Der hinkende Bote

Almanach für Matrosen, wie sie sein sollten

Dienstag, 21. April 2009
Georg Forster: Reise um die Welt 6
(Abreise – Fahrt von Plymouth nach Madera – Beschreibung dieser Insel)
Auf Madeira:
„Das gemeine Volk ist schwärzlich von Farbe und wohl gebildet, doch haben sie große Füße, welches vermuthlich von Ersteigung der steilen und steinigten Wege auf den Bergen, herkommen mag. Sie sind von länglicher Gesichtsbildung, haben schwarze Augen und schwarzes Haar, welches von Natur in Locken fällt, bey einigen aber anfängt sich wollartig zu kräuseln, eine Eigenschaft, die man vielleicht ihrer Vermischung mit Negern zuschreiben könnte. Im Ganzen sind sie plump doch nicht widerlich gebildet. Die Frauenspersonen sind häßlich; es fehlt ihnen die blühende Farbe, welche, nebst der gefälligen regelmäßigen Gestalt, dem weiblichen Geschlecht unserer nördlichen Gegenden den Vorzug über alles andre Frauenzimmer giebt. Hier in Madera sind sie klein und stark von Knochen, selbst im Gesicht, besonders aber am Fuswerk. Dabey ist nichts gefälliges in ihrer Art sich zu tragen und in ihrem Anstande; und der Farbe nach gehören sie zu den dunkelsten Brünetten. Allein, die richtigen Verhältnisse ihres Wuchses, die schöne Gestalt ihrer Hände, und ihre großen lebhaften Augen entschädigen sie einigermaßen für jene Mängel. Die Arbeitsleute tragen Sommers leinene Schifferhosen, ein grobes Hembd, einen großen Hut und Stiefeln. Einige hatten ein kurzes Camisol * von Tuch und einen langen Mantel, den sie zuweilen über den Arm schlugen. Die Frauenspersonen tragen Röcke und kurze enge Leibchen, eine Tracht, die zwar sehr einfach ist, aber manche Personen gar nicht übel kleidet. Außerdem tragen sie auch wohl einen kurzen weiten Mantel. Der Kopf aber bleibt völlig unbedeckt, und die Unverheyratheten binden die Haare oben auf dem Wirbel des Haupts zusammen.
Die Leute auf dem Lande sind ausnehmend mäßig, und leben schlecht. Sie nähren sich mehrentheils nur von Brod und Zwiebeln oder anderm Wurzelwerk und etwas Fleisch. So elend sie sich aber auch behelfen müssen, so essen sie doch nicht leicht Eingeweide oder sonst andern Abgang von Fleisch, weil die elendesten Bettler CALDAUNEN-SCHLUCKER bey ihnen genannt werden. Ihr gewöhnlicher Trunk ist Wasser, (oder auch Lauer**) ein dünnes Getränk, welches sie aus Weinträbern und Wasser zubereiten, und solches durch die Gährung etwas scharf und säuerlich werden lassen; es kann aber nicht lange aufbewahrt werden. Der Wein selbst, der diese Insel so berühmt gemacht hat, und der ihrer Hände Arbeit ist, kommt selten vor ihren Mund. Ihre Hauptbeschäftigung ist Weinbau; da solcher aber den größten Theil des Jahrs keiner Wartung bedarf, so können sie sich um so mehr ihrer Neigung zum Müßiggang überlassen, welche in warmen und fruchtbaren Ländern so natürlich ist. Die portugiesische Regierung scheint bis jetzo noch nicht die besten Mittel die besten Mittel dagegen ergriffen zu haben: Zwar ist neuerlich Befehl ergangen, daß Ölbäume angepflanzt werden sollen, wo das Land für den Weinwachs zu trocken und unfruchtbar ist; aber noch ist man nicht bedacht gewesen, den Landmann fürs erste unter die Arme zu greifen, oder Belohnungen zu versprechen, die ihn geneigt zu Neuerungen und willig zur Arbeit machen können.
Die Weinberge werden Pacht-Weise und immer nur auf ein Jahr lang ausgethan. Die Pächter bekommen vier Zehntheile vom Gewächs; vier andre Zehntheile müssen dem Grundherrn, ein Zehntheil an den König und einer an die Geistlichkeit entrichtet werden. Ein so geringer Gewinn und die Aussicht, daß sie bloß für andre arbeiten, muß natürlicherweise Muth und Hofnung niederschlagen. Dennoch sind sie bey aller Unterdrückung lustig und vergnügt, singen bey der Arbeit und versammlen sich des Abends, um nach dem Schall einer einschläfernden Guitarre zu tanzen und zu springen.“
(Forster S. 54-56)
* Kamisol, das; -s, -e [frz. camisole < provenz. camisola = Vkl. von: camisa < ital. camicia < spätlat. camis(i)a = langes Unterhemd]: eng anliegende Jacke [bei Trachten]; Unterjacke; Mieder. (Duden)
** Tresterwein


