Naslöcher XXII
g. | Montag, 26. November 2012, 05:36 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Noch sitzt auf dem Grabe der Vorwelt manch nasweiser Sohn des Teuts und grabt aus ihren modernden Gebeinen das Mark, daß die Nägel ihm schmerzen, und hat er herausgeholt den eiternden Rest, hält er verdrossen die Naslöcher zu vorm kostbaren Qualm und ruft: ›Herr, er stinket schon!‹“Johann Karl Wezel hatten wir schon einmal.
(Johann Karl Wezel: Satirische Erzählungen)
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Achille Loria
g. | Donnerstag, 22. November 2012, 06:47 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
werden Sie nicht kennen, er hatte in den 20er Jahren einen Lehrstuhl in Siena und ist eigentlich – wie Herostratos – nur berühmt, weil sich andere über ihn lustig bzw. sich über ihn aufgeregt haben. Er ist, Antonio Gramsci sei Dank, Namensgeber des Lorianismus, der intellektuellen Schaumschlägerei.
Sie glauben so ein wirres Geschwätz gäbe es heute nicht mehr?
„Gleich den Schutzbindungen (=Protektionismus) wird die neue Erfindung (=die Luftfahrt alle Bindungen niederreißen, die bis jetzt den Menschen verbarrikadierten, und wird ihm so zum ersten Mal eine volle und tätige Freiheit zugestehen! Vor allem wird dadurch jene unsichtbare und dennoch allmächtige Bindung gebrochen, die den Arbeiter ans Kapital kettet. Heute hat ja der Arbeiter, der sich weigern würde, als Lohnarbeiter für den Profit eines Kapitalisten zu dienen, keine andere Perspektive außer dem Hungertod oder der Einschließung ins Asyl oder ins Gefängnis. Aber all das wird sich unversehens ändern, wenn der Arbeiter, dem es widerstrebt, in die Fabrik zu gehen, oder der aus ihr verbannt ist, ein Flugzeug finden wird oder ein Luftschiff, das ihn zwischen die Räume erhebt. Gewiß werdet ihr sagen, mit jenem ironischen Lächeln, das alles erstarren läßt und tötet, daß die freien Räume nicht zu essen geben. Und warum nicht? Aber warum kann man die künftigen Flugzeuge nicht mit Blattpflanzen und Vogelleim ausstatten, um außergewöhnliche Vogelherde zu schaffen, die den Luftreisenden eine köstliche und kostenlose Nahrung sichern? Und schon kann der Arbeiter, der den Fabrikdienst verweigert, sich üppig sättigen und siegreich den Imperien des kapitalistischen Unternehmers entfliehen. Was wird dann aus dem ökonomischen Dogma, wonach der Kapitalist nötig ist für den Arbeiter und dieser nicht ohne jenen leben kann? Auch diese theoretische Konstruktion wird zusammenbrechen wie morsches Holz und wird der neuen und gänzlich anderen Theorie der Beziehungen zwischen Kapital und Arbeit Platz machen müssen.“ (Antonio Gramsci: Gefängnishefte 1, A 20)
Sie glauben so ein wirres Geschwätz gäbe es heute nicht mehr?
„Es (das Internet) ist Geburtsort und Lebensraum der Kommunikationsgesellschaft und somit Chiffre für einen Epochenwandel, der eines Tages im Rückblick als ebenso einschneidend gelten wird wie die Erfindung von Zügen, Autos und Flugzeugen. Ein weiterer Schritt im Bemühen der Menschheit, Zeit und Raum zu überwinden.
Beim Überwinden von Grenzen geht es um Freiheit. Hier haben wir den Punkt, der offensichtlich so schwer zu vermitteln ist: Die Piraten sind keine Internet-, sondern eine Freiheitspartei. Ihr grundlegendes Anliegen besteht in einer Rückkehr zu humanistischen Prinzipien. Das Internet kann in diesem Zusammenhang als angewandte Metapher für ein zeitgenössisches Verständnis von Freiheit begriffen werden. Freiheit durch Gleichberechtigung, Freiheit durch Meinungsäußerung, Freiheit durch allgemeinen Zugang zu Bildung und Wissen. Freiheit durch die Erosion von Hierarchien und Autoritäten. Freiheit durch Teilhabe und Pluralismus. Durch den Abschied vom linearen Denken zugunsten eines kontextuellen Verständnisses von Wirklichkeit. Das meint Christopher Lauer, wenn er sagt: »Wir machen keine Politik für das Internet, sondern für eine durch das Internet veränderte Gesellschaft.«“
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Generationenkonflikte?
