morgen vorlag. 107 Nationalsocialisten – welche Schmach, u. wie nahe steht man jetzt eigentlich dem Bürgerkrieg! Aber wir sind politisch abgestumpft. Es hat Krieg gegeben, Revolution, Inflation, u. wir leben noch immer. Also werden auch die 107 Hakenkreuze u. 76 Sowjetsterne vorüber gehen. Und wenn sie uns doch treffen – irgendwie muß man schließlich enden. Ich glaube: dies ist nicht nur meine Stimmung.“Weil wir zu doof sind einen Fahrplan zu lesen, fahren wir über Termini Imerese hinaus und stellen dann in Palermo Centrale fest, dass der Zug nach Agrigento kurz hinter Termini Imerese ins Inselinnere abbiegt. Na gut, einmal hin und dann 10 Minuten später wieder retour. Immerhin müssen wir in Termini Imerese nicht umsteigen, sondern können vom Zug aus die Industrieanlagen bewundern.
(Victor Klemperer: Tagebücher S. 196/7 15. September 1930)
Martello frangivetro heißt das Hämmerchen mit dem in Italien die Scheiben im Falle eines Falles zerdeppert werden. (bei ebay italia kann man sich die Hämmerchen preisgünstig zulegen, sogar mit Beleuchtung. Wenn Sie so etwas brauchen sollten.)
Alora Agrigento, die Stadt auf dem Berg.
Nicht schön, nicht hässlich, ein ungewöhnliches Erscheinungsbild auf der Bergkuppe.
Wir treten auf den menschenleeren Vorplatz des Bahnhofs. Es ist wohl nicht gerade ein urbanes Zentrum. Nach einigem Gesuche, begreifen wir das Nahverkehrssystem und kaufen uns an einem Kiosk die Busfahrkarten und können danach einer jungen alleinreisenden Frau, wahrscheinlich Japanerin noch Tipps zum Fahrkartenerwerb geben. Die Touristin schließt sich uns an.
Wir entern den richtigen Bus und fahren den langen Weg den Berg hinunter zu dem riesigen Ausgrabungsgelände.
Leider verpassen wir den Ausstieg und sind unversehens mitten in Brachlandschaften. Na gut, dann eben noch eine Rundreise durch die Plattenbausiedlungen von Agrigento. Nach zehn Minuten kommt in einer leidlich finsteren Gegend eine Gruppe junger Männer in den Bus, fühlen sich mächtig stark und wollen den Fahrpreis prellen. Der Busfahrer lässt sich von ein paar Jüngelchen nicht die Butter vom Brot nehmen, stoppt seinen Bus und falten die Buben zusammen. Nach dem das geklärt ist, unsere junge Begleiterin etwas näher zu uns gerückt ist und ich vor mich hin überlegt habe, ob ich nun noch den Helden spielen muss, verlassen wir wieder die Vororte und nähern uns nach der Schleife wieder der Ausgrabungsstätte. Unsere Begleiterin lächelt uns – noch immer mit einem neugierig-besorgten Blick – an und wir reihen uns in die Schlange vor dem Kartenhäuschen ein.
Das Gelände ist riesig, der Zustand der einzelnen Tempel unterschiedlich.
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Auf dem Weg nach Agrigent
g. | Montag, 20. August 2012, 07:33 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Wir ritten von Palermo bis fast an die Bagarie den Weg nach Termini und stachen dann erst rechts ab. Die Partien sind angenehm und könnten noch angenehmer sein, wenn die Leute etwas fleißiger wären. Sowie man sich von der Hauptstadt entfernt, wird es ziemlich wild. Wir kamen durch einige ziemlich unbeträchtliche Örter, und der Abfall der Kultur und des äußerlichen Wohlstandes war ziemlich grell.
( Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.)