Solche Wertungen würde ich meinem 23 Jahre alten Sohn nicht durchgehen lassen.

Notiz an mich : bei Gelegenheit Kants Von den verschiedenen Rassen der Menschen’‚ und die Polemik von Forster (Georg Forster ‚Noch etwas über die Menschenraßen’) dazu lesend vergleichen. Zum Hintergrund: Hannah Arendt ‚Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft’ Teil II: Imperialismus.

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Donnerstag, 16. April 2009
Georg Forster: Reise um die Welt 5
(Abreise – Fahrt von Plymouth nach Madera – Beschreibung dieser Insel)
Vor dem Cap Finisterre begegnen sie drei spanischen Kriegsschiffen und müssen sich einer Machtdemonstration fügen.
„Anm d. Verf.: Zum Besten mancher Leser auf dem festen Lande, wird vielleicht die nachstehende Erläuterung obiger Stelle nicht ganz überflüssig seyn. Wenn ein Kriegsschiff, ein Kauffarthey- oder ein kleineres Kriegsschiff anhalten will, um dasselbe entweder auszufragen oder gar zu durchsuchen, so geschiehet das gewöhnliche Zeichen dazu, durch Abfeurung einer Kanonenkugel, welche jedoch so gerichtet wird, daß sie das Schiff nicht trifft, sondern nur bey demselben vorbey streicht. Wenn ein solchergestalt angehaltenes Schiff die Superiorität des andern und die Rechtmäßigkeit eines solchen Verfahrens nicht anerkennt, so setzt es entweder seinen Lauf fort, ohne sich an die Aufforderung des andern zu kehren, oder es erwidert die Unbescheidenheit des Fremden wohl gar durch eine ernstliche Antwort aus seinen eigenen Canonen. Hält es sich im Gegentheil für verbunden, dem andern zu gehorchen, so nimmt es zum Zeichen seiner Unterthänigkeit die Segel ein, läßt auch wohl seine Flagge nieder, kurz, es hält still oder schickt gar Leute im Boote ab, um auf die vorgelegten Fragen des andern zu antworten. In dem Text wird daher gerüget, daß die Capitains Cook und Furneaux, und zwar ersterer durch sein Beyspiel, der Ehre der brittischen Nation, (die seit der Königin Elisabeth Zeiten her den stolzen Titel von HERREN DER SEE gegen alle Mächte behauptet), hier etwas vergeben hätten, indem sie den Spaniern eine bis hieher von keinem Engländer eingestandene Oberherrschaft, in diesen Gewässern einräumten.“
(Forster S. 47/8)

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Mittwoch, 15. April 2009
Naslöcher III
Um einer aufkeimenden Kritik an einer allzu eurozentristischen Sichtweise den Boden zu entziehen:
„17. Auf einem ebnen Erdboden,
Der lieblich ist und fehlerfrei,
Nehm' er sein Manas in Obhut
Und murmele ein Maṇḍalam;

18. Den Lotossitz, den Kreuzformsitz,
Oder auch wohl den Glückessitz
Als Yogasitz richtig schlingend,
Bleibt er nach Norden zu gewandt.