g. | Dienstag, 13. November 2012, 06:27 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Vielleicht hat man zu allen Zeiten die Generation der Eltern als harmlos und entmächtigt erfahren, wenn ihre physische Kraft nachließ, während die eigene selber schon von der Jugend bedroht schien: in der antagonistischen Gesellschaft ist auch das Generationsverhältnis eines von Konkurrenz, hinter der die nackte Gewalt steht. Heute aber beginnt es auf einen Zustand zu regredieren, der zwar keinen Ödipuskomplex kennt, aber den Vatermord. Es gehört zu den symbolischen Untaten der Nazis, uralte Leute umzubringen. In solchem Klima stellt ein spätes und wissendes Einverständnis mit den Eltern sich her, das von Verurteilten untereinander, gestört nur von der Angst, wir möchten, selber ohnmächtig, einmal nicht fähig sein, so gut für sie zu sorgen, wie sie für uns sorgten, als sie etwas besaßen. Die Gewalt, die ihnen angetan wird, macht die Gewalt vergessen, die sie übten.“ (Adorno: Minima Moralia)Wenn man die Stelle Satz für Satz durchgeht, angefangen bei dem Gedanken, dass die Eltern als „entmächtigt“ erfahren werden, wenn sie alt und klapprig werden (Trotz der Erziehungsirrtümer meiner Eltern, trotz ihrer Defizite und Verfehlungen, habe ich meine Eltern eher als Nothelfer und Wegweiser erfahren, denn als ‚Macht‘, der ich mich zu unterwerfen hatte. Allerdings bin ich auch nicht verprügelt worden.) über die These, dass die physische Überlegenheit der Jüngeren eine Bedrohung darstellen solle (warum nur?) bis zur - meiner Ansicht nach unzutreffenden - Behauptung, dass das Generationenverhältnis ein Konkurrenzverhältnis sei (der Neoliberalismus versucht dies permanent in die Rentendebatte einzuschleusen, nur will das ein Großteil der Bevölkerung jeglichen Alters nicht akzeptieren.), fragt man sich, welche Art von Beschwörung wird hier veranstaltet?
Der nächste Satz erschreckt mich nachhaltig: „Es gehört zu den symbolischen Untaten der Nazis, uralte Leute umzubringen.“
Schon bei „symbolischen“ Untaten zucke ich zusammen. Was ist das für eine Wahrnehmung? Die Nazis haben keine alten Leute umgebracht sondern alte Juden, die nicht mehr arbeitsfähig waren. Alte ‚Arier‘ blieben verschont.
Einen Zusammenhang zwischen dem Generationenkonflikt (über die gewaltförmigen Erziehungsmethoden in den 50er Jahren hatte ich mal einen Text verlinkt) in Teilen der Gesellschaft und dem Holocaust mag man nachdenken, insbesondere über die Frage der Hemmschwelle bei Gewalttaten, nur so umstandslos den Holocaust psychoanalytisch zu deuten?
Das Zitat stammt von 1944.
Welche Art Bewältigungsstrategie ist das? Und warum wurde das in den 60er Jahren von der nächsten Generation von Kleinbürgern(?) begeistert aufgegriffen? Weil ihre Eltern Nazis waren?
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Naslöcher XXI
g. | Montag, 12. November 2012, 05:55 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Dies must das maul mündlich antragen,
Mit großem ernst dem magen sagen,
Die füß stampften, die hende drauten,
Die augen trotziglich ausschauten,
Der kopf winkte, die oren sausten,
Die naslöcher schnaubten und brausten.
Der gute mag hatte kein oren,
Darum wolt er davon nichts horen;
Sondern da er verdaut sein last,
Ein ganzen tag dazu gefast,
Das er doch war gar ungewont,
Wundert er sich, das man nicht lont
Für seine küchenmeisterkunst,
Welcher er lang gewart umsonst,...“
((Georg Rollenhagen: Froschmeuseler)
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Peter Bichsel
g. | Dienstag, 6. November 2012, 06:24 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
schoss mir letztens in den Kopf als ich mal wieder bei den poststrukturierten Feministinnen und Antirassisten (und sonstigen Anti-isten) herumgelesen habe.