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (19)
g. | Freitag, 17. August 2012, 06:58 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Mittwoch 13. Juni
Morgenlektüre:
Dazu geht mir ein Satz von Heinz Galinski (?) nicht mehr aus dem Kopf: „Sie haben uns zu Juden gemacht.“
Heute geht es nach Castellammare del Golfo .
Auf dem Bahnhof von Cefalú sitzt eine junge Frau, wahrscheinlich Afroamerikanerin auf der Bank, ihr T-Shirt hat den Aufdruck: „There’s too much blonde in the world.“
Das fand ich dann schon ziemlich abgefahren. Und heute, einige Wochen später, frage ich mich, ob ich es mutig finde? Wobei ich mich auch gelegentlich frage, ob Mut eine erstrebenswerte Haltung ist bzw. wann, in welchen Situationen?
In Palermo sind alle Bahnsteige mit mindestens zehn Bildschirmen ausgestattet. So kann man sich die Wartezeit mit Werbefernsehgucken vertreiben. Wenn man kein Werbefernseh gucken will hat man Pech gehabt.
Castellamare wartet zunächst mit einem Bahnhof auf, der drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist und einem Stadtbus, der den Fahrer nötigt gefühlte 20 Löcher in den Fahrschein zu knipsen.
Der Ort steigt von der Küstenlinie, vom Golf halbkreisförmig auf.
Eine Burg haben sie natürlich auch.
Wie alle diese sizilianischen Kleinstädte: sehr hübsch.
Immer wenn Hollywood ein typisch italienisches Ambiente braucht, filmen sie in Castellammare, so hat beispielsweise Michael Cimio dort seinen Film „Der Sizilianer“ über den Banditen Salvatore Giuliano gedreht. (na schön, von Castellamare ist in dem Filmausschnitt nicht zu sehen, nur ein klein wenig aus der Umgebung.)
Auswanderer aus Castellamare haben aber durchaus eine Rolle in den amerikanischen Gangsterkriegen gespielt.
Zwei hübsche Museen haben sie hier, eines zeigt die Heimatgeschichte, einschließlich der Dreharbeiten zu den ganzen Spielfilmen, die hier gedreht wurden.
Das andere Museum ist stärker meereskundlich geprägt, bietet aber auch Einblicke in volkskundliche Aspekte. Beeindruckt hat mich ein kurzer Dokumentarfilm über die Mattanza, die Thunfischjagd.
Der Film vermittelt trotz der Musik und der schlechten Bildqualität einen ganz guten Eindruck:
Morgenlektüre:
„Einen halben Tag hatten wir den unveränderten FRIEDMANN hier (ein halber Tag genügt, man ist tot!) u. erwiderten ihm bald darauf seinen Besuch in Leipzig. Grausiges stinkendes Haus in der Pfaffendorfer Str. dicht am Bahnhof; die Wohnung selbst aber schön u. mit Blick auf Gärten. Eine sehr Goy’schkesche Gattin, ein niedliches wildes verzogenes kleines Mädel; mit aller französischen Literatenwelt in Verbindung, läßt sie Vorträge halten, zeigt gemeinsame Photographie: Jules Romains u. Wilhelm Friedmann, combiniert, hofft, ist immer bewegt, genießerisch, voller Hoffnung. Dabei verstehen wir uns gut. Ich fragte: Wieso sehen wir uns so ähnlich u. so unähnlich? Er: »weil wir Juden sind – ich aus Wien, Sie aus Preußen«. Er sagte, er erwöge Rücktritt zum Judentum. Ich: Ich auch! (Und in diesen Tagen noch wahrer geworden. Seit es keine demokratische Partei*mehr gibt, nur noch die Staatspartei unter halber Führung des Jungdo, der »tolerant« ist, aber aus »rassischen« Gründen den »Arierparagraphen« für seinen Bund besitzt.) Hie Juden – dort Arier. Und wo bleibe ICH? Wo bleiben die vielen, die GEISTIG DEUTSCH sind? Wir sind keine Menagerie, hat Voßler einmal gesagt.“* gemeint ist die DDP bzw. die DStP
(Victor Klemperer: Tagebücher 6. August 1930 S. 180/1)
Dazu geht mir ein Satz von Heinz Galinski (?) nicht mehr aus dem Kopf: „Sie haben uns zu Juden gemacht.“
Heute geht es nach Castellammare del Golfo .