19. Ein Nasloch schliesst mit dem Finger,
Luft zieht ein durch das andre er,
Staut in sich auf das Kraftfeuer
Und überdenkt den heil'gen Laut.“
( Amritabindu-Upanishad)
Von einer Erkältung genesen, versuche ich mir diese Yogaanweisungen konkret vorzustellen: Das Schließen des einen Naslochs, das Aufstauen des Kraftfeuers und den heiligen Laut.
A bissel a Sauerei gibt des jetzt aber schon?

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Dienstag, 14. April 2009
Georg Forster: Reise um die Welt 4
(Abreise – Fahrt von Plymouth nach Madera – Beschreibung dieser Insel)
„Zwey tüchtige, starke Schiffe, die RESOLUTION und die ADVENTURE, wurden zu dem Ende als Königliche Schiffe vom sechsten Rang (Sloops *) ausgerüstet, und die Capitäne JACOB COOK und TOBIAS FURNEAUX zu Befehlshabern ernannt. Am elften Junius erhielten mein Vater und ich Befehle, diese Reise gleichfalls zu unternehmen, um Gegenstände der Naturgeschichte, zu sammlen, zu beschreiben und zu zeichnen.“
(Forster S. 41)
* Sloop: Bezeichnung für ein nicht klassifiziertes Marinefahrzeug, das von einem Seeoffizier im Range eines Commanders kommandiert wurde.

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Donnerstag, 9. April 2009
Georg Forster: Reise um die Welt 3
(Einleitung)
„Die Gesundheit des Schiffsvolks ist ein so wichtiger Gegenstand bey langen beschwerlichen See-Reisen, daß man zu Beförderung und Erhaltung derselben diesmal auf außerordentliche Mittel bedacht war. Zu dem Ende hatte man verschiedne Lebensmittel an die Stelle andrer ausfindig gemacht, und vor allen Dingen unser deutsches Sauerkraut, nebst gallertartig eingekochter Fleischbrühe (...) in großer Menge an Bord geschickt.
Wir hatten in der Resolution sechzig große Fässer Sauerkraut, die vor unsrer Rückkehr ans Vorgebirge der guten Hoffnung ganz ausgeleert wurden. Die vielen Veränderungen des Clima, denen wir unterworfen gewesen, hatten ihm nichts geschadet. Ohngefähr vierzehn Tage vor unserer Ankunft in Engelland, fanden wir die letzte Tonne, die man bis dahin durch einen Zufall im Schiffsraum übersehen hatte; und auch diese enthielt so frisches und schmackhaftes Sauerkraut, daß verschiedene portugiesische Herren, die auf der Rheede von Fayal mit uns speiseten, nicht nur mit außerordentlichem Appetit davon aßen, sondern sich den im Fasse gebliebnen Rest ausbaten, um ihre Freunde am Lande damit zu bewirthen. Es ward mehrenteils zweymal die Woche, zur See aber, und besonders in den südlichsten Gegenden, auch öfter gereichet. Die Portion auf jeden Kopf war ein Pfund. Dem deutschen Leser die guten Eigenschaften dieses Gerichts anzurühmen, wäre überflüssig. Doch kann ich nicht umhin zu sagen, daß es vielleicht das allerbeste Präservativ gegen den Scharbock * ist, weil es in Menge mitgenommen, und nicht als Medicin, sondern in großen Portionen als nahrhafte Speise gebraucht werden kann.
Die Täfelchen oder Kuchen von gallertartig eingekochter Fleischbrühe verdienen den nächsten Platz, als bewährte gesunde Nahrungsmittel. Wir hatten ihrer an 5000 Pfund. Wöchentlich kochte man dreymal Erbsen 1 zu Mittage, und jedesmal ward ohngefähr zwey Loth solcher Fleischbrühe auf den Mann, darinn zerlassen. Auch ward es bisweilen zum Frühstück mit Weizen-Graupen oder Habermehl verdickt zugerichtet.
Ein und dreyßig Fässer mit eingekochter Würze (Maische) oder Bier, das bis zu einer Syrup ähnlichen Consistenz eingekocht war, wurde ebenfalls auf dieser Reise mitgenommen, um gelegentlich durch den Zusatz von Wasser und neuer Gährung zu gesundem Getränke bereitet zu werden. Allein, aus Mangel von Vorsichtigkeit, verloren wir diesen Vorrath, der im heißen Clima in Gährung gerieth und die Fässer sprengte.“