Kindergeschichten hieß der Band mit Erzählungen. Ein blaues Suhrkampbändchen, das ich leider in meinem Bücherschrank nicht mehr gefunden habe. Wahrscheinlich ist es bei irgendeinem Umzug verloren gegangen oder ich habe den Band verliehen und nicht mehr zurück bekommen. Na, wie dem auch sei.
Eine Erzählung handelte von einem alten Mann, der entdeckt, dass es eigentlich egal ist ob man zu einem Tisch ‚Tisch‘ sagt oder ‚Bett‘ oder ‚Fitzliputzli‘. Zwischen der Bezeichnung und dem Gegenstand gibt es keine Beziehung, auch nicht zwischen dem Laut ‚Tisch‘ und dem Ding auf das wir das Abendbrot stellen.
Die Geschichte beginnt mit einem Motto:
Brecht sprach mal davon, dass „wenn die Wörter und Begriffe mit der Sache, dem Tun und den Verhältnissen, die sie bezeichnen, überhaupt kaum noch zusammenhängen, so dass man diese letzteren ändern kann, ohne die ersteren ändern zu müssen, oder die Wörter ändern kann und Sache, Tun und Verhältnisse im alten Stand belassen werden“ (GW 20, S. 91) dann wäre die Kultur im Arsch.
Wenn er recht hat, sind wir vielleicht schon so weit.
___________________
(apropos Peter Bichsel)
Kindergeschichten hieß der Band mit Erzählungen. Ein blaues Suhrkampbändchen, das ich leider in meinem Bücherschrank nicht mehr gefunden habe. Wahrscheinlich ist es bei irgendeinem Umzug verloren gegangen oder ich habe den Band verliehen und nicht mehr zurück bekommen. Na, wie dem auch sei.
Eine Erzählung handelte von einem alten Mann, der entdeckt, dass es eigentlich egal ist ob man zu einem Tisch ‚Tisch‘ sagt oder ‚Bett‘ oder ‚Fitzliputzli‘. Zwischen der Bezeichnung und dem Gegenstand gibt es keine Beziehung, auch nicht zwischen dem Laut ‚Tisch‘ und dem Ding auf das wir das Abendbrot stellen.
Die Geschichte beginnt mit einem Motto:
"Der alte Mann kaufte sich blaue Schulhefte und schrieb sie mit den neuen Wörtern voll, und er hatte viel zu tun damit, und man sah ihn nur noch selten auf der Straße."und schildert dann die Vorgeschichte, um nach zwei oder drei Seiten ziemlich traurig zu enden:
„Er schwieg, sprach nur noch mit sich selbst, grüßte nicht einmal mehr.“Tja, wenn man zwischen einem Verhältnis und einem Verhalten nicht mehr unterscheidet und sich immer weiter vom allgemeinen Sprachgebrauch entfernt, dann ist man mit dem Vollschreiben von blauen Schulheften bald so beschäftigt, dass nur noch selten auf die Straße geht.
Brecht sprach mal davon, dass „wenn die Wörter und Begriffe mit der Sache, dem Tun und den Verhältnissen, die sie bezeichnen, überhaupt kaum noch zusammenhängen, so dass man diese letzteren ändern kann, ohne die ersteren ändern zu müssen, oder die Wörter ändern kann und Sache, Tun und Verhältnisse im alten Stand belassen werden“ (GW 20, S. 91) dann wäre die Kultur im Arsch.
Wenn er recht hat, sind wir vielleicht schon so weit.
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(apropos Peter Bichsel)
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Naslöcher XX
g. | Montag, 5. November 2012, 05:25 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Dieses alles, sprach der Alte, ist der Weiber Ordnung vnd Weise, vnd meines erachtens ihre gewöhnliche purgation vnd Artzney, in dem sie die boßhafftige Feuchtigkeiten vnnd hartnäkigte Flüsse des Haupts also durch die Naslöcher vnd Augen außtreiben, eben als bey den Mannsleuten die Tabac- Narren pflegen.“
(Johann Michael Moscherosch: Gesichte Philanders von Sittewald)
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Der Esel des Buridan
g. | Donnerstag, 1. November 2012, 05:39 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Rechts Heu und Klee, links Heu und Klee!