Auf dem Bahnhof von Cefalú sitzt eine junge Frau, wahrscheinlich Afroamerikanerin auf der Bank, ihr T-Shirt hat den Aufdruck: „There’s too much blonde in the world.“
Das fand ich dann schon ziemlich abgefahren. Und heute, einige Wochen später, frage ich mich, ob ich es mutig finde? Wobei ich mich auch gelegentlich frage, ob Mut eine erstrebenswerte Haltung ist bzw. wann, in welchen Situationen?
In Palermo sind alle Bahnsteige mit mindestens zehn Bildschirmen ausgestattet. So kann man sich die Wartezeit mit Werbefernsehgucken vertreiben. Wenn man kein Werbefernseh gucken will hat man Pech gehabt. Castellamare wartet zunächst mit einem Bahnhof auf, der drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt ist und einem Stadtbus, der den Fahrer nötigt gefühlte 20 Löcher in den Fahrschein zu knipsen.
Der Ort steigt von der Küstenlinie, vom Golf halbkreisförmig auf.
Eine Burg haben sie natürlich auch.
Wie alle diese sizilianischen Kleinstädte: sehr hübsch.
Immer wenn Hollywood ein typisch italienisches Ambiente braucht, filmen sie in Castellammare, so hat beispielsweise Michael Cimio dort seinen Film „Der Sizilianer“ über den Banditen Salvatore Giuliano gedreht. (na schön, von Castellamare ist in dem Filmausschnitt nicht zu sehen, nur ein klein wenig aus der Umgebung.)
Auswanderer aus Castellamare haben aber durchaus eine Rolle in den amerikanischen Gangsterkriegen gespielt.
Zwei hübsche Museen haben sie hier, eines zeigt die Heimatgeschichte, einschließlich der Dreharbeiten zu den ganzen Spielfilmen, die hier gedreht wurden.
Das andere Museum ist stärker meereskundlich geprägt, bietet aber auch Einblicke in volkskundliche Aspekte. Beeindruckt hat mich ein kurzer Dokumentarfilm über die Mattanza, die Thunfischjagd.
Der Film vermittelt trotz der Musik und der schlechten Bildqualität einen ganz guten Eindruck:
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (Zwischenstück)
g. | Donnerstag, 16. August 2012, 08:19 | Themenbereich: 'auf Reisen'
In Taormina hat man sich auf deutsche Touristen eingestellt.
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (18)
g. | Mittwoch, 15. August 2012, 06:42 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Dienstag 12 Juni 2. Teil
Zunächst geht es mit der Seilbahn einige hundert Meter nach oben
Auf einer kleinen Hochebene muss man umsteigen in allradbetriebene Kleinbusse (das Raupenfahrzeug im Hintergrund gehört der Polizei und dient – so vermute ich – weniger der Verbrecherjagd oder dem Verfolgen von Verkehrssündern, sondern ist wohl für Rettungseinsätze angeschafft worden.)
Die Busse werden bis auf den letzten Platz vollgepfropft. Trotzdem gibt es ein erstaunliches Ausmaß an Gegenverkehr.
Gelegentlich kommt für einen kurzen Moment die Sonne zwischen den beiden Gipfeln des Ätna (3400 und 3200 Meter hoch) durch.
Weiter geht es mit einem Führer durch die Kälte. Der Wind blies uns fast vom Gipfel. Kein wirklich gemütlicher Ort.
Zumal ein Ausbruch des Vulkans kurz bevor stehen könnte. Man hört ja immer wieder so einiges.
Der aufsteigende Rauch ist zwar nur Wasserdampf, aber fürchten kann man sich ja auch vorsorglich.