1 „Unglücklicherweise waren unsere Erbsen sehr schlecht und blieben, ohnerachtet alles Kochens, hart und unverdaulich. Die oben angeführten Sachen, hielten uns aber zum Theil schadlos und verhinderten die üble Würkung, die diese harte Speise, nebst dem Pökelfleisch hätte verursachen können.“
(Forster S. 33/34)
* dt. Name für Skorbut. Skorbut war unter Seeleuten eine weit verbreitete Krankheit. Erst der britische Schiffsarzt James Lind fand 1754, also 18 Jahre vor unserer Reise, ein Heilmittel gegen diese Mangelerscheinung.

Die Anmerkungen in hochgestellten Ziffern sind von Georg Forster; Anmerkungen mit Asterisk sind von mir.

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Mittwoch, 8. April 2009
Georg Forster: Reise um die Welt 2
(Vorrede)
Georg und Johann Reinhold Forster
Johann Georg Forster, geboren 1754 in Nassenhuben bei Danzig, begleitete, 18jährig, James Cook auf dessen zweiter Weltumsegelung und schrieb im Anschluss einen Reisebericht, (Anfang 1777 fertiggestellt, also mit 23 Jahren) der insbesondere in Deutschland große Beachtung fand. Eigentlich sollte sein Vater den Reisebericht verfassen, die Admiralität, insbesondere Lord Sandwich, verhinderten die Abfassung mit immer neuen Auflagen.

Die 'Reise um die Welt' gilt als eine der ersten wiissenschaftlich fundierten Reisebeschreibungen; er nennt sie 'philosophische Reisebeschreibung'.

Bekannter ist er vielleicht als Protagonist der Mainzer Republik.


„Ich gestehe, es gieng mir zu Herzen, den Hauptendzweck von meines Vaters Reise vereitelt, und das Publikum in seinen Erwartungen getäuscht zu sehen. Allein, da ich während der Reise sein Gehülfe gewesen, so hielt ich es für meine Schuldigkeit, wenigstens einen Versuch zu wagen, an seiner Stelle eine philosophische Reisebeschreibung zu verfertigen. Alles bestärkte mich in diesem Unternehmen, welches nun nicht mehr in Seiner Willkühr stand; ja ich sahe es als eine Pflicht an, die wir dem Publiko schuldig waren. Ich hatte hinreichende Materialien während der Reise gesammelt, und fieng mit eben so gutem Muthe an, als je ein Reisender, der selbst geschrieben, oder ein Stoppler, der je bestochen worden, die Nachrichten anderer zu verstümmeln. Kein Vergleich band mir die Hände, und selbst derjenige, den mein Vater eingegangen, erwähnte Meiner nicht mit einem Worte und entzog mir nicht im mindesten seinen Beystand. Bey jedem wichtigen Vorfall habe ich also seine Tagebücher zu Rathe gezogen, und solchergestalt eine Erzählung, der genauesten historischen Wahrheit gemäß, bewerkstelligt.“
(Forster S. 13)

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Dienstag, 7. April 2009
Georg Forster: Reise um die Welt 1
(Titel)
Dr. Johann Reinhold Forster’s
und
seines Sohnes Georg Forster’s

Reise um die Welt

auf
Kosten der Grosbrittannischen Regierung,
zu
Erweiterung der Naturkenntniß
Unternommen und
während den Jahren 1772 bis 1775 •
in dem
vom Capitain J. Cook commandirten Schiffe
THE RESOLUTION ausgeführt


So das Titelblatt der 2. Auflage von 1784, aus der wir in nächster Zeit einige Auszüge vorstellen werden, 1778 sah das Blatt etwas anders aus.