Die allerfettsten Weiden –
Dem Esel tut das Wählen weh,
er kann sich nicht entscheiden.
Er schnopert rechts, er schnopert links
und dreht sich dreimal um –
O Buridan, o Buridan,
was ist dein Esel dumm!
Rechts Gras und Korn, links Gras und Korn,
wie knurrt es ihm im Magen!
Und immer wieder geht's von vorn,
er mag die Wahl nicht wagen.
So zwischen beiden bleibt er stehn
und fällt vor Hunger um –
O Buridan, o Buridan,
was war dein Esel dumm! –
Rechts freie Presse, links Zensur,
rechts Wahrheit, links die Lüge –
Was stehen wir und grübeln nur
und haben's nicht Genüge?
Wir horchen rechts, wir horchen links
und fragen fern und nah –
O Buridan, o Buridan,
wär' doch dein Esel da!
Die Freiheit rechts, links Sklaverei,
wer könnt' es sich verhehlen!
Wir aber stehn und stehn dabei
und wissen nicht zu wählen.
So sind wir doch weit ärger noch
und dummer noch fürwahr,
o Buridan, o Buridan,
als wie dein Esel war!
(Robert Prutz 1845)
über das Gleichnis von Buridans Esel
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F. C. Delius: Als die Bücher noch geholfen haben
g. | Freitag, 26. Oktober 2012, 07:26 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
Im letzten Urlaub habe ich es dann doch noch geschafft, Delius‘ biografische Skizzen zu lesen. Sie gliedern sich in vier Kapitel:
1. Zwischen Ich und Wir
2. Wagenbach und RAF und Rotbuch
3. Literatur vor Gericht
4. Mauer-Unterwanderungen
Eine schöne Urlaubslektüre, flott zu lesen, mühelos und für jemanden, der die Auseinandersetzungen dieser Zeit einigermaßen im Blick hat, eine mehr als lohnende Lektüre.
Vielleicht nicht reflektiert genug, zumal mir an einigen Stellen nicht klar war, ob es nur um das damalige Erleben und Empfinden ging oder ob es als Rückschau gedacht ist. Vieles wäre als Bericht über diese Zeit völlig okay, vierzig Jahre später könnte man einen anderen, weniger sich selbst rechtfertigenden und selbstlobenden Blick darauf haben.
Zwei Beispiele: zum Einen der erste Teil, der viel über die Gruppe 47 erzählt. Dass man sich als junger Autor im Rahmen einer wohlwollenden Kritik wohl fühlt, kann ich nachvollziehen (und in Susan Sonntag hätte ich mich auch verliebt). Einige Jahrzehnte später wäre ein nachdenklicher Blick auf Paul Celans Wahrnehmung der Kriegsheimkehrergeneration vor allem vor dem Hintergrund von Grass‘ Israel-Gedicht für meinen Geschmack angebracht gewesen.
Und dann im vierten Teil schildert er ausführlich seine Kontakte mit oppositionelle DDR-Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie zu Oppositionellen in anderen Ostblockstaaten und die Bemühungen des Rotbuch-Verlages sie im Westen zu veröffentlichen. Die Einschätzung, dass es eben nicht die Konservativen waren, die sich konkret bemühten, sondern ‚Linke‘ teile ich. Die ‚Geh-doch-rüber‘-Fraktion quatschte nur von den Brüdern und Schwestern. Es schleicht sich nur an einigen Stellen ein greinender Ton (‚Wir sind es doch gewesen und nicht die da.‘) ein, der heute unnötig ist. Vor dem Hintergrund der vergangenen und auch heutigen Anfeindungen ist es natürlich nachvollziehbar, auch wenn man Götz Ali et al auch nicht zu viel Beachtung schenken sollte.
Delius liest aus dem Kapitel über den Siemensprozess:
1. Zwischen Ich und Wir
2. Wagenbach und RAF und Rotbuch
3. Literatur vor Gericht
4. Mauer-Unterwanderungen
Eine schöne Urlaubslektüre, flott zu lesen, mühelos und für jemanden, der die Auseinandersetzungen dieser Zeit einigermaßen im Blick hat, eine mehr als lohnende Lektüre.