Nun, irgendwann waren wir durchgefroren, der Bus stand zur Abfahrt bereit und einige unserer Mitreisenden wollten noch Souvenirs besorgen.
Dazu bietet sich an der Talstation der Seilbahn reichlich Gelegenheit.
So ziemlich alle griechisch-römischen Götter stehen zur Auswahl, aus Gips, Kunststoff, und verzehrfertig aus Schokolade oder Zuckerguss.
Mit einem kleinen Kunststoffätna in einer Halbkugel, inklusive Schneeflocken, die nach kurzem Umdrehen auf den Ätna niederrieseln habe ich ja kurz geliebäugelt. 7,95 € fand ich dann aber doch zu üppig. Schließlich wirft man solche Teile nach einigen Wochen in den Müll.
Kurzes Abzählen ( „Wär is sebiigmän?“ ) und einige Weisheiten, Bekenntnisse und Anekdoten, um die Wartezeit zu überbrücken: „Ai laaf pasta wiff tomeitosooß.“ Und dann noch eine Stunde weiter nach Taormina, das mehr Eisdielen und Klamottengeschäfte pro Quadratmeter beherbergt als jede andere italienische Kleinstadt und dann wieder zurück.
Abends Pizza und Fußball.
Was verbleibt an Erkenntnis von diesem Tag?
Mit drei Zentimeter langen Fingernägeln kann man sich, zwar unter Schwierigkeiten, aber doch ernähren, ein belegtes Brötchen ist verzehrbar. (Übrigens gar nicht so einfach zu beobachten, wenn man nicht aufdringlich oder seltsam wirken möchte.)
Empedokles soll sich ja in den Ätna gestürzt haben, weil die Zeit ein Opfer verlangt habe.
Zunächst geht es mit der Seilbahn einige hundert Meter nach oben
Auf einer kleinen Hochebene muss man umsteigen in allradbetriebene Kleinbusse (das Raupenfahrzeug im Hintergrund gehört der Polizei und dient – so vermute ich – weniger der Verbrecherjagd oder dem Verfolgen von Verkehrssündern, sondern ist wohl für Rettungseinsätze angeschafft worden.)
Die Busse werden bis auf den letzten Platz vollgepfropft. Trotzdem gibt es ein erstaunliches Ausmaß an Gegenverkehr.
Gelegentlich kommt für einen kurzen Moment die Sonne zwischen den beiden Gipfeln des Ätna (3400 und 3200 Meter hoch) durch.
Weiter geht es mit einem Führer durch die Kälte. Der Wind blies uns fast vom Gipfel. Kein wirklich gemütlicher Ort.
Zumal ein Ausbruch des Vulkans kurz bevor stehen könnte. Man hört ja immer wieder so einiges.
Der aufsteigende Rauch ist zwar nur Wasserdampf, aber fürchten kann man sich ja auch vorsorglich.
Nun, irgendwann waren wir durchgefroren, der Bus stand zur Abfahrt bereit und einige unserer Mitreisenden wollten noch Souvenirs besorgen.
Dazu bietet sich an der Talstation der Seilbahn reichlich Gelegenheit.
So ziemlich alle griechisch-römischen Götter stehen zur Auswahl, aus Gips, Kunststoff, und verzehrfertig aus Schokolade oder Zuckerguss.
Mit einem kleinen Kunststoffätna in einer Halbkugel, inklusive Schneeflocken, die nach kurzem Umdrehen auf den Ätna niederrieseln habe ich ja kurz geliebäugelt. 7,95 € fand ich dann aber doch zu üppig. Schließlich wirft man solche Teile nach einigen Wochen in den Müll.
Kurzes Abzählen ( „Wär is sebiigmän?“ ) und einige Weisheiten, Bekenntnisse und Anekdoten, um die Wartezeit zu überbrücken: „Ai laaf pasta wiff tomeitosooß.“ Und dann noch eine Stunde weiter nach Taormina, das mehr Eisdielen und Klamottengeschäfte pro Quadratmeter beherbergt als jede andere italienische Kleinstadt und dann wieder zurück.