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Mittwoch, 1. April 2009
Naslöcher II
Dieses Blog ist bekanntermaßen bestrebt, seinem Ruf als führendes Organ der Naslochforschung auszubauen und so widmen wir uns heute dem Doyen dieser Froschungsrichtung:

Johann Caspar Lavater,
der 1772 im vierten Abschnitt seiner bahnbrechenden Schrift "Von der Physiognomik" über Montesquies Naslöcher folgende Ausführungen machte:
„Ich nehme das Profil des Montesquieu, nach Daciers Medaille.
...
Die Nase hat die Länge der Stirne; sie läuft, den Eindruck bey der Wurzel ausgenommen, fast in einer Linie mit der Stirne fort; in der Mitte hat sie eine kaum merkliche flache Einbiegung; unten ist sie ziemlich rund und weit hervorstehend; das Nasloch ist lang und offen; das Nasläppchen unterher fein, und nicht stumpf; die Einbiegung davon geht kaum bis auf die Hälfte der Nasbreite; der untere Umriß unter dem Nasenloch ist bis an die vördere Wölbung ziemlich horizontal, und macht mit dem Profile der obern Lippe beynahe einen rechten Winkel aus; die Wangenfalte von der Nase gegen den Mund ist etwas scharf, und beynahe bis gegen den Mund zu flach; die Oberlippe ist flach gewölbt, nicht muskulös; die Lippen scheinen ziemlich fest aufeinander zu liegen; keine ragt über die andere hervor; sie sind nicht hoch, nicht fleischicht; stehen nicht ganz horizontal; lenken sich am Ende eher ein wenig gegen das Auge.“
Was ein Glück, dass der untere Umriss nicht unziemlich horizontal verläuft. Nicht auszudenken, welche Auswirkungen das auf den Charakter haben könnte. Aber ich schwadroniere: eine Horizontale kann natürlich niemals unziemlich sein, im Gegensatz zu einer Vertikalen, die naturellement immer etwas Anstößiges hat: Wie die Nase des Mannes so sein Johannes, sagt der Volksmund.

Gut zu wissen: Das lange und offene Nasloch ist besser als ein kurzes, geschlossenes.
Überzeugend, nicht?

Lichtenberg hat sich übrigens über Lavater lustig gemacht.

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Montag, 23. Februar 2009
Hýpnos und Thánatos,
der Schlaf und der Tod, die Söhne der Nacht wurden im antiken Griechenland meist als geflügelte Jünglinge dargestellt. Hypnos mit Mohnköpfen und einem kleinen Horn, Thanatos mit einer umgestürzten Fackel. Hypnos konnte selbst Zeus einschläfern, Thanatos war den Göttern verhasst.

Hypnos und Thanatos


„Here voll Ungestüms entschwang sich den Höhn des Olympos,
Trat auf Pieria dann und Emathiens liebliche Felder,
Stürmete dann zu den schneeigen Höhn gaultummelnder Thraker,
Über die äußersten Gipfel, und nie die Erde berührend,
Schwebete dann vom Athos herab auf die Wogen des Meeres;
Lemnos erreichte sie dann, die Stadt des göttlichen Thoas.
Dort nun fand sie den Schlaf, den leiblichen Bruder des Todes,
Faßt’ ihm freundlich die Hand und redete also beginnend:

Mächtiger Schlaf, der Menschen und ewigen Götter Beherrscher,
Wenn du je mir ein Wort vollendetest, o so gehorche
Jetzt auch mir! Ich werde dir Dank es wissen auf immer.
Schnell die leuchtenden Augen Kronions unter den Wimpern
Schläfre mir ein, nachdem uns gesellt hat Lieb’ und Umarmung.
Deiner harrt ein Geschenk, ein schöner nie alternder Sessel,
Strahlend von Gold: ihn soll mein hinkender Sohn Hephaistos
Dir bereiten mit Kunst, und ein Schemel sei unter den Füßen,
Daß du behaglich am Mahl die glänzenden Füße dir ausruhst.
(Homer Ilias 14, 225ff)



Hypnos hatte nette Kinder:
Morpheus, der Gestalt und Stimme von jedem nachahmen konnte und in einem Bett aus Elfenbein schläft
Phobetor, das wilde Tier, und
Phantasos, der sich in seelenlose Steine verwandeln kann.