Vielleicht nicht reflektiert genug, zumal mir an einigen Stellen nicht klar war, ob es nur um das damalige Erleben und Empfinden ging oder ob es als Rückschau gedacht ist. Vieles wäre als Bericht über diese Zeit völlig okay, vierzig Jahre später könnte man einen anderen, weniger sich selbst rechtfertigenden und selbstlobenden Blick darauf haben.
Zwei Beispiele: zum Einen der erste Teil, der viel über die Gruppe 47 erzählt. Dass man sich als junger Autor im Rahmen einer wohlwollenden Kritik wohl fühlt, kann ich nachvollziehen (und in Susan Sonntag hätte ich mich auch verliebt). Einige Jahrzehnte später wäre ein nachdenklicher Blick auf Paul Celans Wahrnehmung der Kriegsheimkehrergeneration vor allem vor dem Hintergrund von Grass‘ Israel-Gedicht für meinen Geschmack angebracht gewesen.
Und dann im vierten Teil schildert er ausführlich seine Kontakte mit oppositionelle DDR-Schriftstellerinnen und Schriftstellern sowie zu Oppositionellen in anderen Ostblockstaaten und die Bemühungen des Rotbuch-Verlages sie im Westen zu veröffentlichen. Die Einschätzung, dass es eben nicht die Konservativen waren, die sich konkret bemühten, sondern ‚Linke‘ teile ich. Die ‚Geh-doch-rüber‘-Fraktion quatschte nur von den Brüdern und Schwestern. Es schleicht sich nur an einigen Stellen ein greinender Ton (‚Wir sind es doch gewesen und nicht die da.‘) ein, der heute unnötig ist. Vor dem Hintergrund der vergangenen und auch heutigen Anfeindungen ist es natürlich nachvollziehbar, auch wenn man Götz Ali et al auch nicht zu viel Beachtung schenken sollte.
Delius liest aus dem Kapitel über den Siemensprozess:
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Naslöcher XIX
g. | Dienstag, 23. Oktober 2012, 09:06 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„Neugierig schickte der Page einen Blick über seine Buchstaben hinweg nach der Gefangenen, die er sich setzen hieß, und erstaunte über ihre Schönheit. Nur von mittlerer Größe, trug sie über vollen Schultern auf einem feinen Halse ein wohlgebildetes kleines Haupt. Wenig fehlte, stillere Augen, freiere Stirn, ruhigere Naslöcher und Mundwinkel, so war es das süße Haupt einer Muse, wie unmusenhaft die Corinna sein mochte. Pechschwarze Flechten und dunkeldrohende Augen bleichten das fesselnde Gesicht. Die in Unordnung geratene buntfarbige Kleidung, von keinem südlich leuchtenden Himmel gedämpft, erschien unter einem nordischen grell und aufdringlich. Der Busen klopfte sichtbar.“Stillere Augen und ruhigere Naslöcher und ein klopfender Busen, was will man mehr.
( Conrad Ferdinand Meyer: Gustav Adolfs Page)
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Naslöcher XVIII
g. | Montag, 10. September 2012, 07:19 | Themenbereich: 'Notate und Anmerkungen'
„ Der Schleifer aber, der nichts anders glaubte, als daß der Bruder eine ihm nützliche und zustehende Urkunde vernichte, fiel über ihn her, und augenblicklich verkrallten sich ihre Hände in den beidseitigen Halsbinden, und die Greise hämmerten sich mit den kurzen, kraftlosen Faustschlägen auf die Köpfe. Mit Mühe brachte man sie auseinander und schrie ihnen, als sie atemlos dastanden, den Sachverhalt in die Ohren. Allein, sobald sie vernahmen, daß irgend jemand auf das Schriftstück, das notdürftig zusammengefügt auf dem Tische lag, sechstausend Franken ausbezahlt erhalten habe, gerieten sie, ohne sich um etwas anderes zu kümmern, wieder aneinander, zerklaubten sich aber diesmal in kürzester Frist Kinn und Backen und zerrissen sich die Naslöcher.“
(Gottfried Keller: Martin Salander)
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