Abends Pizza und Fußball.
Was verbleibt an Erkenntnis von diesem Tag?
Mit drei Zentimeter langen Fingernägeln kann man sich, zwar unter Schwierigkeiten, aber doch ernähren, ein belegtes Brötchen ist verzehrbar. (Übrigens gar nicht so einfach zu beobachten, wenn man nicht aufdringlich oder seltsam wirken möchte.)
Empedokles soll sich ja in den Ätna gestürzt haben, weil die Zeit ein Opfer verlangt habe.
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Seume am Ätna
g. | Dienstag, 14. August 2012, 06:28 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Meine Mahlzeit, Freund, war ganz vom Ätna, bis auf die Fische, welche aus der See an seinem Fuße waren. Die Orangen, der Wein, die Kastanien, die Feigen und die Feigenschnepfen*, alles ist vom Fuße und von der Seite des Berges. Ich bin willens, ihn auf alle Weise zu genießen, deswegen bin ich hergekommen; ...*Feigenschnepfen, auch Grassmücken oder Wacholderdrossel genannt, waren in der Küche zu Seumes Zeiten beliebt.
( Johann Gottfried Seume: Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.)
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Reisejournal Sizilien Frühjahr 2012 (17)
g. | Montag, 13. August 2012, 07:39 | Themenbereich: 'auf Reisen'
Dienstag 12 Juni 1. Teil
Auf Sizilien Urlaub machen und den Ätna nicht sehen? Geht natürlich nicht. Da der Ätna nicht so einfach zu erreichen ist, beschließen wir mit einer organisierten Tour uns den Berg anzusehen. Leider gibt es den Ausflug nur in Kombination mit der Besichtigung von Taormina.
Und leider gibt es den Ausflug nur in Kombination mit einer Reiseführerin, in unserem Falle eine Schweizerin, die mit einem Sizilianer verheiratet in Palermo lebt und ein Englisch spricht, das einem die Schuhe auszieht.
Sie gab den im Kleinbus anwesenden Touristinnen und Touristen eine Reihe nützlichster Tipps zum Italienaufenthalt. „Wenn yo gou tuh a Bar, först gou to se Käschier änd bai a Ticket for wot you wont. If yo wont a Kap off Koffie, täll se Kaschier: un espresso, senn gou wiss se Ticket tuh se Kaunter änd tell se Män ät se Bar, sätt you wont ei cafè lungo. Cafè lungo is a big Koffie änd not sou strong as normälly änd it is tschieper wenn yo bai a Koffie änd leiter tell sät yo want a Cafè lungo. If yu ask for ei Cafè lungo ät se Kaschier, it will kost you dabbel se Prais.“
Ja, stimmt. Kann man machen, ob es sich bei einem Durchschnittspreis von 2 € oder 2,50 € für einen Espresso lohnt, währe die eine Frage und ob man einen verdünnten Kaffee möchte, die andere.
Die dritte Frage wäre dann, warum mir im Bus immer wieder FBI Special Agent Fox William Mulder einfällt.
Na egal. Von den geschätzten Mitreisenden sind mir zwei in Erinnerung: der nette rumänische Riese bzw. sebiigmän wie unsere Reiseleiterin ihn in ihrem schönsten schwynglish nannte (schwynglish ist von sänglish wie es in den Durchsagen der Deutschen Bahn gepflegt wird und von schwänglish wie es der für Energie zuständige EU-Kommissar aufs Schönste zelebriert, zu unterscheiden. Anthony Waiwelday und Mischèl Schackson hatten wir ja bereits.) und die Tochter des Portugiesischen Ehepaars mit wild-bunt bemalten Fingernägeln. Die Nägel waren ca. 3 cm lang und zwangen die junge Frau ihre Hände leicht verkrampft auf ihrem Schoß zu drapieren. Natürliche Bewegungen kann man mit solchen Schaufeln nicht machen. Dann brechen die Dinger ab oder man verletzt sich oder andere. Edward mit den Scherenhänden schoss mir in den Kopf.