„Wartet indeß, bis ihr des Hervorgehns Stunde herannaht.
Jene bringt die Helle des Lichts den Erdebewohnern;
Diese den Schlaf in den Armen, den Zwillingsbruder des Todes,
Sie die schreckliche Nacht, umhüllt mit finsterer Wolke.
Auch die Söhne der Nacht, der düsteren, haben ihr Haus dort,
Beide, der Schlaf und der Tod, die furchtbaren! Nimmer auf jene
Schauet Helios her mit leuchtenden Sonnenstralen,
Steig' er zum Himmel empor, und senk' er sich wieder vom Himmel.“
(Hesiod Theogonie 749)


Die Vorstellung von Schlaf und Tod als Brüder verselbständigte sich dann in vielen Texten und Bildern
über die Jahrhunderte :

Bald borg' die Stimme vom Demetrius,
Und reize keck Lysandern zum Verdruß;
Bald schimpf' und höhne wieder wie Lysander,
Und bringe so sie weiter auseinander,
Bis ihre Stirnen Schlaf, der sich dem Tod vergleicht,
Mit dichter Schwing' und blei'rnem Tritt beschleicht.
(Shakespeare: Ein Sommernachtstraum)
„Schlaf und Tod.
Ein Abendsegen
Komm, o Du des Todes Bild,
Sanfter Schlaf, und breite
Dein Gefieder über mich!
Süßen Schlummers Beute
Ist doch das ganze Leben!
Ist Traumwerk eitler Phantasie,
Die – ach, bald auch welket sie!
Sinkt mattem Schlummer zu!
In sanfter Ohnmacht Ruh
Schwimmen, schwinden hin der Seele Bilder!
Wie dämmernder Quell,
Alle Lebenswogen!
Wird's mir, wird es auch so sein
Im Todesschlummer?“
...
(Johann Gottfried Herder, 1767)
„Die Geschwister
Schlummer und Schlaf, zwei Brüder, zum Dienste der Götter berufen,
Bat sich Prometheus herab seinem Geschlechte zum Trost;
Aber den Göttern so leicht, doch schwer zu ertragen den Menschen,
Ward nun ihr Schlummer uns Schlaf, ward nun ihr Schlaf uns zum Tod.“
(Johann Wolfgang Goethe)

du übermeister necrophilus
du fleischfraß sarcophagus
du nimmersatteswürmgehäus
o miserere nobis!
du kühler blasser matthäus
miserere miserere...
du stummer aschenrosenbaum
du leuchterloser abertraum
du genialer schneidabsherz
o miserere nobis!
du wegweiser jenseitswärts
miserere miserere...
du jammerweinberg ohne end
du hartknöcherns sacrament
du lorbeerblume bitterheit
o miserere nobis!
du unerwartetes totenkleid
miserere miserere...
du unbekannter numerus gar
in staub aus haut und haar
du sterbengel!
schwing die latern ...
et miserere nobis!
(h.c. artmann treuherzige kirchhoflieder)
In heutiger Zeit scheint das Bild vom Schlaf als Bruder des Todes insbesondere
Schlafforscher, Esotheriker und Protestanten zu beschäftigen.

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Freitag, 20. Februar 2009
Goethe: Italienische Reise
„Es ist weit mehr Positives, das heißt Lehrbares und Überlieferbares in der Kunst, als man gewöhnlich glaubt; und der mechanischen Vorteile, wodurch man die geistigsten Effekte (versteht sich immer mit Geist) hervorbringen kann, sind sehr viele. Wenn man diese kleinen Kunstgriffe weiß, ist vieles ein Spiel, was nach wunder was aussieht, und nirgends glaub’ ich, dass man mehr lernen kann in Hohem und Niedrem, als in Rom.“
( Goethe: Italienische Reise S. 586)
Das Letzte dürfte natürlich Blödsinn sein.

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