Treffpunkt war die Tankstelle in der Ortsmitte und natürlich kam der Kleinbus etwas zu spät. Kein Problem, nur nicht unruhig werden.
Zunächst düsen wir aber auf der Autobahn einmal quer durch die Insel bis in die Vororte von Catania. Pastafelder
und Orangenbäume
säumen die Straße. Wir machen einen Zwischenstopp in der Nähe von Enna.
Unsere schwynglish redende Begleiterin führte uns auf eine Autobahnraststätte, die so war wie die anderen Autobahnraststätten an europäischen Autobahnen: schlechtes Essen, lauwarme Getränke, die eigentlich heiß oder kalt sein sollten, ein unangenehmes Gedränge, genervte und gestresste Reisende und alles zu völlig überhöhten Preisen. Zuerst dachte ich: was soll der Scheiß? Man hätte genau so gut an einer der Abfahrten kurz von der Autobahn runter und in einer Bar im nächsten Ort etwas trinken und essen können. Mit unseren 10 Leuten im Bus wäre das kein Problem gewesen. Als ich dann sah, dass sie ihre Getränke in der Raststätte kostenlos erhielt, waren mir die Beweggründe für den Stopp in der Raststätte klar.
Ganz in der Nähe soll es einen Ort geben, in dem der Dolce von Dolce und Gabbana geboren ist. (Ob der Dolce als Kind wechen seinem Namen gehänselt wurde?) Je nun, nun ja.
Edwarda mit den Scherenhänden interessierte sich sehr für diese Information. Sie trug aber auch eine Guccisonnenbrille bzw. Guckisonnebrille wie meine Mutter die Brille genannt hätte, die auf den Bügeln (wahrscheinlich wurden die Brillenbügel aus diesem Grund so massiv gestaltet) in großen Lettern GUCCI zu stehen hatte. Solche Guccibrillen werden wahrscheinlich von Leuten gekauft, die nur Brillen kaufen auf denen für alle sichtbar ganz groß Gucci draufsteht, das sind dann Guccidraufstehsehtherichkannmirdasleistenbrillenkäufer und –käuferinnen. Je nun, nun ja.
Und da isser nu der Ätna in der Ferne zu sehen,
der Sitz von Hephaistos, dem kleinen, hässlichen, schreienden Sohn von Hera. Die ruhmreichsten Hinkefüße kriegen ja immer die schärfsten Weiber ab. Das ist aber ein anderes Thema.

(Quelle)
Auf Sizilien Urlaub machen und den Ätna nicht sehen? Geht natürlich nicht. Da der Ätna nicht so einfach zu erreichen ist, beschließen wir mit einer organisierten Tour uns den Berg anzusehen. Leider gibt es den Ausflug nur in Kombination mit der Besichtigung von Taormina.
Und leider gibt es den Ausflug nur in Kombination mit einer Reiseführerin, in unserem Falle eine Schweizerin, die mit einem Sizilianer verheiratet in Palermo lebt und ein Englisch spricht, das einem die Schuhe auszieht.
Sie gab den im Kleinbus anwesenden Touristinnen und Touristen eine Reihe nützlichster Tipps zum Italienaufenthalt. „Wenn yo gou tuh a Bar, först gou to se Käschier änd bai a Ticket for wot you wont. If yo wont a Kap off Koffie, täll se Kaschier: un espresso, senn gou wiss se Ticket tuh se Kaunter änd tell se Män ät se Bar, sätt you wont ei cafè lungo. Cafè lungo is a big Koffie änd not sou strong as normälly änd it is tschieper wenn yo bai a Koffie änd leiter tell sät yo want a Cafè lungo. If yu ask for ei Cafè lungo ät se Kaschier, it will kost you dabbel se Prais.“
Ja, stimmt. Kann man machen, ob es sich bei einem Durchschnittspreis von 2 € oder 2,50 € für einen Espresso lohnt, währe die eine Frage und ob man einen verdünnten Kaffee möchte, die andere.
Die dritte Frage wäre dann, warum mir im Bus immer wieder FBI Special Agent Fox William Mulder einfällt.
Na egal. Von den geschätzten Mitreisenden sind mir zwei in Erinnerung: der nette rumänische Riese bzw. sebiigmän wie unsere Reiseleiterin ihn in ihrem schönsten schwynglish nannte (schwynglish ist von sänglish wie es in den Durchsagen der Deutschen Bahn gepflegt wird und von schwänglish wie es der für Energie zuständige EU-Kommissar aufs Schönste zelebriert, zu unterscheiden. Anthony Waiwelday und Mischèl Schackson hatten wir ja bereits.) und die Tochter des Portugiesischen Ehepaars mit wild-bunt bemalten Fingernägeln. Die Nägel waren ca. 3 cm lang und zwangen die junge Frau ihre Hände leicht verkrampft auf ihrem Schoß zu drapieren. Natürliche Bewegungen kann man mit solchen Schaufeln nicht machen. Dann brechen die Dinger ab oder man verletzt sich oder andere. Edward mit den Scherenhänden schoss mir in den Kopf.
Treffpunkt war die Tankstelle in der Ortsmitte und natürlich kam der Kleinbus etwas zu spät. Kein Problem, nur nicht unruhig werden.
Zunächst düsen wir aber auf der Autobahn einmal quer durch die Insel bis in die Vororte von Catania. Pastafelder
und Orangenbäume
säumen die Straße. Wir machen einen Zwischenstopp in der Nähe von Enna.
Unsere schwynglish redende Begleiterin führte uns auf eine Autobahnraststätte, die so war wie die anderen Autobahnraststätten an europäischen Autobahnen: schlechtes Essen, lauwarme Getränke, die eigentlich heiß oder kalt sein sollten, ein unangenehmes Gedränge, genervte und gestresste Reisende und alles zu völlig überhöhten Preisen. Zuerst dachte ich: was soll der Scheiß? Man hätte genau so gut an einer der Abfahrten kurz von der Autobahn runter und in einer Bar im nächsten Ort etwas trinken und essen können. Mit unseren 10 Leuten im Bus wäre das kein Problem gewesen. Als ich dann sah, dass sie ihre Getränke in der Raststätte kostenlos erhielt, waren mir die Beweggründe für den Stopp in der Raststätte klar.
Ganz in der Nähe soll es einen Ort geben, in dem der Dolce von Dolce und Gabbana geboren ist. (Ob der Dolce als Kind wechen seinem Namen gehänselt wurde?) Je nun, nun ja.
Edwarda mit den Scherenhänden interessierte sich sehr für diese Information. Sie trug aber auch eine Guccisonnenbrille bzw. Guckisonnebrille wie meine Mutter die Brille genannt hätte, die auf den Bügeln (wahrscheinlich wurden die Brillenbügel aus diesem Grund so massiv gestaltet) in großen Lettern GUCCI zu stehen hatte. Solche Guccibrillen werden wahrscheinlich von Leuten gekauft, die nur Brillen kaufen auf denen für alle sichtbar ganz groß Gucci draufsteht, das sind dann Guccidraufstehsehtherichkannmirdasleistenbrillenkäufer und –käuferinnen. Je nun, nun ja.
Und da isser nu der Ätna in der Ferne zu sehen,
der Sitz von Hephaistos, dem kleinen, hässlichen, schreienden Sohn von Hera. Die ruhmreichsten Hinkefüße kriegen ja immer die schärfsten Weiber ab. Das ist aber ein anderes Thema.
(Quelle)
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